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Kunststoffkonzentration in Gewebe deutlich gestiegen So viel Plastik sammelt sich in unseren Organen

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Unser Gehirn wird mehr und mehr zum Plastikmülleimer. Wie ein US-amerikanisches Forschungsteam gezeigt hat, sammelt sich zunehmend Mikro- und Nanoplastik in unseren Organen. Besonders die Leber wies einen stark erhöhten Kunststoffgehalt im Vergleich zu Analysen von 2016 auf.

In einer amerikanischen Studie fanden Forscher in Hirnproben im Mittel 4.763 Mikrogramm Plastik pro Gramm Gewebe.(Bild:  ideogram.ai / KI-generiert)
In einer amerikanischen Studie fanden Forscher in Hirnproben im Mittel 4.763 Mikrogramm Plastik pro Gramm Gewebe.
(Bild: ideogram.ai / KI-generiert)

(dpa) Winzige Kunststoffteilchen sammeln sich zunehmend in Geweben des menschlichen Körpers an. Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat deutlich mehr Nano- und Mikroplastik in Leber und Gehirn verstorbener Menschen gefunden als in Proben vor acht Jahren. Besonders hoch war die Belastung im Gehirn: bis zu 30-mal höher als in Leber oder Niere, berichtet die Gruppe um Matthew Campen von der University of New Mexico im Fachjournal Nature Medicine.

Deutlich mehr Plastik in Leber und Gehirn

Mikroplastik wurde bereits in Lunge, Darm und Plazenta nachgewiesen. Übliche Mikroskopie-Methoden erfassen jedoch meist nur Partikel über fünf Mikrometer. „Daher wird kleineres Nanoplastik unbeabsichtigt ausgeschlossen“, schreiben die Wissenschaftler. Campens Team nutzte nun spezielle Infrarot- und Elektronenmikroskopie, um die Kunststoffmengen genauer zu bestimmen.

Die Forschenden analysierten Gewebeproben aus Leber, Niere und Gehirn von 24 Verstorbenen aus 2024 und verglichen sie mit den Proben von 28 Verstorbenen aus 2016. Das Ergebnis: In den Nieren war die durchschnittliche Konzentration an Mikro- und Nanoplastik 2016 und 2024 ähnlich hoch.

Deutlich höhere Werte zeigten sich 2024 jedoch in den Leber- und Hirnproben:

  • bei der Leber stieg die mittlere Konzentration von 141,9 auf 465,3 Mikrogramm pro Gramm Gewebe,
  • beim Gehirn von 3.420 auf 4.763 Mikrogramm pro Gramm.

Hauptbelastung durch „Verpackungsplastik“ Polyethylen

Mit einer chemischen Analyse bestimmte das Team auch die Zusammensetzung des Plastiks. Am häufigsten fanden sie Polyethylen, das für Folien und Flaschen verwendet wird. Es machte 40 bis 65 Prozent des Kunststoffs in Leber und Niere aus, im Gehirn sogar 75 Prozent. Analysen von konserviertem Hirngewebe aus den Jahren 1997 bis 2013 zeigten darüber hinaus, dass die Menge an winzigem Kunststoff in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat.

Einige Unterschiede in den Gehirnproben könnten auf geografische Unterschiede zurückzuführen sein, da die Proben zum einen in New Mexico und zum anderen an der Ostküste der USA entnommen wurden. Insgesamt seien weitere längerfristige Studien mit größeren, vielfältigeren Populationen nötig, um Trends bei der Akkumulation von Mikro- und Nanopartikeln und deren mögliche gesundheitliche Auswirkungen – insbesondere auf das menschliche Gehirn – zu ermitteln.

Frühere Studie zeigte neurologische Probleme bei Mäusen

Erst kürzlich hat eine Gruppe um Haipeng Huang von der Chinese Research Academy of Environmental Sciences in Peking Forschungsergebnisse präsentiert, nach denen Mikroplastik möglicherweise Blutgefäße im Gehirn von Mäusen verstopfen kann. Die betroffenen Mäuse seien weniger ausdauernd, bewegten sich weniger und könnten sich schlechter orientieren, hieß es in der Studie. Die Ergebnisse seien jedoch wegen Unterschieden im Gehirnaufbau nicht ohne Weiteres von der Maus auf den Menschen übertragbar, schrieben die Studienautoren in der Fachzeitschrift Science Advances.

Originalpublikation: Nihart, A.J., Garcia, M.A., El Hayek, E. et al.: Bioaccumulation of microplastics in decedent human brains, Nat Med (2025); DOI: 10.1038/s41591-024-03453-1

Weiterführende Literatur: Haipeng Huang, Jiaqi Hou, Mingxiao Li, Fangchao Wei, Yilie Liao, and Beidou Xi: Microplastics in the bloodstream can induce cerebral thrombosis by causing cell obstruction and lead to neurobehavioral abnormalities, Science Advances, 22 Jan 2025, Vol 11, Issue 4; DOI: 10.1126/sciadv.adr8243

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