English China

Natürliche CO2-Speicher fördern Ohne Moos nichts los: Moore im Klimawandel

Quelle: Pressemitteilung Hochschule Anhalt 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Moore können einen wichtigen Beitrag zur Kohlenstoffspeicherung und damit zum Klima leisten. Hier würde sich die Aussaat von Torfmoos anbieten, die sich in der Praxis allerdings als schwierig gestaltet. Inwieweit die Moose mit dem passenden Saatgut gezüchtet werden können, untersucht bis 2025 ein Projekt der Hochschule Anhalt.

Maria Glaubitz untersucht Torfmoospflanzen und neue Möglichkeiten zur Aussaat.(Bild:  Hochschule Anhalt)
Maria Glaubitz untersucht Torfmoospflanzen und neue Möglichkeiten zur Aussaat.
(Bild: Hochschule Anhalt)

In einem Glaskolben ranken wenige Gramm einer Moospflanze ranken in Richtung Flaschenhals. „Davon sollen zukünftig mehrere Kilogramm täglich kostengünstig und an nahezu jedem Ort produziert werden können“, sagt Maria Glaubitz von der Hochschule Anhalt, die das Glasgefäß in ihrer Hand hält. „Unsere Aufgabe ist es, den Bioreaktor dafür zu entwickeln“, erklärt die Doktorandin des Promotionszentrums „Life Sciences“. Seit Januar 2023 arbeitet sie im Projekt Moos-Start: Damit fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Forschung zur Herstellung von Torfmoos-Saatgut.

Torfmoos-Zucht als neues Gebiet

Auf diesem Gebiet gibt es bislang kaum Erfahrungen und im Gegensatz zu anderen Pflanzen ist die Vermehrung von Moos-Pflanzenteilen ohne Samen effizienter. Dass Glaubitz die Moospflanze im Glasbehälter überhaupt in der Hand halten kann, ist in erster Linie Wissenschaftlern der Universität Freiburg zu verdanken. Ihnen gelang es nach jahrelanger Forschung, verschiedene Torfmoos-Arten im Labor zu züchten und ein technisches Verfahren zur Vermehrung zu entwickeln.

Gemeinsam mit Ökobiologen der Universität Greifswald wurde das Saatgut erfolgreich auf wiedervernässten Mooren ausgebracht – in so genannten Paludikulturen. „Das waren noch kleine Flächen. Jetzt geht es darum, die Torfmoose auf mehreren tausend Hektar auszusäen“, beschreibt Glaubitz das langfristige Ziel des Projekts, das sie in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Claudia Grewe in Kooperation mit den Universitäten Freiburg und Greifswald verfolgt. Industriepartner für den Praxistest des Bioreaktors ist die Niedersächsische Rasenkulturen NIRA GmbH & Co. KG.

Moorpflege mit wissenschaftlicher Akribie

Ohne gezielte Aussaat würde das Moos auf den wiedervernässten Moor-Flächen nur langsam wachsen, etwa einen Millimeter pro Jahr. Mehrere Chancen wären vertan: die zusätzliche Speicherung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre, die Ernte der Moos-Pflanzen als Einnahmequelle für Landwirte und als Ersatz für Torf: Damit könnte der Abbau aus noch intakten Mooren verhindert und diese besser geschützt werden.

Welche Torfmoos-Arten sich als Alternative besonders eignen, haben die Freiburger und Greifswalder Forschenden bereits herausgefunden. Im Labor der Bioverfahrenstechnik in Köthen sollen sie sich möglichst schnell und in hoher Qualität vermehren. „Die entscheidenden Faktoren sind – vereinfacht gesagt – immer die Versorgung mit Licht und Nährlösung – beides optimieren wir“, erklärt Gruppenleiter Grewe mit Blick auf verschiedene durchsichtige Behälter. Darin werden die zerkleinerten Moospflanzen in Bewegung gehalten. „Auf 35 Liter konnten wir die Biomasse bereits anwachsen lassen – ein Rekord“, sagt Glaubitz. „Diese Expertise in der Biotechnologie und Verfahrenstechnik sind wichtige Voraussetzungen, um nun auch andere Ideen der Bioökonomie anwendbar zu machen und breit nutzen zu können.“

Inwieweit sich die Ernte noch steigern lässt, sollen die nächsten Monate zeigen. Wie ein Bioreaktor für gezüchtete Moose am Ende des Projekts Ende 2025 aussehen wird, ist aktuell noch offen. Das erste Gewächshaus für Torfmoose als wichtiges Puzzleteil zum Schutz der Moore und des Klimas sei den Forschern zufolge aber zum Greifen nah.

(ID:49884248)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung