Die Anreicherung von Schwermetallen und Spurenelementen in Mündungsgebieten von Flüssen macht Wildvögeln zu schaffen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Ulm zur gesundheitlichen Auswirkung der Bioakkumulation von Schadstoffen auf natürliche Flamingo-Populationen in Südfrankreich und Andalusien. Ein Ergebnis, das nicht nur aus ökologischen Gründen aufhorchen lassen sollte, denn Feuchtgebiete sind auch für den Menschen wichtige Wasserreservoirs.
Die Schadstoff-Anreicherung in Feuchtgebieten gefährdet die Gesundheit von Flamingos
Ulm – Jedes Jahr sterben Millionen von Wildtieren – meist Vögel – an einer Bleivergiftung durch Schrotkugeln und andere bleihaltige Munition; nicht, weil sie damit beschossen wurden, sondern weil sie den Bleischrot als vermeintliche Nahrung aufnehmen. Doch auch durch die industrielle und landwirtschaftliche Einschwemmung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber oder von Spurenelementen kommen massenhaft wildlebende Tiere zu Schaden.
Dabei stellt die Anreicherung von toxischen Substanzen über die Nahrungskette ein besonderes Risiko dar. Der fachsprachliche Begriff hierfür ist Bioakkumulation. Wissenschaftler*innen der Universität Ulm haben nun gemeinsam mit Forschenden aus Frankreich, Italien und Spanien in einer Studie zu diesem Phänomen analysiert, welche Auswirkung die biologische Anreicherung von Schwermetallen und problematischen Spurenelementen auf die Darmflora und Gesundheit von Rosaflamingos hat.
Bildergalerie
Schon lange ist bekannt, wie toxisch Substanzen wie Blei und Quecksilber für Mensch und Tier sind. Die Folgen sind mitunter tödlich. „Mit unserer Studie wollten wir nun herausfinden, wie sich solche schädlichen Substanzen auf die Gesundheit natürlicher Populationen auswirken, und zwar bei den nicht-tödlichen Fällen“, sagt Professorin Simone Sommer, Leiterin des Instituts für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik an der Universität Ulm.
Die Wissenschaftler*innen haben dafür das Gefieder von jungen Rosaflamingos auf zehn verschiedene Spurenelemente und Schwermetalle hin analysiert, u.a. auf Kadmium, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Blei, Nickel, Selen, Zinn und Zink. Außerdem wurde untersucht, ob erhöhte Werte dieser Schadstoffe in Zusammenhang stehen mit der körperlichen Verfassung und der Zusammensetzung des Darmmikrobioms. „Die mikrobielle Zusammensetzung der Darmflora ist nicht nur entscheidend für die Nährstoffaufnahme und den Stoffwechsel, sondern hat auch einen großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Immunsystems“, erklärt Dr. Mark A.F. Gillingham, der Erstautor der Studie.
Feuchtgebiete mit extrem hoher Schadstoffbelastung
Untersucht wurden Rosaflamingo-Populationen in Andalusien und Südfrankreich. Dazu gehörten Feuchtgebiete mit extrem hoher Schadstoffbelastung wie die Odiel-Sümpfe in unmittelbarer Nähe des andalusischen Nationalparks Coto de Doñana sowie weniger belastete Gebiete wie die Lagunen von Fuente de Piedra in der Nähe von Malaga und des westlichen Rhône-Delta im südfranzösischen Aigues-Mortes. Schadstoffeinträge aus den Flüssen lagern sich im Mündungsgebiet der Flüsse in den Sedimenten ab. Über die Nahrungskette nehmen die Flamingos die Schadstoffe in erhöhten Konzentrationen auf.
Der langbeinige Wasservogel filtert mit seinem Seihschnabel Plankton aus dem Wasser. Zu seinen Beutetieren gehören aber auch kleine Fische, Krebse, Ringelwürmer und Muscheln. Und auch den schlammigen Untergrund, durch den er watet, verschmäht er als Nahrung nicht. Denn dieser enthält große Mengen an Mikroalgen, die reich an organischen Inhaltsstoffen sind. „Je weiter oben eine Tierart in der Nahrungskette steht, desto mehr Schadstoffe nimmt es über die Nahrung auf“, sagt Gillingham.
Das internationale Forschungsteam fand in der Flamingo-Studie heraus, dass die körperliche Verfassung von Jungtieren mit erhöhten Werten an Blei, Quecksilber und Selen vergleichsweise schlechter war. Das heißt, für ihre Größe brachten die Flamingo-Küken ein geringeres Gewicht auf die Waage. Erstmals konnten die Biolog*innen dabei zeigen, dass solche erhöhten Schadstoffwerte mit Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora einhergingen. Daraus resultierte wiederum ein schlechterer Gesundheitszustand der Tiere.
Besonders stark waren diese mikrobischen Effekte bei erhöhten Selenwerten. „Das Gleichgewicht des Darmmikrobioms war nachweislich gestört“, so die Forschenden. Auffällig war dabei, dass die Vielfalt der Bakterien drastisch abgenommen hatte, gleichzeitig aber bestimmte Darmbakterien besonders häufig anzutreffen waren. Dazu gehörten die Mikroben Bacteroides plebeius, die eine entscheidende Rolle bei der Verdauung und Verstoffwechselung spezieller Mikroalgen spielen, die wiederum zu den Hauptnahrungsmitteln der Flamingos gehören.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Die Folge: Je mehr dieser Algen von den Flamingos verzehrt wurden, desto größer war der gesundheitliche Schaden, weil diese Mikroalgen insbesondere das Selen, das in hohen Dosen schädlich ist, sehr effizient metabolisieren. Außerdem fanden die Forschenden heraus, dass der körperliche Zustand des Flamingo-Nachwuchses bei genau den Exemplaren vergleichsweise schlecht war, die überdurchschnittlich viel dieser besonderen Darmbakterien aufwiesen.
Auch wenn die Menge der eingeschwemmten und abgelagerten Schadstoffe an sich für diese am Wasser lebenden Vögel nicht direkt tödlich ist, so kommt es doch durch die Bioakkumulation zu einer Anreicherung toxischer Substanzen, die für die Gesundheit der Population hochproblematisch ist. „Feuchtgebiete sind ökologisch wertvolle und auch für den Menschen wichtige Wasserreservoirs. Werden diese verschmutzt, leidet darunter aber nicht nur die Gesundheit von Wildtieren, sondern schlussendlich auch der Mensch“, sind die Ulmer Forschenden überzeugt.