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Lärm, Feinstaub, Hitze und Umweltgifte schaden Herzgesundheit Vom Umweltstress zum Herzinfarkt

Quelle: Pressemitteilung Universitätsmedizin Mainz 3 min Lesedauer

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Das Herz im Kreuzfeuer. Eine internationale Übersichtsarbeit zeigt, wie Umweltfaktoren in besonders in Kombination miteinander das Herz-Kreislauf-System schädigen können. In der Studie untersuchen die Forscher Einflüsse wie Wasser-, Boden- und Luftverschmutzung aber auch Lärm und Folgen des Klimawandels.

Umweltfaktoren wie Feinstaub, Lärm, Hitze und Umweltgifte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit häufigste Todesursache, deutlich erhöhen. Besonders groß sind die schädigenden Auswirkungen, wenn mehrere Umweltbelastungen gleichzeitig bestehen.(Bild:  Mod. nach Münzel T et al. Cardiovascular Research 2025, https://doi.org/10.1093/cvr/cvaf119)
Umweltfaktoren wie Feinstaub, Lärm, Hitze und Umweltgifte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit häufigste Todesursache, deutlich erhöhen. Besonders groß sind die schädigenden Auswirkungen, wenn mehrere Umweltbelastungen gleichzeitig bestehen.
(Bild: Mod. nach Münzel T et al. Cardiovascular Research 2025, https://doi.org/10.1093/cvr/cvaf119)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfassen eine Vielzahl von Krankheiten, die das Herz und die Blutgefäße betreffen. Zu solchen kardiovaskulären Erkrankungen gehören beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall, Koronare Herzkrankheit (KHK), Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen. Die Erkrankungen stellen weltweit die führende Todesursache dar. In Deutschland sind sie nach Angaben des Robert Koch-Instituts für etwa 40 Prozent aller Sterbefälle verantwortlich. Dementsprechend groß ist der Bedarf an wirkungsvollen Strategien zur Vorbeugung der Krankheiten und damit auch an Kenntnissen zu den Risikofaktoren. Gut bekannt ist, dass Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel sowie eine ungesunde Ernährung entscheidend zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Doch auch andere Faktoren haben einen erheblichen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko.

Welche Risiken gehen von den verschiedenen Umweltstressoren aus?

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universitätsmedizin Mainz warnt jetzt in einer Übersichtsarbeit vor einer wichtigen Gruppe von Risikofaktoren, die in aktuellen Präventionsstrategien bisher wenig berücksichtigt wird: Umweltfaktoren wie Lärm, Feinstaub, Hitzewellen und chemische Belastungen von Boden und Wasser

Die wichtigsten in der aktuellen Publikation dargestellten Erkenntnisse zu den Auswirkungen von verschiedenen Umweltbelastungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Dauerhafter Verkehrslärm aktiviert Stresshormone, stört den Schlaf und verursacht Bluthochdruck sowie Gefäßentzündungen.
  • Insbesondere ultrafeine Staubpartikel (PM2,5, UFP) gelangen über die Lunge in den Blutkreislauf und fördern oxidativen Stress, Endothelschäden und Arteriosklerose.
  • Immer häufigere Hitzewellen belasten besonders ältere und herzkranke Menschen. In Städten kommt es durch versiegelte Flächen und fehlendes Grün verstärkt zu „Hitzeinseln“, die das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen.
  • Rückstände von Pestiziden, Schwermetallen und PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die sich kaum oder gar nicht abbauen, im Boden und im Wasser gelangen über Nahrung und Trinkwasser in den Körper. Erste Studien zeigen, dass diese Schadstoffe Entzündungen verstärken, die Gefäßfunktion beeinträchtigen und langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können.

Gefährliche Kombination: Stressoren wirken als Ganzheitliches „Exposom“ besonders negativ

Besonders bedenklich ist laut den Erkenntnissen der Wissenschaftler eine Kombination von mehreren Umweltbelastungen: Das so genannte Multimodale Exposom kann die schädigenden Auswirkungen der einzelnen Umweltstressoren deutlich vergrößern. „Lärm verstärkt die Wirkung von Luftschadstoffen und Hitze wirkt wie ein Katalysator für vaskuläre Schäden durch Toxine“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Seniorprofessor am Zentrum für Kardiologie – Kardiologie I der Universitätsmedizin Mainz und einer der Autoren der Übersichtsarbeit. „Die biologischen Schnittmengen reichen von oxidativem Stress über die Aktivierung des entzündungsfördernden Enzyms NOX-2 bis zur Endotheldysfunktion – allesamt frühe Wegbereiter für den Herzinfarkt und den Schlaganfall“, ergänzt Münzel.

Das Exposom-Konzept bietet einen ganzheitlichen Ansatz, der die komplexen Wechselwirkungen zwischen Umweltbelastungen und biologischen Reaktionen im Laufe des Lebens einer Person berücksichtigt, um sie in die Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos einzubeziehen und geeignete Präventionsstrategien zu entwickeln. Strengere Umwelt- und Lärmschutzgesetze, eine nachhaltige Stadtplanung und grüne Infrastruktur können helfen, die Belastungen durch Umweltstressoren zu reduzieren, betonen die Wissenschaftler in der Übersichtsarbeit.

Originalpublikation: Münzel T, Kuntic M, Lelieveld J, Daiber A et al.: A comprehensive review/expert statement on environmental risk factors of cardiovascular disease. Cardiovascular Research 2025; DOI: 10.1093/cvr/cvaf119

(ID:50514333)

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