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Psychische Erkrankungen besser verstehen Neue Immunmarker bei Depressionen gefunden

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Psychatrie 2 min Lesedauer

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In einer Studie des Max-Planck-Instituts wurde der Zusammenhang von verschiedenen biologischen Faktoren und Depressionen untersucht. Ein Drittel der Patienten mit Depressionen zeigten dabei erhöhte Entzündungswerte, was auf einen Zusammenhang zwischen dem Immunsystem und Depressionen hinweist. Eine Erkenntnis, die langfristig zu einer individuelleren und präziseren Therapie verhelfen soll.

Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen, Entzündungsmarkern und BMI und verdeutlich, wie wichtig es ist, Depressionen ganzheitlich zu betrachten und zu erforschen. (Symbolbild) (Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen, Entzündungsmarkern und BMI und verdeutlich, wie wichtig es ist, Depressionen ganzheitlich zu betrachten und zu erforschen. (Symbolbild)
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

Depressionen sind komplexe psychische Erkrankungen, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Durch umfassende Forschung hoffen Wissenschaftler, ein tieferes Verständnis der Symptome, Ursachen und potenziellen Heilungsansätze für Depressionen zu erlangen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie untersuchten nun einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Immunsystem und der Erkrankung.

In einer jüngst publizierten Studie haben Erstautor Jonas Hagenberg und Wissenschaftler der Projektgruppe Medizinische Genomik, geleitet von Janine Knauer-Arloth, über 40 Immunmarker im Blut von 237 Teilnehmenden gemessen. Die Studie war transdiagnostisch, es wurden also nicht nur Teilnehmer mit Depressionen eingeschlossen, sondern auch solche mit anderen Diagnosen wie einer Angststörung oder Suchterkrankung. Zusätzlich zu den Immunmarkern maßen die Forschenden die Aktivität von über 12.000 verschiedenen Genen in Immunzellen sowie die depressiven Symptome der Patienten. Sie berücksichtigten auch den Body-Mass-Index (BMI) und das Alter, da diese Faktoren Entzündungen beeinflussen. Mithilfe von Maschinellem Lernen versuchten die Forschenden dann, Muster in den Daten zu erkennen.

Einteilung der Patienten in vier Gruppen

Das Team fand vier verschiedene Datencluster. Neben CRP, dem gängigen Marker für Entzündungswerte, waren die Immunmarker IL-1RA, TNF-alpha und mehrere Chemokine bei der Bestimmung dieser Cluster mit am wichtigsten. Chemokine sind eine bestimmte Klasse von Immunmarkern.

121 Teilnehmer fielen in das größte Cluster. Diese Patienten hatten weniger depressive Symptome, niedrige Entzündungswerte und waren tendenziell jünger.

Die beiden nächsten Cluster bestanden aus insgesamt 77 Teilnehmern und waren durch viele depressive Symptome, hohe Entzündungswerte und einen erhöhten BMI gekennzeichnet.

Das letzte Cluster bestand aus 39 Teilnehmern, die eine hohe depressive Symptombelastung, aber geringe Entzündungswerte aufwiesen.

In der Studie wurden biologische Daten von TeilnehmerInnen erhoben. Anhand verschiedener Muster in den Daten gruppierten Forschende die TeilnehmerInnen in vier Cluster.  (Bild:  Janine Knauer-Arloth)
In der Studie wurden biologische Daten von TeilnehmerInnen erhoben. Anhand verschiedener Muster in den Daten gruppierten Forschende die TeilnehmerInnen in vier Cluster.
(Bild: Janine Knauer-Arloth)

Zusammenhang zwischen Depressions-Genen und Immunzellen

Die Genaktivität unterschied sich hauptsächlich zwischen dem Cluster, welches Patienten mit weniger Symptomen enthielt, und den übrigen drei Clustern, in denen Patienten mehr Symptome hatten. Interessanterweise fanden die Forschenden, dass einige der mit Depression assoziierten Gene mit bestimmten Immunzellen zusammenhingen. Das weist darauf hin, dass bestimmte Arten von Immunzellen bei Depressionen möglicherweise eine größere Rolle spielen als andere.

Marker als Chance einer individuellen Therapie

„Unsere Ergebnisse zeigen uns, dass CRP ein wichtiger Marker ist, es aber auch andere nützliche Marker gibt, die weiter erforscht werden sollten – wie IL-1RA und Chemokine“, erklärt Erstautor Hagenberg. „Darüber hinaus zeigt der Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen, Entzündungsmarkern und dem BMI, dass Depressionen ganzheitlich behandelt werden müssen. Dies ist keine neue Erkenntnis, sie macht aber erneut die Bedeutung des Gewichts deutlich.“

Indem sie Marker messen, die über CRP hinausgehen, können Forschende den Zusammenhang zwischen dem Immunsystem und Depressionen besser verstehen. Dieses Wissen kann dazu beitragen, in der Zukunft individuellere und präzisere Behandlungen für bestimmte Patientengruppen zu entwickeln.

Originalpublikation: Hagenberg et al.Dissecting depression symptoms: Multi-omics clustering uncovers immune-related subgroups and cell-type specific dysregulation Brain, Behavior and Immunity (2025) DOI: 10.1016/j.bbi.2024.09.013

(ID:50224867)

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