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Spurenstoffstrategie des Bundes Gewässer vor Spurenstoffen schützen

Quelle: Pressemitteilung

Schon in geringen Konzentrationen haben manche Rückstände von Medikamenten, Pflanzenschutzmitteln, oder anderen Chemikalien negative Auswirkungen auf Gewässer und die Qualität des Trinkwassers. Die Spurenstoffstrategie des Bundes bringt deshalb Hersteller, Verbraucher und weitere Akteure zusammen, um Strategien für den Wasserschutz zu entwickeln.

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Verfeinerte Analyseverfahren weisen zunehmend Mikroverunreinigungen in Gewässern nach (Symbolbild).
Verfeinerte Analyseverfahren weisen zunehmend Mikroverunreinigungen in Gewässern nach (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, zhang kaiyv / Unsplash)

Dessau-Roßlau – Der Eintrag von Spurenstoffen in Seen, Flüsse und schlussendlich in die Meere stellt eine der größten Herausforderung für den Gewässerschutz dar. Das Problem liegt einerseits in der großen Anzahl dieser Stoffe im täglichen Gebrauch und andererseits darin, dass sie bereits in geringen Konzentrationen Schädigungen bei Wasserlebewesen hervorrufen können.

Um die Umweltgefährdung zu minimieren, haben das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz BMUV und das Umweltbundesamt UBA 2016 die „Spurenstoffstrategie“ initiiert. Wesentliches Element davon ist der intensive Dialog mit Stakeholdern aus Industrie, Wasserwirtschaft, Umweltorganisationen und den Bundesländern. Auf Grundlage von freiwilligen Vereinbarungen und Regeln sollen die Einträge von Spurenstoffen in Gewässer verringert werden. Für die Verstetigung der Spurenstoffstrategie wird seit 2021 das Spurenstoffzentrum des Bundes (SZB) im UBA aufgebaut.

Wichtige Schadstoffe thematisieren

Bereits seit Ende 2019 wurden insgesamt drei stoffspezifische „Runde Tische“ einberufen, die sich an den wichtigsten Spurenstoffen in deutschen Gewässern orientieren: Benzotriazol (Anti-Korrosionsmittel für Metalle, z. B. zum Schutz von Dachrinnen oder in Reinigungstabs für Geschirrspülmaschinen), Diclofenac (Schmerzmedikament) sowie Röntgenkontrastmittel. Schadstoffeinträge in Gewässer lassen sich am effizientesten mindern, wenn die entsprechenden Substanzen nicht bzw. weniger eingesetzt und demnach auch weniger hergestellt werden müssen.

Es muss bereits bei der Herstellung und der Anwendung von Produkten auf Minimierung, Ersatz oder Vermeidung des Einsatzes von Stoffen mit problematischen Umwelteigenschaften geachtet werden.

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes

Daher werden im Rahmen der Runden Tische auf Herstellerseite Maßnahmen entwickelt, die die Einträge spezifischer Chemikalien in die Gewässer verringern. Die Runden Tische helfen, die Anwendungsgebiete, Eintragspfade und Risiken für einzelne Spurenstoffe oder Stoffgruppen besser zu verstehen und darauf aufbauend Lösungen im Dialog mit allen beteiligten Akteuren zu erarbeiten. An den Dialogen nahmen Vertreter von Industrieverbänden, der Wasserwirtschaft, der Umweltschutzverbände, der Kommunen sowie der Bundesländer teil.

Spurenstoffeinträge gemeinsam verringern

Der Runde Tisch zu Diclofenac verabschiedete eine einvernehmliche Abschlusserklärung. Darin wurde eine Reihe kurz- bis mittelfristig umsetzbarer Kommunikationsmaßnahmen zusammengestellt, die die Hersteller auf den Weg bringen wollen. In den Veröffentlichungen des Runden Tischs werden die Umweltprobleme und Gewässerbelastungen von Diclofenac dargestellt und die Notwendigkeit einer wesentlichen Reduktion des Eintrages in die Umwelt vermittelt.

Diclofenac kommt u. a. in schmerzlindernden Cremes vor, welche die Haupt-Eintragsquelle dieses Stoffes in Gewässer darstellen. Die Hersteller haben deshalb umfassende Informationsmaterialien zur Aufklärung von Ärzten, Apothekern und über Sportverbände erarbeitet, verbunden mit dem Slogan „Wischen statt Waschen“. Dies umfasst die Empfehlung an Patienten, nach dem Auftragen von Diclofenac-haltigen Schmerzsalben, die Hände mit einem Papiertuch abzuwischen und dieses über den Restmüll zu entsorgen. Die Effekte dieser Arbeit sollen nun in bis zu drei Regionen Deutschlands evaluiert werden.

Dass diese Umweltbelastung ein Ende findet, liegt in der Verantwortung der ganzen Gesellschaft.

Bettina Hoffmann, Parlamentarische Staatssekretärin beim BMUV

Durch den Austausch der ⁠Stakeholder⁠ wurden auch erste gemeinsame Maßnahmen an den Runden Tischen zu Röntgenkontrastmittel und zu Benzotriazol erreicht. Für den Rückhalt von Röntgenkontrastmitteln, etwa durch die Einführung von Urinbeuteln und Trenntoilette, werden nun drei bis vier große Umsetzungsprojekte, verteilt auf das gesamte Bundesgebiet, entwickelt. Weiterhin werden Pilotstudien gestartet, welche eine spätere Bilanzierung des Erfolgs ermöglichen.

Das Spurenstoffzentrum des Bundes begleitete in Zusammenarbeit mit Experten des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und der IKU Dialoggestalter die drei Runden Tische zu zuvor von einem unabhängigen Gremium als relevante Substanzen eingeschätzte Spurenstoffen. Das Spurenstoffzentrum wird zukünftig die operativen Tätigkeiten an der Spurenstoffstrategie weiterführen. Dazu gehören u. a. die Organisation und Begleitung weiterer Runder Tische sowie die Unterstützung eines unabhängigen Gremiums zur Relevanzbewertung von Spurenstoffen.

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