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Immuntherapie der nächsten Stufe Die Kombi gegen Krebs: neues Fusionsprotein in Entwicklung

Quelle: Pressemitteilung Universität Basel 3 min Lesedauer

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Gemeinsam stärker: Ein neues Molekül kombiniert zwei Immuntherapie-Werkzeuge: Der eine Teil stoppt das „Nicht-Angreifen“-Signal der Krebszellen, der andere Teil regt Immunzellen in der Tumorumgebung zum gezielten Angriff an. Eine erste klinische Phase-I-Studie läuft.

Eine rundliche Immunzelle beim Angriff auf eine Krebszelle. (Das Bild entstand mit Unterstützung der Pathologie Universitätsspital Basel, und des Bio-EM Lab, Biozentrum, Universität Basel)(Bild:  M. Oeggerli (Micronaut 2019), M. P. Trefny und A. Zippelius, Translational Oncology, Universitätsspital Basel)
Eine rundliche Immunzelle beim Angriff auf eine Krebszelle. (Das Bild entstand mit Unterstützung der Pathologie Universitätsspital Basel, und des Bio-EM Lab, Biozentrum, Universität Basel)
(Bild: M. Oeggerli (Micronaut 2019), M. P. Trefny und A. Zippelius, Translational Oncology, Universitätsspital Basel)

Ein Blick zurück: Die Chancen für Linda Taylor standen schlecht. Als die 33-Jährige die Diagnose Hautkrebs bekam, war die Erkrankung bereits weit fortgeschritten. Anfang der 1980er-Jahre war die Prognose damit wenig hoffnungsvoll. Ihr Glück war, dass sie auf Dr. Stephen Rosenberg traf, der am US-amerikanischen National Cancer Institute in Bethesda, Maryland, das Immunsystem für den Kampf gegen Tumore nutzen wollte. Taylor ging 1984 als die erste Patientin in die Medizingeschichte ein, die durch eine Immuntherapie dauerhaft geheilt werden konnte.

Die Therapie beruhte auf dem Signalstoff Interleukin-2 (IL-2), der aufgrund der erfolgreichen Behandlung weiterer Patienten als erste Immuntherapie von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen wurde. IL-2 aktiviert verschiedene Immunzellen, die anschließend die Tumorzellen angreifen und ausmerzen.

Weniger Nebenwirkungen, mehr Effizienz

Obwohl IL-2 damit eine Wende in der Krebsbehandlung einläutete, birgt die Therapie auch Probleme: Sie kann zu schweren Nebenwirkungen führen. Und sie spricht eine ganze Palette an Immunzellen an, darunter auch so genannte regulatorische T-Zellen, die den Angriff des Immunsystems auf den Tumor dämpfen statt verstärken. Forschende haben daher in jüngerer Vergangenheit Varianten von IL-2 entwickelt, die gezielter diejenigen Immunzellen aktivieren, die den Tumor angreifen.

Neuere Entwicklungen gehen noch einen Schritt weiter. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Alfred Zippelius von der Universität Basel und dem Universitätsspital Basel berichtet im Fachjournal „Science Translational Medicine“ über vielversprechende Ergebnisse mit einem Fusionsprotein aus einer IL-2-Variante (IL-2v) und einem Antikörper, der das Protein PD-1 erkennt und bindet. Dieses kommt in großer Zahl auf der Oberfläche von Immunzellen in der direkten Umgebung von Tumoren vor. Das Fusionsprotein wurde vom Pharmaunternehmen Roche entwickelt und bereitgestellt.

Blockade aufheben und Immunzellen aktivieren

Die Fusion der beiden Komponenten, PD-1-Antikörper und IL-2v, hat zwei Vorteile: Zum einen bringt der PD-1-Antikörper das IL-2v zielgenau dorthin, wo es wirken und Immunzellen zum Angriff auf den Tumor anstacheln soll. Zum anderen hat der PD-1-Antikörper zusätzlich eine eigene Wirkung und ist bereits in Immuntherapien im Einsatz. Krebszellen „flüstern“ den Immunzellen nämlich über das PD-1-Protein ein, sie nicht anzugreifen. Blockiert man diese Empfangsstelle mit dem Antikörper, hören die Immunzellen dem Tumor quasi nicht mehr zu und attackieren diesen.

„Der Tumor drosselt normalerweise das Immunsystem – das Fusionsmolekül hebt aber diese Hemmung auf und aktiviert die Immunzellen zusätzlich“, fasst Dr. Clara Serger zusammen, eine der beiden Co-Erstautorinnen der Studie.

Durch verschiedene Laborversuche mit Krebs- und Immunzellen von Lungenkrebs-Patienten haben die Forschenden das Wirkpotenzial der neuen Immuntherapie gezeigt: das Fusionsmolekül aktiviert vor allem jene Immunzellen, die entartete Zellen eliminieren. Gleichzeitig bleiben die regulatorischen T-Zellen, die das Immunsystem dämpfen, dabei inaktiviert. Auch ließ sich durch das Fusionsprotein eine Gruppe von erschöpften Immunzellen wieder reaktivieren, die durch die Daueraktivierung erlahmt waren.

Mit ihren Ergebnissen hoffen die Forschenden, die Wirkungsweise des Fusionsmoleküls zu klären und damit die Basis für weitere Optimierungen zu legen. Das Molekül selbst wird derzeit in einer klinischen Phase-I-Studie durch das Pharmaunternehmen Roche geprüft.

Originalpublikation: Irene Fusi, Clara Serger et al.: PD1-targeted cis-delivery of an IL-2 variant induces a multifaceted antitumoral T cell response in human lung cancer, Science Translational Medicine, 17 Sep 2025, Vol 17, Issue 816; DOI: 10.1126/scitranslmed.adr3718

(ID:50560796)

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