English China
Suchen

Resistenzbildung bei Krebs

Dem Krebs immer einen Schritt voraus

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Biomarker soll Behandlungserfolg vorhersagen

„Wir halten möglicherweise den ersten Biomarker in Händen, mit dem Ärzte den Erfolg einer Anti-BRD4 Therapie vorhersagen können“, kommentiert Johannes Zuber die Ergebnisse. Die neue Studie zeigte darüber hinaus, dass Zellen eine extrem große Plastizität bei der Genregulation besitzen und bei Blockade bestimmter Gene immer wieder neue Umwege aktivieren können. Neben bekannten Mechanismen der Resistenzbildung, wie Mutationen an Medikament-Bindungsstellen oder der Ausschleusung des Wirkstoffs aus den Zellen, werden hier ganz neue Wege aufgezeigt. Zuber und seine Kollegen bei Boehringer Ingelheim sind sicher, dass ein besseres Verständnis der Adaptionsmechanismen von Zellen zu neuen, wirksameren Kombinationstherapien führen wird, mit denen man den Krebs schließlich überlisten kann.

„Wir konnten zeigen, dass Krebszellen sich unseren Therapieversuchen entziehen, indem sie sich immer wieder anpassen“, so Zuber. „Doch das Repertoire an Ausweichrouten ist begrenzt. Wenn wir diese Routen verstehen und vorhersagen können, werden wir stets mit der nächsten, passenden Therapie bereitstehen. So sind wir dem Krebs immer einen Schritt voraus!“

Bildergalerie

Das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) betreibt in Wien biomedizinische Grundlagenforschung. Mehr als 200 Forscherinnen und Forscher aus über 35 Nationen widmen sich am IMP der Aufklärung grundlegender molekularer und zellulärer Vorgänge, um komplexe biologische Phänomene im Detail zu verstehen. Hauptsponsor ist der internationale Unternehmensverband Boehringer Ingelheim. Für Norbert Kraut, Leiter der onkologischen Forschung bei Boehringer Ingelheim, ist die Arbeit an BRD4 ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie akademische und Industrie-basierte Forschung gemeinsam zu wichtigen biomedizinischen Entdeckungen gelangen. „Die Partnerschaft zwischen dem IMP und Boehringer Ingelheim hat sich in den vergangenen gut 20 Jahren sehr fruchtbar entwickelt. Teamgeist, gute Vernetzung und offene Interaktion aller beteiligten Wissenschaftler waren entscheidende Faktoren, um zu verstehen, wie Krebszellen gegen die vielversprechende Medikamentenklasse der BRD4-Inhibitoren resistent werden. Solche Beispiele zeigen, dass die Zusammenarbeit neue therapeutische Konzepte hervorbringen kann, die uns verbesserte Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.“

Johannes Zuber wurde 1974 in Dresden geboren und schloss sein Medizinstudium an der Humboldt Universität in Berlin mit einem Doktorat im Bereich molekularer Krebsforschung im Jahr 2003 ab. Während seiner Praxiszeit als Mediziner an der Charité rückten die Behandlungsmöglichkeiten von Leukämie ins Zentrum seiner klinischen und forscherischen Arbeit. Im Jahr 2005 ging Zuber in die USA und wurde Mitglied des Forschungsteams von Scott Lowe in Cold Spring Harbor. Dort entwickelte er innovative Modelle zur Erforschung und Testung neuer Behandlungsmöglichkeiten von Leukämie. Im Januar 2011 wurde Johannes Zuber Gruppenleiter am IMP. Mittels gentechnisch erzeugter Krebsmodelle und hochentwickelter screening-Methoden erforscht sein Team Krebs-spezifische Schwachstellen.

Originalpublikation: Philipp Rathert, Mareike Roth, Tobias Neumann, Felix Muerdter, Jae-Seok Roe, Matthias Muhar, Sumit Deswal, Sabine Cerny-Reiterer, Barbara Peter, Julian Jude, Thomas Hoffmann, Łukasz M. Boryń, Elin Axelsson, Norbert Schweifer, Ulrike Tontsch-Grunt, Lukas E. Dow, Davide Gianni, Mark Pearson, Peter Valent, Alexander Stark, Norbert Kraut, Christopher R. Vakoc & Johannes Zuber: Transcriptional plasticity promotes primary and acquired resistance to BET inhibition; Nature (2015) doi:10.1038/nature14898 Received 10 November 2014 Accepted 07 July 2015 Published online 14 September 2015

(ID:43597755)