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Mini-Brennstoffzelle für Implantate Aus körpereigenem Zucker Strom erzeugen

Von Stefanie Reiffert*

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Glukose ist der wichtigste Energielieferant in unserem Körper. Nun wollen Forscher das Polysaccharid im Körper auch als Energiequelle für medizinische Implantate nutzen. Sie haben eine Glukose-Brennstoffzelle entwickelt, die den Zucker in Elektrizität umwandelt.

Glukose ist der wichtigste Energielieferant in unseren Körper (Symbolbild)
Glukose ist der wichtigste Energielieferant in unseren Körper (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Medizinische Implantate wie etwa Sensoren zur Messung der Vitalfunktionen, Elektroden zur Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson oder auch Herzschrittmacher benötigen zuverlässige und möglichst kleine Stromquellen. Batterien können jedoch nicht beliebig verkleinert werden, da sie ein gewisses Volumen benötigen, um Energie zu speichern.

Ein Forschungsteam um Jennifer Rupp, Professorin für Chemie der Festkörperelektrolyte an der Technischen Universität München (TUM) und Dr. Philipp Simons vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat nun eine Glukose-Brennstoffzelle entwickelt, die nur 400 Nanometer dick ist – ein Hundertstel des Durchmessers eines menschlichen Haares. „Anstatt eine Batterie zu verwenden, die 90 Prozent des Volumens eines Implantats beansprucht, könnte unser Gerät in Form von dünnen Filmen auf einem Silizium-Chip oder zukünftig sogar auf die Oberfläche der Implantate aufgebracht werden“, sagt Rupp.

Glukose-Brennstoffzelle verwendet Keramik statt Kunststoff

Die Glukose-Brennstoffzelle besteht aus zwei Elektroden – der Kathode und der Anode – sowie einer Elektrolytschicht. Die Glukose aus dem Körper wird an der Anode in Glukonsäure umgewandelt, wobei Protonen freigesetzt werden. Der Elektrolyt leitet die Protonen durch die Brennstoffzelle zur Kathode, wo sie sich mit der Luft zu Wassermolekülen verbinden. Die Elektronen fließen in einen externen Stromkreis, wo sie zur Stromversorgung eines elektronischen Geräts verwendet werden können.

Die Idee, Glukose-Brennstoffzellen als Stromquelle zu nutzen, ist nicht neu. Die bisherigen Geräte verwendeten dabei Kunststoffe als Elektrolytschicht. „Da Kunststoffmaterialien nicht mit gängigen Produktionsverfahren der Halbleiterindustrie kompatibel sind, können sie nur schwer auf Siliziumchips aufgebracht werden, die Stand der Technik bei medizinischen Implantaten sind. Dazu sind harte Materialien nötig“, erklärt Simons. Ein weiterer Nachteil: Bei der Sterilisation der Implantate werden die Polymere, aus denen der Kunststoff besteht, teilweise beschädigt.

Die Forscher verwendeten für ihre Brennstoffzelle daher keramische Elektrolyte. Die gewählte Keramik lässt sich leicht miniaturisieren und auf einem Siliziumchip integrieren und ist biokompatibel. Das Material hält außerdem auch hohen Temperaturen stand.

Bisher höchste Leistungsdichte

Das Team stellte 150 der Glukose-Brennstoffzellen auf einem Chip her, jede etwa 400 Nanometer dünn und etwa 300 Mikrometer breit. Die Forscher brachten die Zellen auf Siliziumwafern auf und zeigten so, dass die Geräte mit einem gängigen Halbleitermaterial kombiniert werden können. Anschließend ließen sie eine Glukoselösung über jeden Wafer fließen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass viele der Zellen eine Spitzenspannung von etwa 80 Millivolt erzeugten. Diese Spannung ist ausreichend, um Sensoren und viele andere elektronische Geräte für Implantate zu betreiben. In Anbetracht der winzigen Größe jeder Zelle ist dies die höchste Leistungsdichte aller bisherigen Glukose-Brennstoffzellendesigns.

„Es ist das erste Mal, dass die Protonenleitung in elektrokeramischen Materialien für die Umwandlung von Glukose in Strom genutzt werden kann", erklärt Rupp. In einem nächsten Schritt will das Forschungsteam dazu beitragen, die Erfindung langfristig in die praktische Anwendung zu bringen.

Originalpublikation: Philipp Simons, Steven A. Schenk, Marco A. Gysel, Lorenz F. Olbrich, Jennifer L.M. Rupp: A Ceramic-Electrolyte Glucose Fuel Cell for Implantable Electronics, Advanced Materials, April 2022,

https://doi.org/10.1002/adma.202109075

* S. Reiffert, Technische Universität München, 80333 München

(ID:48364295)

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