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CHROMATOGRAPHIE Urkundenfälschung analytisch nachweisen

| Autor / Redakteur: Guido Deußing* / LP-Redaktion

Wenngleich die Pyrolyse-GC/MS in manchen Fällen als Mittel der Wahl zum Einsatz kommt, um Urkundenfälschungen auf die Spur zu kommen, bedient sich das Urkundenlabor der Kantonspolizei Zürich erfolgreich einer anderen Technik.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Wenngleich die Pyrolyse-GC/MS in manchen Fällen als Mittel der Wahl zum Einsatz kommt, um Urkundenfälschern auf die Spur zu kommen, bedient sich das Urkundenlabor der Kantonspolizei Zürich erfolgreich einer anderen Technik. Sie nutzen die Gaschromatographie in Verbindung mi einer speziellen Art der Probenanreicherung, der Thermodesorption. Diese Methode lässt es zu, unter verschiedenen Temperaturen zu messen.

Der Schaden, der jedes Jahr durch Urkundenfälschung angerichtet wird, lässt sich sicherlich mit Milliarden Euro beziffern. Einen erheblichen Beitrag bei der Ahndung von Urkundenfälschung kann die forensische Wissenschaft leisten: „Wir sind heute in der Lage zu klären“, sagt Dr. Andreas Rippert von der Kriminaltechnischen Abteilung der Kantonspolizei Zürich, „ob handgeschriebene oder gedruckte Zeichen echt oder manipuliert sind, ob ein Dokument nachträglich geändert oder ob es als Ganzes gefälscht worden ist.“ Darüber hinaus sei es möglich Auskunft zu geben, erklärt der forensische Chemiker weiter, in welchem Zeitraum ein Dokument gefälscht wurde, was zur Aufklärung bisher ungelöster Fälle beitragen könne.

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Pyrolyse-GC/MS nur eingeschränkt einsetzbar

Eine gängige Technik zur Untersuchung von Papier und Schriftstücken ist die Pyrolyse-GC/MS, bei der die Probe unter Entzug von Luftsauerstoff zersetzt wird. Die Vorteile sind:- deren gute Eignung für geringere Probemengen und- sie liefert quantitative Information über die detektierte Substanzen.

Die Sache hat nur einen Haken. Dr. Andreas Rippert: „Versuche, Schriftstücken das Geheimnis ihrer materiellen Zusammensetzung mittels Pyrolyse-GC/MS zu entlocken, führen zu zahlreichen Peaks, die allerdings sowohl aus der Tinte als auch aus dem Papier resultieren können. Zusätzlich lässt die hohe Pyrolyse-Temperatur Zerfallsprodukte entstehen, die eine Interpretation der Ergebnisse erschweren.“

Thermodesorption als Mittel der Wahl

„Um eine eindeutige Aussage treffen zu können“, ergänzt Dr. Rolf Hofer von der Kriminaltechnischen Abteilung der Kantonspolizei Zürich, „bedarf es einer GC-Aufgabetechnik, bei der sich die Ausheiztemperatur variieren lässt, um die aus der Probe ausdampfenden Gase in mehreren Schritten, also bei unterschiedlichen Temperaturen zu messen.“ Die Lösung fanden die Forensiker der Züricher Kantonspolizei bei der Thermodesorption unter Einsatz des Gerstel Thermal-Desorption-System TDS. Dr. Rolf Hofer: „Indem das Trägergas bei unterschiedlichen Temperaturen über die Papierprobe streicht, desorbieren nacheinander alle relevanten leicht- und schwerflüchtigen Analyten, die vor Aufgabe auf die Trennsäule cryofokussieren werden.“

Analyse und Ergebnisse von Kugelschreiberproben

Dr. Andreas Rippert: „Bei Temperaturen unter 100 °C lassen sich Leichtflüchter detektieren, vor allem Phenol- und Benzolderivate sowie Kohlenwasserstoffe bis Heptadecan.“ Bei Temperaturen ab 100°C können zusätzlich schwerer flüchtige Substanzen wie langkettige Karbonsäuren, Phthalate und höher siedende Kohlenwasserstoffe nachgewiesen werden.

„Wurde der verdächtige Schriftzug im Verlauf der vergangenen Wochen zu Papier gebracht, also bei frischen Spuren“, schildert der Wissenschaftler, „emittieren Kohlenwasserstoffe sowie mittelschwer flüchtige Verbindungen wie Phenoxyethanol und Phenoxyethoxyethanol in deutlich nachweisbaren Konzentrationen. Bei 210 °C desorbieren letzte Rückstände flüchtiger Substanzen auch aus älteren Tintenproben.“ Und Dr. Rolf Hofer ergänzt: „Während sich die Gesamtheit der detektierten Substanzen zur beweisfesten Differenzierung von Schreibsystemen eignet, stehen Phenoxyethanol und Phenoxyethoxyethanol zur Altersbestimmung im Vordergrund.“

Fazit: Mit dem TDS-KAS-GC/MS-System lassen sich Schreibsysteme der gleichen Art detektieren und beweissicher unterscheiden. „Für eine Analyse sind Abschnitte des Dokuments, die nicht größer als 5 mm sein müssen, ausreichend, um komplizierte und unklare Fälle aufzuklären“, sagt Dr. Hofer.

* G. Deußing, ScienceCommunication, 41464 Neuss

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