Eine Bremse für die Alzheimer-Erkrankung: Das Antikörper-Präparat Donanemab hat in einer klinischen Studie das Voranschreiten von Demenzen im Anfangsstadium um 35 Prozent verlangsamt. Experten der deutschen Gesellschaft für Neurologie ordnen die Ergebnisse der Studie ein.
Amyloid-Plaques an den Neuronen sind ein bekannter Faktor für die Entstehung von Alzheimer (Symbolbild).
(Bild: nobeastsofierce - stock.adobe.com)
Gesundheitsproblem in unserer Gesellschaft. In Deutschland gibt es jährlich ungefähr 244.000 Neuerkrankungen [1]. Die Demenz-Prävalenz nimmt mit dem Lebensalter zu: Bis zu 10 Prozent der über 65-Jährigen und bis zu 40 Prozent der über 80-Jährigen leiden an einer Demenz [2]. Demenzen sind chronisch-neurodegenerative Erkrankungen, die zu kognitiven Störungen, Verhaltensauffälligkeiten und anderen, beispielsweise neuropsychiatrischen Symptomen, führen.
Die Mehrzahl der Demenz-Betroffenen, etwa 70 bis 80 Prozent, hat eine Alzheimer-Erkrankung (AD), die typischerweise durch spezielle neuropathologische Merkmale nachweisbar ist. Dies sind eiweißhaltige Ablagerungen (Proteinaggregate) im Gehirn, so genannte Alzheimer-Plaques aus Beta-Amyloid sowie Alzheimer-Fibrillen (Fasern) aus Tau-Protein. Diese Ablagerungen bilden Angriffspunkte neuer Therapien, sei es mit Antikörpern oder „small molecules“.
Erste Antikörper sind bereits in USA auf dem Markt und zugelassen. „Die Wirkstoffe sind wirksam, aber bisher hatten wir noch nicht das Gefühl, dass sie echte ‚Gamechanger‘ im Bereich der Alzheimertherapie sind“, sagt Prof. Dr. Lars Timmermann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Der Nutzen war oft nicht so hoch wie erhofft und die Nebenwirkungen mitunter beträchtlich“, erklärt der Experte.
Große klinische Studie mit Antikörper-Präparat
Nun scheint sich das Blatt zu wenden. Mitte Juli 2023 erschien eine Phase-III-Studie zu dem Medikament Donanemab [3], die eine hohe Effizienz dieses Antikörpers zeigte, der sich gegen Beta-Amyloid richtet. 1.736 Testpersonen im Alter von durchschnittlich 73 Jahren wurden randomisiert und erhielten über einen Zeitraum von 72 Wochen verblindet alle vier Wochen intravenös den Antikörper oder ein Placebo.
Die Teilnehmenden waren im Frühstadium der Erkrankung, sie wiesen bei Einschluss in die Studie nur leichte klinische Alzheimersymptome (milde kognitive Einschränkungen) auf sowie bildgebend Beta-Amyloid-Ablagerungen und eine Tau-Pathologie, also Ablagerungen von körpereigenen so genannten Tau-Proteinen“ im Gehirn (unterteilt in Gruppen: mild/medium und hoch). Der primäre Endpunkt war der Unterschied im Ergebnis auf der „integrated Alzheimer Disease Rating Scale“ (iADRS). Diese Skala, die sich besonders für die Erfassung der Progression in frühen Demenzstadien eignet, reicht von den Werten 0 bis 146, wobei niedrigere Ergebnisse für eine schlechtere Leistung der Getesteten stehen [4].
Therapieerfolg im Frühstadium
Im Ergebnis zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen: In der gesamten Studienpopulation hatte der Wert auf der iARDS in der mit Donanemab behandelten Gruppe in Woche 76 um 10,2 abgenommen, in der Placebogruppe um 13,1 (p < 0,001). Betrachtete man nur die Patienten mit geringer und mittlerer Tau-Pathologie, war der Unterschied sogar noch etwas höher: Die Abnahme auf der Skala betrug 6,02 in der Verumgruppe und 9,27 unter Placebo. Somit konnte die Progression der Erkrankung um 35,1% verlangsamt werden, zumindest bei den milderen Diagnosen.
