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SOFTWARE & LIMS Mehr Effizienz mit LIMS

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Die B. Braun Melsungen AG, einer der nach eigenen Angaben führenden Infusionslösungshersteller, hat für die Organisation und Durchführung aufwändiger Stabilitätsuntersuchungen ein LIMS eingeführt. Dieser Beitrag beschreibt Stationen dieser Implementierung.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die B. Braun Melsungen AG, einer der nach eigenen Angaben führenden Infusionslösungshersteller, hat für die Organisation und Durchführung aufwändiger Stabilitätsuntersuchungen ein LIMS eingeführt. Dieser Beitrag beschreibt Stationen dieser Implementierung.

Die B. Braun Melsungen AG vertreibt eine breite Palette von Infusions- und Injektionslösungen. Ein nicht unerheblicher Anteil dieser Produkte wird am Stammsitz Melsungen entwickelt und produziert. Zur Absicherung einer konstant hohen Qualität dieser Produkte während der Produktion sind unter anderem regelmäßige Überprüfungen der physikalisch-chemischen Stabilität der Lösungen erforderlich.

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Dazu hat das Unternehmen ein LIMS (Labor Informations- und Management-System) installiert, mit dessen Hilfe Organisation und Durchführung der Stabilitätsuntersuchungen beschleunigt, erleichtert und dokumentiert werden. Entscheidend für ein global expandierendes Unternehmen wie die B. Braun Melsungen AG ist neben anderen wichtigen Fakten auch die „FDA-Compliance“ dieser Software. Für die Entwicklung und Produktion von pharmazeutischen Produkten für den US-amerikanischen Markt müssen die Produkte den strengen Anforderungen der FDA entsprechen.

Eines der wesentlichen Kriterien der pharmazeutischen Qualität ist die physikalische und chemische Stabilität, die gerade bei Lösungen zur intravenösen Applikation eine sehr wichtige Rolle spielt. Entsprechend wird die Stabilität der hergestellten Produkte fortlaufend und regelmäßig überprüft. Dazu werden aus der laufenden Produktion kontrolliert Proben entnommen und einer standardisierten Überprüfung unterzogen.

Um die Stabilität auch über den Haltbarkeitszeitraum der Produkte hinaus zu garantieren, werden die entnommenen Proben definierten Temperaturbedingungen, so wie in der Produktspezifikation angegeben, unterworfen. Dieses bedeutet einen erheblichen logistischen Aufwand für die Ein- und Auslagerung der Proben, die Analytik der Stabilität zu den definierten Entnahmezeitpunkten sowie letztendlich eine Dokumentation aller Ergebnisse der Stabilitätsuntersuchungen. Bei der großen Vielzahl der bei B. Braun hergestellten pharmazeutischen Produkte ist dies ein enormer administrativer Aufwand.

Vielfalt an Proben erhöht die Komplexität

Die Durchführung der Stabilitätsuntersuchungen im Hause B. Braun ist nicht nur aufgrund der zahlreichen prüfrelevanten Faktoren anspruchsvoll, sondern vor allem auch aufgrund der unterschiedlichen Behältertypen und Behältergrößen der Infusions- und Injektionslösungen, beginnend bei 1 ml bis hin zu 5 l Füllvolumen. Von diesen Behältern muss jeweils eine bestimmte Anzahl Prüfmuster dem Untersuchungsprozess unterzogen und damit auch verwaltet werden.

Je nach Haltbarkeitszeitraum verteilen sich die Muster auf 8 bis 18 Auslagerungszeitpunkte. Einlagerung unter verschiedensten Temperaturbedingungen, die den verschiedenen Klimazonen in den Absatzmärkten entsprechen, dupli- oder triplizieren die Anzahl der Proben. So werden in speziellen Klimakammern neben den Lagerbedingungen der gemäßigten Klimazone in Mitteleuropa auch die feucht-heißen in Asien oder trocken-heißen Zustände im Mittelmeerraum simuliert. D. h. für den Nachweis der Stabilität einer Charge sind bisweilen mehrere tausend Behälter erforderlich.

