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Prävention von akutem Nierenversagen Diät für den Schutz der Niere?

Quelle: Pressemitteilung

Ernährung hat großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Im Tiermodell haben Forscher aus Köln nun gezeigt, dass bestimmte Diäten sogar vor akutem Nierenversagen schützen könnten. Klinische Studien stehen noch aus.

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Mit dem richtigen Essen kann man die Niere womöglich vor akutem Nierenvresagen schützen. Darauf deutet eine neue Studie am Tiermodell hin (Symbolbild).
Mit dem richtigen Essen kann man die Niere womöglich vor akutem Nierenvresagen schützen. Darauf deutet eine neue Studie am Tiermodell hin (Symbolbild).
(Bild: ROSSandHELEN photoqraphers, © rh2010 - stock.adobe.com.jpeg)

Köln – Das akute Nierenversagen ist eine sehr häufige und gefährliche Erkrankung, die oft mit Krankenhausaufenthalten und Tod verbunden ist. Als alters-assoziierte Erkrankung hat die Häufigkeit des akuten Nierenversagens in den vergangenen Jahren rapide zugenommen. Trotz dieser unmittelbaren Gefahr für Patienten gibt es derzeit weder therapeutische noch präventive Maßnahmen. Es liegen jedoch immer mehr Daten vor, wie Ernährung und insbesondere spezifische Diäten helfen, Organe vor schädigenden Einflüssen zu schützen, etwa vor zu wenig Durchblutung, Infektionen, Medikamentennebenwirkungen oder Operationen. Ein direkter Vergleich verschiedener Diäten in der Vorbeugung von Nierenschäden lag bis jetzt jedoch nicht vor.

Die sechs getesteten Diäten sind:

  • 1. Fast Mimicking Diet (FMD), auch bekannt als Scheinfastendiät
  • 2. Ketogene Diät, eine hohe Aufnahme von Fetten und verringerte Aufnahme von Kohlenhydraten
  • 3. Verminderte Aufnahme der verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin
  • 4. Diätschema mit 80 % Reduktion der schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein, (SR80)
  • 5. Diätschema mit 100 % Reduktion der schwefelhaltigen Aminosäuren (SR100)
  • 6. Kalorienrestriktion: eine generell verminderte Aufnahme von Kalorien.

Drei Diäten scheinen die Niere zu schützen

Die Forscher zeigten, dass die Scheinfastendiät FMD sowie die Einschränkung schwefelhaltiger Aminosäuren und die Kalorienrestriktion effektiv vor Nierenschäden im Tiermodell schützen. Eine Gemeinsamkeit aller Diäten ist nicht nur die bereits bekannte Verlängerung der Lebensspanne in verschiedenen Modellorganismen, sondern auch ihre Verfügbarkeit in der Humanmedizin. Ihr präventiver Einsatz zur Behandlung des akuten Nierenversagens kann daher einen substanziellen Beitrag als neue Therapieoption für Patienten leisten.

„Das Problem, keinen effektiven therapeutischen Ansatz für akute Nierenschäden zu haben, begegnet uns täglich in der Klinik. Wir sind begeistert, welche großen positiven Effekte die Diäten im Tiermodell haben“, sagt Professor Dr. Roman-Ulrich Müller, Oberarzt in der Klinik II für Innere Medizin der Uniklinik Köln.

Effekt wird jetzt in klinischen Tests untersucht

Zudem identifizierten die Wissenschaftler einen möglichen Mechanismus, wie die Diäten vor Nierenschäden schützen. „Die getesteten Ansätze zeigen überlappende Veränderungen im oxidativen und Schwefelwasserstoff (H2S)-abhängigen Abbau der Aminosäure Cystein, was ein möglicher gemeinsamer Mechanismus des Organschutzes ist und neue pharmakologische Angriffspunkte zur Behandlung des akuten Nierenversagens ermöglicht“, erklärt Dr. Felix Köhler, Erstautor der Studie.

Um den erfolgreichen Transfer des Nierenschutzes zur Behandlung in die Klinik zu ermöglichen, hat das interdisziplinäre Team bestehend aus Ärzten und Grundlagenforschern bereits eine begleitende klinische Studie an der Uniklinik Köln bei Patienten, die eine Niere spenden, in die Wege geleitet.

Kommentar

Ernährung

Lieber abwechslungsreich als eingeschränkt

Christian Lüttmann, LABORPRAXIS-Redakteur
(Bildquelle: Johannes Untch)

Die Reduktion schwefelhaltiger Aminosäuren mag im Tiermodell zwar vor Nierenschäden geschützt haben, dennoch sollte man nicht einfach so eine solch drastische Ernährungsumstellung machen. Denn das schwefelhaltige Methionin zählt zu den essenziellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst produzieren kann. Es hilft beim Aufbau einiger Eiweißmoleküle, ist in verschiedenen Stoffwechselprozessen involviert und schützt die Zellen als Antioxidans vor oxidativem Stress. Die empfohlene tägliche Aufnahme von Methionin beträgt für einen gesundenden Erwachenden rund 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Methionin-reiche Lebensmittel sind z. B. Paranüsse, Edamer, Lachs und Sojabohnen.

Originalpublikation: Felix C. Koehler, Chun-Yu Fu, Martin R. Späth, K. Johanna R. Hoyer-Allo, Katrin Bohl, Heike Göbel, Jan-Wilm Lackmann, Franziska Grundmann, Thomas Osterholt, Claas Gloistein, Joachim D. Steiner, Adam Antebi, Thomas Benzing, Bernhard Schermer, Günter Schwarz, Volker Burst, Roman-Ulrich Müller: A systematic analysis of diet-induced nephroprotection reveals overlapping changes in cysteine, Translational Research, 2022; DOI: 10.1016/j.trsl.2022.02.003

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