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LABORAUSSTATTUNG

Die neuen Biologischen Institute der Universität Dresden

| Autor/ Redakteur: Olaf Winkler* / Gerd Kielburger

Mit dem Bezug des neuen Gebäudes für die Biologischen Institute der Universität Dresden vor dem kommenden Sommersemester werden die Institute Botanik, Genetik, Mikrobiologie und Zoologie erstmals unter einem Dach zusammengefasst. Für den Neubau inkl. aller Laborbauten zeichnet das Büro Gerber-Architekten verantwortlich.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Mit dem Bezug des neuen Gebäudes für die Biologischen Institute der Universität Dresden vor dem kommenden Sommersemester werden die Institute Botanik, Genetik, Mikrobiologie und Zoologie erstmals unter einem Dach zusammengefasst. Für den Neubau inkl. aller Laborbauten zeichnet das Büro Gerber-Architekten verantwortlich.

Nachdrücklich stützt der Neubau das angewandte Profil der Biologie in Dresden, die mit ihren Schwerpunkten in der Molekularbiologie und der Molekularen Biotechnologie dezidiert auf interdisziplinäre Forschung zielt. Profitiert hat die Biologie dabei insbesondere von der Entscheidung des Max-Planck-Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik, sich in Dresden anzusiedeln, und von dem Beschluss des Freistaates Sachsen, Forschungsbereiche wie die Biotechnologie im besonderen Maße zu fördern.

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In der Zusammenarbeit von Biologie, Medizin und ingenieurswissenschaftlichen Disziplinen haben die Dresdener Wissenschaftler eine führende Position bei fachübergreifenden Entwicklungen wie etwa im Bereich des molekularen Bioengineerings erlangt. Ein weiter wachsendes wissenschaftliches Umfeld und die gesteigerte Attraktivität des Standorts für Forscher und Professoren sind Folge und Ausdruck der nun optimierten Bedingungen.

Das Gebäude

Für den Neubau zeichnet das Dortmunder Büro Gerber-Architekten verantwortlich, das jüngst bereits etwa das Forschungszentrum des Klinikums der Universität Jena realisierte und zurzeit weitere Instituts- und Laborbauten in Würzburg und Gummersbach plant. Gerbers Entwurf überträgt den Gedanken der Kooperation in ein funktionales Gebäude mit zwei klar gegliederten Riegeln und einer dazwischen liegenden gläsernen Halle. Die vier Institute verteilen sich auf das erste und zweite Obergeschoss der beiden Gebäuderiegel. Jedes Geschoss verbindet auf der hallenzugewandten Seite der Lehre zugeordnete Seminar- und Büroräume, mit den nach außen orientierten, modernen Labor- und Forschungsbereichen.

Modernste technische Ausstattung

Wichtiger Zug des neuen Gebäudes auch unter dem Aspekt der vielfältigen und interdisziplinären Kooperation ist die Bereitstellung einer haus- und labortechnisch optimierten Infrastruktur. Im Neubau stehen der Forschung 3900 Quadratmeter Laborflächen (HNF) zur Verfügung, die darauf ausgelegt wurden, bei optimaler Medienversorgung und Arbeitsplatzgestaltung interdisziplinäre Lösungen zu schaffen und gemeinsame Ressourcen effektiv zu nutzen.

Die verschiedenen Typen der mikrobiologischen, molekularbiologischen, phytopathologischen, physiologischen, chemisch/biochemischen, analytischen oder zellbiologischen Labore stellten dabei variierende Anforderungen an die konkreten Ausstattungen. „Raum-in-Raum“-Lösungen für Kühl-, Tiefkühl- oder Bruträume etwa gehörten genauso zum Planungsumfang wie differenzierte Funktionsräume und Sonderlabore für spezielle Mikroskopiertechniken oder radiochemische Arbeiten. Prodekan Prof. Dr. Günter Vollmer erklärt: „Die neue Architektur verknüpft die technischen Voraussetzungen der Forschung mit dem Wissen, sodass neue Ideen an den Grenzflächen der klassischen Fachgebiete entstehen“.

Bedeutung wächst weiter

Der Neubau sichert den Biologischen Instituten auf dem Campus der Technischen Universität Dresden, gerade aber auch in der Zusammenarbeit mit außeruniversitären Einrichtungen einen angemessenen Stellenwert. Gemeinsam mit dem Biotechnologischen Zentrum wird damit die Bedeutung der Biologie auch nach außen sichtbar. Von diesem positiven Kurs werden die Studenten unmittelbar profitieren: Mit dem Neubau einher geht eine Steigerung der Zahl der Studienanfänger in den Bereichen der Biologie und Molekularer Biotechnologie von vormals rund 80 auf nunmehr über 100. Auch dies ist Ausdruck der gewachsenen, räumlichen und wissenschaftlichen Kapazität.

