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Infektion selbst erschmecken Kaugummi mit Grippe-Geschmack – der etwas andere Schnelltest

Quelle: Pressemitteilung Julius-Maximilians-Universität Würzburg 3 min Lesedauer

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Die Grippe erkennen, bevor sie ausbricht – das könnte bald auf ungewöhnliche Weise gelingen: per Kaugummi. Durch spezielle Inhaltsstoffe soll sich eine Infektion anhand eines charakteristischen Geschmacks bemerkbar machen – eine simple und niederschwellige Nachweismethode.

So funktioniert der Grippe-Sensor: 1. Eine infizierte oder erkrankte Person kaut einen Kaugummi. 2. Enzyme der Viren setzen die darin enthaltenen Geschmacksstoffe frei. 3. Die Person nimmt die Stoffe wahr und erkennt die Infektion.(Bild:  Christoph Mett)
So funktioniert der Grippe-Sensor: 1. Eine infizierte oder erkrankte Person kaut einen Kaugummi. 2. Enzyme der Viren setzen die darin enthaltenen Geschmacksstoffe frei. 3. Die Person nimmt die Stoffe wahr und erkennt die Infektion.
(Bild: Christoph Mett)

Die Grippe (Influenza) ist weit mehr als eine lästige Erkältung – sie zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit und fordert jedes Jahr rund eine halbe Million Todesopfer. Besonders problematisch: Grippeviren sind schon ansteckend, bevor überhaupt erste Symptome auftreten. Die bisherigen Diagnosemöglichkeiten sind alles andere als ideal: oftmals teuer, in der Anwendung kompliziert und in vielen ärmeren Regionen der Welt schlicht nicht verfügbar.

Ein Team um Pharmazieprofessor Lorenz Meinel von der Universität Würzburg hat nun im Fachjournal ACS Central Science die technologische Grundlage für eine neue Selbstdiagnostik bei Influenza vorgestellt.

Grippeinfektionen schnell und einfach erkennen

Das neue Prinzip könnte die Grippediagnostik künftig einfach, kostengünstig und schnell machen. Die Vision: Ein Kaugummi oder Lutscher reagiert auf Grippeviren im Speichel infizierter Personen und setzt dann einen Geschmacksstoff frei. Im Mund nicht-infizierter Personen würde dagegen nichts passieren. So könnten Betroffene innerhalb weniger Minuten eine Infektion erkennen – ohne Labor, Strom oder medizinisches Personal.

„Diese Strategie eröffnet neue Möglichkeiten für die weltweite Früherkennung und Bekämpfung der Influenza“, sagt Meinel, der den Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Uni Würzburg leitet.

Infektionen frühzeitig am Geschmack erkennen

Das neue Diagnose-Werkzeug besteht aus dem Sensormolekül Thymol – einem Naturstoff, der unter anderem in Thymian vorkommt – und einem virusspezifischen Zuckerbaustein. Kommt das Gemisch mit aktiven Grippeviren in Kontakt, setzen diese das Thymol frei und im Mund entsteht ein klar erkennbarer Geschmack.

Statt auf teure und komplizierte Testverfahren zu setzen, nutzen wir die natürliche Sensorik des Menschen – den Geschmack – als Werkzeug zur Früherkennung von Infektionen.

Lorenz Meinel, Pharmazieprofessor der Universität Würzburg

Das Prinzip ist flexibel: Sowohl der Geschmacksträger als auch der Erkennungsbaustein lassen sich anpassen. So kann das System etwa mit süßen, bitteren oder salzigen Geschmacksrichtungen ausgestattet werden – auch kindgerecht. Ebenso lässt es sich auf unterschiedliche Krankheitserreger übertragen.

„Für andere Infektionen könnte beispielsweise der virusspezifische Zuckerbaustein durch ein bakterienspezifisches Peptid ersetzt werden. Die zugrunde liegende Funktionsweise bleibt dabei erhalten“, erklärt Meinel. So eröffne die Methode neue Möglichkeiten für die niederschwellige Diagnostik viraler und bakterieller Infektionen – von Influenza bis hin zu zukünftigen Erregern, die heute noch gar nicht bekannt sind.

Konkrete Anwendungen in Planung

Der nächste Schritt des Forschungsteams ist, die Sensoren in Kaugummis oder Lutscher einzuarbeiten und das diagnostische System für eine massenhafte Produktion tauglich zu machen. Dabei kooperieren die Wissenschaftler mit dem 2024 aus der Uni Würzburg heraus entstandenen Start-up Flare-On Biotech GmbH. Der Entwicklungsprozess wird voraussichtlich rund vier Jahre dauern.

Derartige Anwendungen eignen sich besonders für neuralgische Punkte wie Schulen, Kindergärten oder Altersheime, davon ist das Team überzeugt. Gerade in ärmeren Ländern könnten sie bei der Eindämmung von Infektionsherden helfen.

Fernziel: Influenza-Verbreitung in Echtzeit verfolgen

Die Forschenden denken auch schon weiter in die Zukunft: Sobald eine Anwendung verfügbar ist, möchten sie alle Nutzer auf freiwilliger Basis bitten, positive Influenza-Testergebnisse mit einer Smartphone-App festzuhalten. Diese Daten könnten ein bislang nicht erreichbares Online-Lagebild ermöglichen, um die Ausbreitung von Influenzaviren in Echtzeit zu verfolgen.

Mit künstlicher Intelligenz wären auch Vorhersagen möglich, wo es eventuell zu epidemischen oder pandemischen Entwicklungen kommen könnte. Das würde es der Weltgesundheitsorganisation, Regierungen, Kommunen oder auch Einzelpersonen ermöglichen, frühzeitig Vorsichtsmaßnahmen einzuleiten.

Originalpublikation: Martina Raschig, Marcus Gutmann, Josef Kehrein, Eberhard Heller, Michael Bomblies, Marcel Groß, Oskar Steinlein, Peggy Riese, Stephanie Trittel, Tessa Lühmann, Carlos A. Guzmán, Jürgen Seibel, Heinrich Jehle, Christian Linz, Stephan Hackenberg, Lorenz Meinel: A Viral Neuraminidase-Specific Sensor for Taste-Based Detection of Influenza, ACS Central Science, 1. Oktober 2025; DOI: 10.1021/acscentsci.5c01179

(ID:50578616)

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