Auch verschiedene sekundäre Endpunkte bestätigten den Therapievorteil: Die Amyloid-Plaques verringerten sich (87,0 Centiloide in der Donanemab-Gruppe gegenüber nur 0,67 in der Placebogruppe). Betrachtete man nur die Patienten mit zum Studieneinschluss geringer und mittlerer Tau-Pathologie, zeigte sich unter der Antikörper-Therapie ein deutlicher Rückgang der Amyloid-Plaques, während diese in der Placebogruppe zunahmen. Auf die Tau-Pathologie hatte die Therapie keinen Einfluss.
Plaques im Gehirn als Treiber von Alzheimer
„Wir haben nun den Nachweis, dass die Amyloid-Plaques ein ‚driver‘ der Erkrankung und damit ein klinisch effektives Therapietarget sind und nicht nur ein ‚Begleitprodukt‘ der Alzheimer-Pathogenese. Die klinische Befundung der Patientinnen und Patienten und die Biomarkerbefunde stimmen überein“, erklärt DGN-Präsident Timmermann. „Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass insbesondere Betroffene in frühen Erkrankungsstadien von der Therapie profitieren.“ Wie der Experte weiter ausführt, mache das deutlich, wie wichtig Biomarker für das frühe Erkennen der Erkrankung seien. „Es ist nun wichtig, dass wir zeitnah einen Frühtest, vorzugsweise einen einfachen Bluttest, auf Alzheimer bekommen.“
Stand: 08.12.2025
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Erste Tests sind bereits für die Anwendung in klinischen Studien zugelassen, ein Test zur Alzheimer-Früherkennung wurde von Wissenschaftlern der Universität in Bochum entwickelt: Er erkennt erste Fehlfaltungen den Beta-Amyloid bereits, bevor es zu den krankheitsauslösenden Ablagerungen kommt und hat somit prognostischen Wert, wie eine kleinere Studie zeigte [5]. Derzeit befindet sich der Test in der Evaluierung anhand von größeren Kohorten. „Wenn wir einen validen Frühtest haben, der sich auch für Massen-Screenings eignet, und eine Therapie, die in den Frühstadien hocheffektiv ist, kann das die Alzheimer-Therapie revolutionieren“, bewertet Timmermann den Fortschritt. Allerdings gibt er zu bedenken, dass auch andere Ursachen als Amyloid-Ablagerungen zur Krankheitsprogression beitragen können. „Die Alzheimer-Krankheit ist mit dieser Therapie noch nicht heilbar.“
Darüber hinaus gibt es auch noch Herausforderungen zu lösen: So hat die Therapie Nebenwirkungen. In der Behandlungsgruppe traten drei Todesfälle auf, die im Zusammenhang mit der Therapie stehen (vs. einem Todesfall in der Placebogruppe). Auffällig häufiger ließen sich bildgebend kleine Hirnblutungen (sog. zerebrale Mikrohämorrhagien) nachweisen – mit 26,8 Prozent in der Verumgruppe und 12,5 Prozent in der Placebogruppe.
„Eine weitere Limitation im klinischen Alltag werden die hohen Therapiekosten sein“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit. „Angesichts der hohen und aufgrund des demographischen Wandels noch weiter ansteigenden Prävalenz stellt sich die Frage, wie und ob unser Gesundheitssystem einen flächendeckenden Einsatz finanzieren kann und will. Dazu brauchen wir einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs auf wissenschaftlicher Basis, den unsere Fachgesellschaft gern begleitet.“
Wie der Experte betont, dürfe die Aussicht auf eine erfolgreiche Therapie auf keinen Fall das Bemühen um die Prävention behindern. Etwa 40 Prozent aller Demenzerkrankungen könnten vermieden oder ihr Fortschreiten verlangsamt werden, wenn die entsprechenden Lebensstilfaktoren angegangen würden. Dazu gehören vor allem
eine ausgewogene, bevorzugt mediterrane Ernährung,
die Vermeidung von Übergewicht,
die Gesunderhaltung der Darmflora,
regelmäßige geistige, körperliche und soziale Aktivität,
Erhalt bzw. Korrektur des Hörvermögens durch ein Hörgerät,
ein erholsamer Schlaf,
die Vermeidung von übermäßigem Stress,
ein Blutdruck im Normalbereich
und der maßvolle Umgang mit organ- und hirnschädigenden Substanzen wie Alkohol und Nikotin.
Literatur
[1] Deuschl G, Maier W et al. S3-Leitlinie Demenzen, 2016, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: (abgerufen am 18.07.2023)
[2] Hacke, Werner (Hrsg.): Neurologie, Springer-Verlag 2016. S. 648 ff.