Nachgefragt: sind Labore von zentraler Bedeutung ?

Architektonische Qualität unter Berücksichtigung der Sicherheitsstandarts für Labore

Prof. Eckhard Gerber, Inhaber des Architekturbüros Gerber-Architekten, erläutert LaborPraxis die Wichtigkeit der Laborausstattung für ein Projekt wie den Bau der neuen Biologischen Institute in Dresden.

LaborPraxis: Wichtig bei der Konzeption eines solchen Projektes ist die Planung der Laboratorien, die ja besondere Anforderungen stellen. Worauf muss ein Planer hier achten?

Prof. Gerber: Bei der Planung von Instituts- und Laborgebäuden sind die Laborbereiche selbst natürlich von besonderer Bedeutung. Sie müssen gleichwohl im Kontext mit der architektonischen Gestaltung und Verteilung der übrigen Nutzungen gesehen werden. Dabei gilt es, neben städtebaulichen Bezügen und der Einbindung in das Umfeld auch kommunikative Aspekte zu berücksichtigen, die insbesondere bei einer Verknüpfung von Forschung und Lehre eine wichtige Rolle spielen. Die Aufenthaltsqualität, wie sie z.B. die zentrale Kommunikationshalle der Biologischen Institute in Dresden bietet, schafft nicht nur eine anregende Atmosphäre für die Professoren und Studenten, sondern dient gleichzeitig der Repräsentation.

Auf diese Weise unterstützt die Architektur die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Institute im Hinblick auf ihre Attraktivität für hochqualifizierte Mitarbeiter und hinterlässt darüber hinaus einen positiven Eindruck bei Besuchern aus dem In- und Ausland. Bei der Zuordnung der Funktionen innerhalb der Gebäude sind die Bereiche für Lehre und Forschung voneinander zu trennen, so dass es nicht zu gegenseitigen Behinderungen aufgrund der unterschiedlich starken Frequentierung und der verschiedenen Sicherheitsanforderungen kommt. Die Labore, die eng mit den Büroräumen verknüpft sein sollten, erfordern dabei eine besonders intensive Planung. Dies gilt insbesondere für die Medienversorgung, die eine variable und flexible Nutzung ermöglichen muss.

LaborPraxis: Eine vernünftige Medienversorgung ist das A und O in einem gut funktionierenden Labor. Wie geht hier die Planung vonstatten?

Prof. Gerber: Bei der Medienversorgung der Laborbereiche ist grundsätzlich zwischen zwei Systemen zu unterscheiden. Zum einen gibt es die Möglichkeit einer zentralen Medienversorgung über einen zentralenvertikalen Schacht verbunden mit einer horizontalen Verteilung zu den einzelnen Laboren, die in der Regel innerhalb derabgehängten Decken in den Fluren erfolgt. Zum anderen ist eine dezentrale Medienversorgung möglich, bei der die vertikale Ver- und Entsorgung in den Wänden zwischen den Laboren und den Fluren verteilt ist, so dass die einzelnen Labore direkt angeschlossen werden können und eine horizontale Verteilung entfallen kann. Innerhalb der Labore kann auf abgehängte Deckenverzichtet werden und die Leitungsführung sichtbar unterhalb der Decke erfolgen.

Die technischen Zentralen sind bei beiden Systemen sinnvollerweise in direkter Verbindung zu den vertikalen Schächten auf den Dächern der Laborgebäude angeordnet. Bereits vom Grundsatz her müssendie Labore so angelegt sein, dass ihre optimale Nutzung gewährleistet ist. Dabei spielt die Tagesbelichtung bei der Verteilung der Laborarbeitsplätze eine entscheidende Rolle: Schreibplätze in den Laborräumen, die direkt entlang der Fassade angeordnet sind, bieten einerseits den Forschendendie Möglichkeit bei Schreibtischtätigkeiten auf Kunstlicht zu verzichten und erfordern andererseits lediglich eine Brüstungshöhe von 70 cm, die hohe Fenster und somit eine gute Tagesbelichtung des ganzen Raumes erlaubt. Die höheren Laborarbeitsplätze können dann innerhalb der Räume unabhängig von den Fenstern angeordnet werden.

LaborPraxis: Arbeiten Sie bei einer solchen Planung mit Laborausstattern zusammen und wenn ja, wie sieht diese Kooperation aus?

Prof. Gerber: Bereits zu Beginn einer Entwurfskonzeption arbeiten wir eng mit Fachplanern für die Technische Gebäudeausrüstung und Laborausstattern zusammen. In den folgenden Planungsphasenwird diese Kooperation zunehmend intensiver, je komplexer die Anforderungen sind. Dies gilt in besonderem Maße für die Einhaltung der unterschiedlichen Sicherheitsstandards in Laboren, die die Grundrissgestaltung maßgeblich beeinflussen.

*O. Winkler, Freier Journalist, 51105 Köln

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