English China

Ökologische und evolutionäre Dynamiken von Harnwegsinfektionen Hartnäckige Harnwegsinfektionen: Neue Studienergebnisse können Behandlung verbessern

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Eine Blasenentzündung ist äußerst lästig und schmerzhaft. Eine aktuelle Studie liefert nun Einblicke in die dynamischen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Bakterienpopulationen in der Blase. Mithilfe eines mathematischen Modells konnten Forschende zeigen, wie die Mikroorganismen auf physiologische und therapeutische Eingriffe reagieren. Die Ergebnisse bieten wertvolle Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer, effektiver Behandlungsstrategien von Harnwegsinfektionen .

Harnwegsinfektionen (HWIs) zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit und betreffen jedes Jahr Millionen von Menschen. Sie sind nicht nur schmerzhaft, sondern stellen auch eine besondere Herausforderung dar, da sie häufig wiederkehren. (Symbolbild)(Bild:  mi_viri - stock.adobe.com)
Harnwegsinfektionen (HWIs) zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit und betreffen jedes Jahr Millionen von Menschen. Sie sind nicht nur schmerzhaft, sondern stellen auch eine besondere Herausforderung dar, da sie häufig wiederkehren. (Symbolbild)
(Bild: mi_viri - stock.adobe.com)

Harnwegsinfektionen (HWIs) zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit und betreffen jedes Jahr Millionen von Menschen. Sie sind nicht nur schmerzhaft, sondern stellen auch eine besondere Herausforderung dar, da sie häufig wiederkehren.

In Zusammenarbeit mit dem Dioscuri-Zentrum für Physik und Chemie von Bakterien haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie eine bedeutende Untersuchung zu den ökologischen und evolutionären Dynamiken von Harnwegsinfektionen veröffentlicht. Die Studie nutzt ein mathematisches Modell, um zu analysieren, wie sich Bakterien im Harntrakt anpassen und dort überleben können.

Bakterien befinden sich nicht nur im Urin, sondern existieren in verschiedenen Zuständen in der Blase:

  • freischwimmend im Blasenlumen,
  • an die Blasenwand anhaftend
  • oder sogar innerhalb der Epithelzellen der Blase.

Die verschiedenen Bakterienpopulationen unterliegen unterschiedlichen Selektionsdrücken, darunter die Immunabwehr, der Harnfluss (Miktion) und die Wirkung von Antibiotikabehandlungen.

Grafische Darstellung des mathematischen Modells von Harnwegsinfektionen. Die Bakterienpopulation in der Blase wird in drei Bereiche unterteilt: (a) freischwimmend, (b) Adhäsion und (c) intrazellulär. Bakterien aus dem freischwimmenden Bereich können sich an die Blasenoberfläche anhaften und anschließend in die Epithelzellen eindringen, wodurch diese platzen und die Bakterien zurück in dem freischiwimmenden Bereich freigesetzt werden. Bakterien können zudem antibiotikaresistente Mutationen entwickeln. Selektionsdruck wird durch die Entleerung der Blase, die nur die planktonischen Bakterien betrifft, sowie durch Antibiotikabehandlungen. Letztere wirken auf alle Bakterien, jedoch können intrazelluläre Bakterien weniger betroffen sein, abhängig von der Durchlässigkeit des Antibiotikums.(Bild:  © de Azevedo-Lopes, A. (2024))
Grafische Darstellung des mathematischen Modells von Harnwegsinfektionen. Die Bakterienpopulation in der Blase wird in drei Bereiche unterteilt: (a) freischwimmend, (b) Adhäsion und (c) intrazellulär. Bakterien aus dem freischwimmenden Bereich können sich an die Blasenoberfläche anhaften und anschließend in die Epithelzellen eindringen, wodurch diese platzen und die Bakterien zurück in dem freischiwimmenden Bereich freigesetzt werden. Bakterien können zudem antibiotikaresistente Mutationen entwickeln. Selektionsdruck wird durch die Entleerung der Blase, die nur die planktonischen Bakterien betrifft, sowie durch Antibiotikabehandlungen. Letztere wirken auf alle Bakterien, jedoch können intrazelluläre Bakterien weniger betroffen sein, abhängig von der Durchlässigkeit des Antibiotikums.
(Bild: © de Azevedo-Lopes, A. (2024))

Bei hartnäckigen, wiederkehrenden Infektionen, die mit Antibiotika behandelt werden müssen, steigt das Risiko, dass sich Bakterien anpassen und Resistenzen gegen Medikamente entwickeln. Die Studie zeigt, dass die verschiedenen Bakterienpopulationen das Risiko einer chronischen Infektion erhöhen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen erhöht. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die unterschiedlichen Bakterienpopulationen und ihre Wechselwirkungen bei der Behandlung von HWIs zu berücksichtigen.

Nicht-pathogene Bakterien als Behandlungsansatz

Ein weiterer zentraler Befund der Studie betrifft das Potenzial der so genannten kompetitiven Inokulation als mögliche Behandlungsstrategie. Durch das Einführen eines schnell wachsenden, nicht-pathogenen Bakterienstammes können krankheitserregende Bakterien unterdrückt werden. Dieser Ansatz kann helfen, die pathogene Population zu kontrollieren und die Wirksamkeit von Antibiotika zu steigern, wenn diese maßvoll eingesetzt werden.

Die in der „ISME-Journal“ veröffentlichte Studie betont die Bedeutung der Berücksichtigung bakterieller Nischen für das Verständnis von HWIs. Indem sie die verschiedenen Lebensräume von Bakterien und deren Reaktionen auf Therapien einbezieht, bietet das Modell eine realistischere Sicht auf die Infektionsdynamik. Es liefert vor allem wertvolle Erkenntnisse, die die zukünftige Behandlung von Harnwegsinfektionen verbessern könnten.

Originalveröffentlichung: Raatz M, de Azevedo-Lopes A, Drabik K, Traulsen A, Waclaw, B (2024) Pathogen non-planktonic phases within the urinary tract impact early infection and resistance evolution. The ISME-Journal; https://doi.org/10.1093/ismejo/wrae191

(ID:50265459)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung