English China

Prävention von Typ-2-Diabetes Diabetes effektiv abwenden: Gewichtsabnahme allein reicht nicht

Quelle: Pressemitteilung Helmholtz Zentrum München 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Übergewicht ist einer der Hauptrisikofaktoren für Diabetes. Damit sich aus einem Prädiabetes keine manifeste Erkrankung entwickelt, empfehlen Mediziner meist eine Gewichtsreduktion. Dies allein reicht jedoch mitunter nicht aus, wie eine neue Studie von Forschern des Helmholtz Zentrum München belegt.

Aus Prädiabetes kann leicht ein manifestes Diabetes entstehen. Forscher haben nun untersucht, inwieweit Gewichtsabnahme eine effektive Präventon darstellt.(Bild:  zakalinka - stock.adobe.com)
Aus Prädiabetes kann leicht ein manifestes Diabetes entstehen. Forscher haben nun untersucht, inwieweit Gewichtsabnahme eine effektive Präventon darstellt.
(Bild: zakalinka - stock.adobe.com)

Menschen mit Prädiabetes wird empfohlen, ihr Gewicht zu reduzieren, um einem manifesten Diabetes vorzubeugen. Den besten Diabetes-Schutz erreichen Menschen aber, wenn sie ihr Gewicht reduzieren und zugleich die Blutzuckerregulation normalisieren. Dies zeigt eine Studie von Forschenden des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Universität Tübingen, die gemeinsam mit einem Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) sowie US-Kollegen durchgeführt wurde. Im Fachblatt „Diabetologia“ plädieren die Autoren dafür, die Normalisierung der Blutzuckerwerte bei Prädiabetes als Therapieziel in die Leitlinien aufzunehmen, um die Prävention von Typ-2-Diabetes zu verbessern.

Vorstufe von Diabetes erfolgreich in Remission bringen

Diabetes ist weit verbreitet und geht mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe lebensbedrohlicher Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenversagen einher. „Um der Entstehung der Erkrankung vorzubeugen, sind frühe Therapien bereits im Stadium des Prädiabetes, einer Vorstufe von Typ-2-Diabetes, wichtig“, sagt Erstautor Reiner Jumpertz-von-Schwartzenberg. Durch unsere Ergebnisse können die Ziele dieser frühen Lebensstilinterventionen verändert werden, um insgesamt die Entstehungsraten des Diabetes zu reduzieren.“

Ein Prädiabetes wird diagnostiziert, wenn noch kein manifester Typ-2-Diabetes vorliegt, aber der Nüchternblutzucker bereits erhöht und die Glukosetoleranz gestört ist. Um zu verhindern, dass aus dem Prädiabetes ein Diabetes wird, wird betroffenen Patienten geraten, ihr Gewicht zu reduzieren. US-amerikanische Leitlinien der American Diabetes Association (ADA) empfehlen zum Beispiel, das Körpergewicht um mindestens sieben Prozent zu senken. Das Forschungsteam um Jumpertz-von-Schwartzenberg untersuchte, ob diese Gewichtsabnahme allein ausreicht, oder ob es zur Vorbeugung von Diabetes nicht besser ist, zusätzlich die Blutzuckerwerte zu reduzieren.

Einfluss von Gewichtsabnahme und Blutzuckerregulation

Die Wissenschaftler analysierten Daten von 480 Menschen mit Prädiabetes, die am US-amerikanischen Diabetes Prevention Program (DPP) teilgenommen und durch eine einjährige Lebensstilintervention mindestens sieben Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten. Bei 114 von ihnen ging im Rahmen der Intervention auch der Prädiabetes in Remission, das heißt ihr Nüchternblutzucker, ihre Glukosetoleranz und ihr HbA1c hatten sich normalisiert. Die Mehrheit der 366 Studienteilnehmenden hatte es jedoch trotz erfolgreicher Gewichtsreduktion nicht geschafft, ihre Blutzuckerregulation wesentlich zu verbessern. Ihr Prädiabetes war zum Ende der Intervention nicht in Remission.

Die Forschenden stellten fest, dass in der Gruppe, die abgenommen und eine Prädiabetes-Remission erreicht hatte, deutlich weniger Menschen im weiteren Verlauf einen manifesten Diabetes entwickelten. Die zusätzliche Remission des Prädiabetes erbrachte eine relative Risikoreduktion für die Diabetesentwicklung von 76 Prozent im Vergleich zu denjenigen, die keine Normalisierung ihrer Blutzuckerwerte erreicht hatten. Die absolute Risikoreduktion war höher als zehn Prozent.

Wie in einer anderen Studie bereits gezeigt wurde, ist eine Remission u. a. durch stärkeren Abbau des viszerales Bauchfetts begünstigt. Dieses liegt direkt in der Bauchhöhle und umgibt den Darm. Es kann die Insulinsensitivität beeinflussen, unter anderem durch eine Entzündungsreaktion im Fettgewebe.

„In der Gruppe mit zusätzlicher Remission des Prädiabetes kam es in den ersten knapp vier Jahren nach der Lebensstilintervention sogar zu überhaupt keiner Erkrankung an Typ-2-Diabetes“, berichtet Letztautor Andreas Birkenfeld. „In der Gruppe, die ‚nur‘ abgenommen hatte, entwickelten in diesem Zeitraum dagegen schon einige Studienteilnehmende einen manifesten Diabetes.“

Jumpertz-von-Schwartzenberg und Birkenfeld ziehen ein klares Fazit: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Remission des Prädiabetes zusätzlich zur Gewichtsreduktion einen weiteren deutlichen Vorteil bringt. Wir propagieren daher, dass das Ziel der Prädiabetes-Remission in die Zielsetzung der Praxisleitlinien mit aufgenommen werden sollte, um die Prävention des Typ-2-Diabetes maßgeblich zu verbessern.“

Originalpublikation: Jumpertz-von Schwartzenberg et al.: Role of weight loss induced prediabetes remission in the prevention of type 2 diabetes: time to improve diabetes prevention, Diabetologia (2024), DOI: 10.1007/s00125-024-06178-5

(ID:50074808)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung