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Kombination aus Evolution und Revolution
Einen dritten und am meisten Erfolg versprechenden Weg sehen die Experten in der Kombination aus Evolution und Revolution. Rund 20 Prozent der befragten Firmen lassen sich bisher hier einordnen, meist Spezialchemie-Unternehmen, die sich auf einzelne Abnehmerbranchen fokussieren.
"Sie haben eine Vision, das heißt, sie erkennen, wo auf ihrer Wertschöpfungskette Chancen brachliegen und nutzen gezielt digitale Technologien, um einerseits evolutionär Verbesserungen voranzutreiben und andererseits in ausgewählten Bereichen neue revolutionäre Wettbewerbsvorteile zu erreichen", sagt Griese-Michels. "So bleiben sie in ihrer Branche führend und treiben gleichzeitig die Veränderung des Marktes in ihrem Sinne voran."
Das Problem: In der Chemiebranche mit ihrer großen Bandbreite an Produkten und Anwendungen gibt es keine allgemein gültige Vision und Handlungsanweisung für diesen Weg. Vielmehr muss jedes Unternehmen sein eigenes Bild von der Zukunft entwickeln und dann die richtigen Maßnahmen setzen, um es zu erreichen. Dafür ist eine systematische Herangehensweise sehr hilfreich.
In drei Schritten zum digitalen Wandel
Damit Chemieunternehmen die Chancen der Digitalisierung für sich optimal nutzen können, empfehlen die Experten drei wesentliche Schritte:
- Kernkompetenzen definieren und Zukunftsvision entwickeln: Unternehmen sollten vorerst ihre Kernkompetenzen definieren und sie mit den Bedürfnissen des Markts abgleichen. Dabei sollten sie auch ihre digitalen Fähigkeiten bei Themen wie Forschung und Entwicklung, Produktion, Lieferkette, Marketing und Vertrieb unter die Lupe nehmen. Außerdem sollten sie Branchentrends, Kundenbedürfnisse, Wettbewerber und Technologien beobachten und mithilfe von Experten aus verschiedenen Bereichen - Zukunftsforschern, Innovatoren, Unternehmern, eigenen Managern, Stakeholdern und Kunden - Zukunftsszenarien entwerfen.
- Digitale Ansatzpunkte mit Geschäftsrelevanz: In der zweiten Stufe geht es darum, mögliche Ansatzpunkte für digitale Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette der chemischen Industrie zu identifizieren.
- So können Unternehmen eine optimale digitale Agenda festlegen.
- Digitale Hubs für die Umsetzung: Schließlich sollten Chemieunternehmen ihre digitale Agenda intern kommunizieren und die nötigen Kompetenzen für die Umsetzung festlegen. Zentrale Aufgabe ist dabei die Veränderung der Unternehmenskultur.
"Die digitale Transformation ist für die Unternehmen der Chemieindustrie wie für alle anderen Branchen ein Trend, dem sie sich nicht verschließen dürfen, wenn sie auch in Zukunft im Wettbewerb bestehen wollen", fasst Roland Berger-Experte Philipp Leutiger zusammen. "Je früher sie sich damit befassen und eine Strategie für den digitalen Wandel ihres Geschäfts entwickeln, desto eher können sie die vielversprechenden Chancen nutzen, die sich daraus ergeben."
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