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Gesundheitliche Auswirkungen von Stickoxiden

Krankheitslast durch Stickstoffdioxid in Deutschland: Studie liefert Zahlen

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Berlin, München und Brandenburg als Modellregionen für Stickoxid-Belastung

Zudem seien für die Gesamtbevölkerung in Deutschland aufgrund methodischer Beschränkungen lediglich die Stickstoffdioxid-Belastung des städtischen und ländlichen Hintergrunds berücksichtigt und bestehende Belastungen an verkehrsreichen Straßen („Hot Spots“) nicht miteinbezogen worden.

Um auch den Einfluss von Belastungen in Ballungsräumen beurteilen zu können, wurde zusätzlich der verkehrsbezogene Anteil an der Krankheitslast durch Stickstoffdioxid exemplarisch für die ausgewählten Modellregionen Stadtgebiet Berlin, Stadtgebiet München und Bundesland Brandenburg geschätzt. Für Brandenburg ergab sich eine um 165 Prozent erhöhte Krankheitslast. Für Berlin und München waren es 40 bis 52 Prozent mehr als wenn man nur die Hintergrundbelastung der jeweiligen Städte berücksichtigt.

Im Verlauf der letzten Jahre zeigen die Zahlen eine gewisse Dynamik: „Positiv ist zu vermerken, dass die Zahlen in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen sind, die Belastung Stickstoffdioxid ist aber nach wie vor beträchtlich“, so Institutsdirektorin Annette Peters abschließend.

Hintergrund: Epidemiologie

Ein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang wird die Epidemiologie nicht liefern können, denn es handelt sich nicht um ein kontrolliertes Experiment. Die Epidemiologie ist aber laut den Autoren die einzige Möglichkeit die Auswirkungen von Stickstoffdioxid auf die Bevölkerung direkt zu quantifizieren. Zudem fehlen diagnostische Möglichkeiten, den Tod von Menschen direkt dem Reizgas zuzuordnen. Hier werden künftig gemeinsame Arbeiten mit weiteren Disziplinen wie etwa der Toxikologie gefragt sein, um den Zusammenhang weiter aufzuklären. „Bis dahin bleibt die Epidemiologie das beste Werkzeug was wir haben, um die Auswirkungen von Stickstoffdioxid zu beschreiben“, erklärt Annette Peters. Ebenfalls an der UBA Studie beteiligt war die IVU Umwelt GmbH Freiburg.

Die Wissenschaftler am Institut für Epidemiologie befassen sich seit vielen Jahren mit den Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Gesundheit. 2016 konnte ein Team um Dr. Kathrin Wolf beispielsweise zeigen, dass das Risiko, eine Insulinresistenz als Vorstufe von Typ-2-Diabetes zu entwickeln, steigt, wenn die Luft am eigenen Wohnort belastet ist.

Weitere Studien zur Untersuchung der Auswirkungen der Luftschadstoffe in Bezug auf Diabetes, Allergien, Atemwegs-und Herzkreislauferkrankungen sowie Mental Health werden am Helmholtz Zentrum München in interdisziplinären Teams untersucht.

Originalpublikation: Schneider, A. et al. (2018): Quantifizierung von umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der Stickstoffdioxid – Exposition in Deutschland. Umweltbundesamt, März 2018

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