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Standardisierte Methoden der Duftbewertung Neue Norm für eklige Gerüche

Quelle: Pressemitteilung VDI Verein Deutscher Ingenieure 2 min Lesedauer

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Was riecht gut? Und welcher Duft bringt Übelkeit und Würgreflex hervor? Diese Fragen sind oft an persönliche Erfahrungen geknüpft, etwa wenn man es auf einer Party mit dem Tequila übertrieben hat und seit dem „Tag danach“ den Geruch der Spirituose als abstoßend empfindet. Nun hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) eine Richtlinie herausgebracht, die sich erstmals mit einer standardisierten Methode zur Bewertung von ekelerregenden und Übelkeit auslösenden Gerüchen befasst.

Manche Gerüche verursachen Ekel. Eine neue VDI-Richtlinie soll bei der Bewertung solcher unangenehmer Gerüche helfen (Symbolbild).(Bild:  GPT Image Generator / KI-generiert)
Manche Gerüche verursachen Ekel. Eine neue VDI-Richtlinie soll bei der Bewertung solcher unangenehmer Gerüche helfen (Symbolbild).
(Bild: GPT Image Generator / KI-generiert)

Der Geruchssinn ist unser „Ursinn“. Gerüche haben Einfluss auf unsere Emotionen und sie warnen uns vor Gefahren. Überall und zu jeder Zeit werden wir von Gerüchen begleitet. Ob wir sie als angenehm oder unangenehm empfinden, ist oft sehr komplex und individuell. Doch was, wenn Gerüche regelrecht Ekel oder Übelkeit auslösen? Ist eine solche Wirkung von Duftstoffen objektiv messbar?

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) schließt mit dem Entwurf der Richtlinie VDI 3940 Blatt 6 eine Lücke im technischen Regelwerk: Die Publikation enthält erstmals eine standardisierte Vorgehensweise, um zu ermitteln, ob ein Geruch als ekelerregend oder Übelkeit auslösend einzustufen ist.

„Es ist eine Methode, die sich Bausteinen bereits beim VDI standardisierter und etablierter Methoden zur Bewertung von Gerüchen, z.B. der Geruchsintensität und Hedonik, bedient und durch weitere Fragen ergänzt wird“, sagt Dr. Anke Niebaum, Fachbereichsleitung Umweltwirkungen beim VDI. Die Methode helfe somit bei der Beurteilung, ab wann ein Geruch als ekelerregend oder Übelkeit auslösend einzustufen ist. „Das ist vor allem für Behörden wichtig, die im Rahmen von Anlagengenehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz oder bei Beschwerden aus der Bevölkerung reagieren und handeln müssen“, erklärt die Expertin.

Regelwerk zur Messung und Bewertung von Gerüchen in der Außenluft

Im Fokus der neuen Richtlinie steht ein wissenschaftlich entwickelter Fragebogen. Damit lässt sich das so genannte Ekelpotenzial sowohl am Emissionsort, sprich an einer Anlage, und am Immissionsort, also z. B. einem Wohnumfeld, bewerten. Eine Gefährdung der Gesundheit besteht dann, wenn ein kritischer Schwellenwert überschritten wird – eben jenes Ekelpotenzial.

Die VDI-Richtlinie, die am 1. Juli 2025 offiziell erscheint, schafft mehr Rechtssicherheit in Genehmigungsprozessen. Präsentiert wird die Richtlinie im Rahmen der 11. VDI-Fachtagung „Gerüche in der Umwelt“ am 18. und 19. November 2025 in Salzburg. Die Richtlinie ergänzt das komplexe technische Regelwerk des VDI rund um die Messung und Bewertung von Gerüchen in der Außenluft (z.B. DIN EN 13725, DIN EN 16841, VDI 3940, VDI 3880, VDI 3882, VDI 3883, VDI 3884) und im Innenraum (VDI 4302, DIN ISO 16000-28, DIN ISO 16000-30) sowie die Regelungen der Technischen Anleitung Luft (TA Luft Anhang 7).

Einsprüche zum Entwurf der Richtlinie können bis zum 28. Februar 2026 eingereicht werden.

Das „Sauce-béarnaise-Syndrom“

Ob wir einen Geruch angenehm finden oder nicht, hängt stark mit persönlichen Erfahrungen zusammen. Menschen können regelrecht eine Aversion gegen einen bestimmten Geruch oder Geschmack von Lebensmitteln entwickeln. Wer sich zum Beispiel einmal beim Muscheln-Essen den Magen verdorben hat, wird wahrscheinlich den Geruch einer Muschelsuppe nicht mehr mögen.

Diesen Mechanismus beschreibt der Psychologe Martin Seligman als „Sauce-béarnaise-Syndrom“. Nach einem Abendessen mit Filet und Sauce béarnaise musste er sich übergeben und entwickelte einen dauerhaften Ekel gegen die Sauce, nicht aber gegen das Fleisch. Die Aversion entwickelte sich, obwohl Seligman wusste, dass der Auslöser für die Übelkeit eine Magen-Darm-Grippe war.

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