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Biozid-Risikobewertung

Experten diskutieren aktuelle Entwicklungen bei der Risikobewertung von Bioziden

| Redakteur: Doris Neukirchen

Dr. Dagmar Holthenrich von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) legte den Schwerpunkt ihrer Präsentation auf die Biozid-Belastung von Arbeitern während des Sprühprozesses. (Bild: Die Akademie Fresenius)
Dr. Dagmar Holthenrich von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) legte den Schwerpunkt ihrer Präsentation auf die Biozid-Belastung von Arbeitern während des Sprühprozesses. (Bild: Die Akademie Fresenius)

Experten diskutierten verschiedene Expositionsszenarien, Test-Methoden und Analyse-Modelle für die Biozid-Risikobewertung auf der Internationalen Fresenius-Konferenz „Risk Assessment for Biocides“ vom 5. bis 6. April 2011 in Köln.

Dortmund, Köln – Die Europäische Union hat die Biozid-Richtlinie entwickelt, um bei der Markteinführung von Bioziden ein hohes Maß an Verbrauchersicherheit und Umweltschutz zu gewährleisten. Darüber hinaus gibt es einige weitere internationale Bestimmungen wie die OECD-Emissionsszenarien-Dokumente und die REACH-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Das Versprühen ist die am weitesten verbreitete Ausbringungsart von Bioziden wie Insektiziden, Desinfektions- und Holzschutzmitteln. Beim Sprühprozess verbleibt typischerweise eine Zeit lang ein feiner Staub in der Luft zurück. Eine Aufnahme des Nebels über die Atemwege und die Haut sind möglich.

Versprühen von Bioziden: Analyse-Modelle auf dem Prüfstand

Dr. Dagmar Holthenrich von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) legte den Schwerpunkt ihrer Präsentation auf die Biozid-Belastung von Arbeitern während des Sprühprozesses. Sie verglich die Modelle ConsExpo vom Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM, Niederlande) und SprayExpo (BAuA). Die beiden Expertenmodelle benötigen detaillierte Input-Parameter, die nicht leicht zu bestimmen sind. Der Hauptunterschied zwischen SprayExpo und ConsExpo liege in der Berechnungsmethode bei der Verteilung von Chemikalien im Raum nach dem Ausbringen, erklärte die Expertin. Dr. Holthenrich sagte, dass ConsExpo eine homogene Verteilung der Chemikalien voraussetze, während SprayExpo von einer turbulenten Mischung mit der Umgebungsluft ausgehe. Sie wies darauf hin, dass SprayExpo im Gegensatz zu ConsExpo den Verdunstungseffekt von in Tropfen gelösten Stoffen berücksichtige. Diese Unterschiede hätten entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis: „Vergleicht man die Aussagen von ConsExpo und SprayExpo mit den Messergebnissen von z.B. Insektiziden, scheint ConsExpo die Inhalationsbelastung zu überschätzen“, fasste Dr. Holthenrich zusammen. SprayExpo könne auch die Belastung durch Aerosolpartikel auf der Körperoberfläche berechnen. In einigen Szenarios unterschätzt allerdings SprayExpo die dermale Exposition, da der Einfluss von Spritzern darin nicht berücksichtigt werde.

Ansätze zur Risikoeinschätzung für Biozide in Antifouling-Farben

Antifouling-Produkte verhindern den Anwuchs und die Anlagerung von festsitzenden Organismen auf Schiffen und anderem Gerät, das im Wasser eingesetzt wird. Viele dieser Biozide sind schon in sehr geringer Konzentration hoch wirksam gegen eine große Anzahl verschiedener festgewachsener Organismen. Für James Hingston (Chemical Regulation Directorate, Großbritannien) stellt das OECD-Emissionsszenarien-Dokument einen relativ einfachen und harmonisierten Ansatz der Belastungseinschätzung dar. Jedoch ist das gewährte Schutzniveau durch die Risikobewertungen auf Grundlage dieses Dokuments weitgehend unbekannt. Das OECD-Emissionsszenarien-Dokument berücksichtigt drei Phasen im Lebenszyklus von Bioziden in Antifouling-Farben: die Anwendung, die Wirkdauer und die Entfernung. Das MAMPEC sei ein chemisches Belastungsmodell, mit dem Konzentrationen von Antifouling-Stoffen in der Umwelt vorhergesagt werden können, um die Belastung während der gesamten Wirkdauer abzuschätzen. Verschiedene technische Sachverhalte werden derzeit untersucht, um die Methoden der Risikoeinschätzung weiter zu entwickeln. Schutzziele, nationale Szenarien, Risikominderung und vergleichende Bewertung: In diesen Punkten hält Hingston eine weitere Diskussion für notwendig. Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,00 Euro zzgl. MwSt. bei der Akademie Fresenius bezogen werden.

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