Suchen

3D-Druck und additive Fertigung

Chemie unter Druck: Was bedeutet der Siegeszug der additiven Fertigung?

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Kommt der Durchbruch der additiven Fertigung in der Medizin? Wissenschaftler wie Dr. Julian Quodbach vom Institut für Pharmazeutische Technologie der Universität Düsseldorf sehen für individualisierte Therapien großes Potenzial: Künftig könnte jedes Medikament mit der exakt passenden Wirkstoffmenge gedruckt werden. Wie das aussehen könnte, zeigt die Zip-Dose-Technologie von Aprecia Pharmaceuticals: Dabei trägt ein 3D-Drucker wirkstoffhaltige Pulverschichten Lage für Lage nacheinander auf und klebt sie mit einer wässrigen Lösung zusammen.

So entstehen poröse Tabletten mit einer individuellen Wirkstoffdosis, die auch noch hervorragend wasserlöslich sind. Für das so hergestellte Antiepileptikum Spritam erhielt der Hersteller 2015 die FDA-Zulassung. In Zukunft will Aprecia mit Cycle Pharmaceuticals zusammenarbeiten, um so genannte Orphan-Drugs, also Medikamente, die aufgrund eines kleinen Marktes für die herkömmliche Fertigung unattraktiv sind, für den 3D-Druck aufzuarbeiten.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 19 Bildern

Alles in einer: Das kann die additive Poly-Pille

„Da die Gesundheitssysteme in Europa mehr Aufgaben mit weniger Mitteln erfüllen müssen, wird sich die Nutzung innovativer Drucktechnologien als unerlässlich erweisen“, ist sich David Mills, CEO der Druckspezialisten von Ricoh Europe, sicher: „Das Drucken von Medikamenten Schicht für Schicht, um spezielle Krankheiten zu bekämpfen, könnte bald alltäglich sein.“

Additive punkten: Die Stärken und Schwächen des 3D-Drucks in Chemie und Pharma.
Additive punkten: Die Stärken und Schwächen des 3D-Drucks in Chemie und Pharma.
(Bild: © lucadp - stock.adobe.com; Eike Hübner [M] Alban )

Ein weiterer Vorteil der additiven Pille: In Zukunft könnten mehrere Medikamente in einer einzigen so genannten Poly-Pill vereinigt werden. Das ist auch das Ziel des Start-ups Vitae Industries, die mit dem „Auto Compounder“ einen Wirkstoffdrucker etwickelt haben, der pharmazeutische Gummis und Pillen in einem Drittel der Zeit, welche für eine manuelle Befüllung nötig wäre, drucken soll. Ein niedriger Preis soll den Autocompounder etwa für Apotheken erschwinglich machen. Währenddessen arbeiten Forscher in Berkeley an der DNS-Synthese aus dem Drucker.

Bye-Bye, Apotheke? Ist das Medikament der Zukunft ein Download?

Wer jetzt davon träumt, sich in Zukunft Anlagen und Medikamente selbst zu drucken, muss wissen, dass auch die Produktion aus dem Drucker eine Infrastruktur zur Zu- und Abführung, sowie zum Heizen, Rühren oder Pumpen benötigt. Das macht das Verfahren für den Hausgebrauch zu unhandlich – aber z.B. in Krankenhäusern ließen sich so Wirkstoffe synthetisieren, bei denen es für eine Massenproduktion keinen Markt gäbe. Auch für die Chemie könnte die Produktion im Mini-Maßstab die Auswahl an wirtschaftlich darstellbaren Produkten massiv erhöhen.

Das macht das Verfahren für spezialisierte Anwendungen, etwa im Pharmabereich, spannend. Der rechtliche Rahmen für Test- und Zulassungsverfahren oder die Qualitätskontrolle muss jedoch für derartige Kleinstserien erst gefunden werden. Dann sind in Zukunft vielleicht auch einmal gedruckte Fluggeräte möglich.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45273520)