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Doppelt geimpft reicht bald nicht mehr Boostern gegen Omikron

Quelle: dpa

Wie gefährlich ist die Omikron-Variante von SARS-CoV-2? Diese Frage lässt sich noch nicht beantworten. Zur Schutzwirkung der Impfung gegen die neue Variante gibt es aber erste Anhaltspunkte der Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer. Deren Fazit: eine Booster-Impfung wird wahrscheinlich nötig sein.

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Impf-Boostern wird gegen die Omikron-Variante von Corona besonders wichtig, wie erste Laborversuche nahelegen (Symbolbild).
Impf-Boostern wird gegen die Omikron-Variante von Corona besonders wichtig, wie erste Laborversuche nahelegen (Symbolbild).
(Bild: ©Dominik - stock.adobe.com)

Mainz (dpa) – Für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante des Coronavirus sind nach Angaben der Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer drei Dosen ihres Produktes nötig. Ersten Labordaten zufolge schützten zwei Dosen nicht ausreichend vor einer Infektion mit der kürzlich entdeckten Variante, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Sie gehen allerdings davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung weiterhin gegeben ist. Eine Booster-Dosis erhöhe den Antikörper-Spiegel ausreichend, um auch die Omikron-Variante zu neutralisieren. Bei Bedarf könne ab März ein angepasster Impfstoff bereitgestellt werden.

Deutlich geringerer Impfschutz gegenüber Omikron

Biontech und Pfizer hatten in Laboruntersuchungen geprüft, wie gut Blutseren geimpfter Personen mit den darin enthaltenen Antikörpern die kürzlich entdeckten Omikron-Variante des Coronavirus neutralisieren können. Sie nutzten für ihre Untersuchung eine künstlich hergestellte Form des Virus. Aus den Ergebnissen lassen sich Erkenntnisse über die Schutzwirkung ableiten, auch wenn Laboruntersuchungen die realen Bedingungen nicht vollständig widerspiegeln.

Das Ergebnis dieser Labortests unterstreicht die Bedeutung der Booster-Impfung: im Vergleich zur Wirkung gegen den Wildtyp des Erregers war das Neutralisierungspotenzial nach „nur“ zwei Impfstoffdosen um das 25-fache reduziert. Die auf die Impfung hin gebildeten T-Zellen würden von den Mutationen der Variante allerdings nicht beeinträchtigt. Deshalb „gehen die Unternehmen davon aus, dass geimpfte Personen immer noch gegen schwere Formen der Krankheit geschützt sein könnten.“

Schwere Verläufe könnten auch mit Doppelimpfung reduziert sein

Die Booster-Dosis erhöhte den Antikörper-Spiegel den Angaben zufolge um das 25-fache, also auf die Schutzwirkung, die eine Doppelimpfung gegen den Wildtyp „Alpha“ des Coronavirus hat. „Auch wenn zwei Dosen des Impfstoffs möglicherweise weiterhin Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten, zeigen diese ersten Daten sehr deutlich, dass der Schutz mit einer dritten Dosis unseres Impfstoffs verbessert wird“, sagte Albert Bourla, Chef des Pharmakonzerns Pfizer.

Die Blutseren für den Versuch der Hersteller wurden drei Wochen nach der zweiten Impfung oder vier Wochen nach der dritten Impfung entnommen. Daten zur Langlebigkeit der durch den Booster induzierten Antikörpertiter werden derzeit noch erhoben.

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In 100 Tagen zu angepassten Impfstoffen

Die Unternehmen haben bereits damit begonnen, ihren Impfstoff an die Omikron-Variante anzupassen. Diese Arbeiten würden fortgesetzt, erste Chargen eine angepassten Vakzins könnten produziert und bei Genehmigung durch die Behörden innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. Die erwarteten Produktionsmengen von vier Milliarden Dosen des Impfstoffs im Jahr 2022 würden sich auch bei einer nötigen Anpassung nicht ändern.

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Wichtige Infos zu Omikron

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Was ist Omikron?

Omikron (B.1.1.529) ist eine Mutante von SARS-CoV-2, die gegenüber dem Wildtyp „Alpha“ des Virus 50 Veränderungen (Mutationen) aufweist – 32 davon am Spike-Protein, das als „Schlüssel“ zum Infizieren der Zellen angesehen wird.

Wann wurde Omikron entdeckt?

Offiziell bestätigt wurde die Omikron-Variante auf einer Pressekonferenz des südafrikanischen Gesundheitsministeriums am 24. November 2021. Forscher des Netzwerks für Genom-Überwachung in Südafrika (NGS-SA) hatten die Variante zwei Tage zuvor bei ihren routinemäßigen Sequenzierungen von Virusproben entdeckt.

Wie gefährlich ist Omikron?

Hierzu fehlen noch Daten für eine gesicherte Antwort. Die WHO stufte Omikron aber am 26. November 2021 als besorgniserregende Virusvariante (VOC) ein. In Südafrika waren die ersten nachgewiesenen Omikron-Fälle zwar überwiegend mit einem milden Krankheitsverlauf verknüpft. Dies könne aber auch damit zusammenhängen, dass sich die Variante anfangs v. a. unter jungen Menschen ausgebreitet habe, wie der Virologe Wolfgang Preiser in einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte. Die Verbreitungsgeschwindigkeit der neuen Variante schätzen Experten als hoch ein. Laut des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) deuten die vorläufigen Daten aus Südafrika darauf hin, dass sich Omikron innerhalb weniger Monate gegenüber der momentan dominierenden Delta-Variante durchsetzen könnte.

Wo ist Omikron schon nachgewiesen?

Die erstmals in Südafrika entdeckte Variante wurde bereits in insgesamt 41 Ländern nachgewiesen, darunter England, den USA, Australien und Brasilien (Stand 9. Dezember 2021). In Deutschland wurden die ersten Fälle am 27. und 28. November 2021 bei Reiserückkehrern aus Südafrika bekannt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist auf eine Übersichtsseite zur Verbreitung von Omikron, auf der neue Fälle gesammelt werden. Hier ist u. a. eine interaktive Karte eingebettet, die den Verlauf der Variante nachzeichnet.

Womit lässt sich Omikron erkennen?

Die Diagnostik funktioniert wie sonst auch mittels PCR-Test. Omikron lässt sich auch mit Selbsttest (Antigen-Schnelltests) nachweisen. Die meisten dieser Tests zielen nicht auf das – in Omikron stark mutierte – Spike-Protein des Virus ab, sondern auf das Nucleoprotein in der Virusmembran. Um die Omikron-Variante als solche zu identifizieren, muss aber eine vollständige Gensequenzierung erfolgen.

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