Diese komplexe Aufgabe, bestehend aus Probenbeschaffung aus der Produktion, Probenverwaltung in den Klimakammern sowie Durchführung der entsprechenden analytischen Untersuchungen, verantwortet bei der B. Braun Melsungen AG die Abteilung „Stability Management“ innerhalb der „Pharmazeutischen Entwicklung“.

Aufbau einer Stability-Management-Gruppe

In der „Prä-LIMS-Ära“ bewältigte die Abteilung die Dokumentationsaufgabe mit konventionellen IT-Hilfsmitteln wie Standard-Software auf Word-, Access- und Excel-Basis. „Das bedeutete viel Papier, bekanntermaßen konservativer Übersichtlichkeit und zahlreichen Mitarbeitern aus den verschiedensten Labors der Pharmazeutischen Entwicklung“, weiß Dr. Volker Krüger, Abteilungsleiter „Pharmazeutische Entwicklung“ in der Sparte Hospital Care bei der B. Braun Melsungen AG, zu berichten.

Die fortlaufende Erweiterung der Produktpalette, die Ausdehnung der Absatzmärkte rund um den Globus, die stark zugenommenen Anforderungen der verschiedenen regulatorischen Instanzen weltweit erforderte eine völlige Neuorganisation der Stabilitätsuntersuchungen im Rahmen der Qualitätssicherung bei B. Braun. Zu diesem Zweck wurde eine Stability Management-Gruppe aufgebaut, in der jeder Mitarbeiter klare Zuständigkeiten und Verantwortung auf Basis der persönlichen Expertise hat. Zur Steuerung, Verwaltung und auch Dokumentation der zahlreichen Aktivitäten erfolgte zusätzlich die Installation einer leistungsfähigen Software-Systemlösung. Ein LIMS „von der Stange“ konnte es nicht sein, zu spezifisch und komplex waren die Anforderungen. Deshalb kam der Auswahl eines geeigneten Systemlieferanten eine besondere Bedeutung zu.

Unter den LIMS-Anbietern mit Projekt-erfahrung im Pharmasektor suchte das Projektteam der B. Braun Melsungen AG nach einem interdisziplinär ausgerichteten Partner und entschied sich für Triestram & Partner (T & P). Für den Bochumer LIMS-Spezialisten hätten seinerzeit gute Branchenreferenzen, die leistungsfähige, flexible Softwarebasis LISA sowie ein breiter Erfahrungsschatz bis in die Lebensmittelbranche hinein gesprochen, begründeten die Auftraggeber ihre Wahl.

Dass beide Projektteams innerhalb von nur drei Monaten ein voll funktionsfähiges, validiertes Stabilitätsmodul auf die Beine stellten, lässt den Auftraggeber mit Nachdruck von einem „hervorragenden und harmonischen Projektablauf“ sprechen. Die Durchführung eines Lieferantenaudits bei T & P durch die Abteilungen „Stability Management“ und „Qualitätsmanagement IT“ war ein selbstverständlicher Bestandteil der Kooperation.

Die B. Braun Melsungen AG beabsichtigt, an allen pharmazeutischen Entwicklungscentern respektive Stability Management-Einheiten moderne LIMS-Anwendungen zu implementieren und diese miteinander zu vernetzen, um die gewonnenen Daten global verwalten und nutzen zu können.

Lims als Systembasis

LISA ist ein vollständig mit Oracle-Entwicklungswerkzeugen realisiertes LIMS. Es wurde von dem BochumerSoftwarespezialisten T&P als ganzheitliches, modulares System konzipiert. Lisa übernimmt bei Bedarf zugleich administrative Tätigkeiten und unterstützt das Labormanagement bei Organisation, Planung und Durchführung zahlreicher komplexer Arbeitsabläufe.

Das System ist in vollem Umfang auf die branchen- und auftragsspezifischen Anforderungen von Labors in Industrie und Behörden adaptierbar und bei renommierten nationalen und internationalen Anwendern bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Einsatz. Die aktuelle Programmversion Lisa 6i ist Internet- und Intranet-fähig, wodurch vor allem den Kunden von Auftragslabors die Möglichkeit zur fortlaufenden Einsicht in Prüfvorgänge ermöglicht wird.

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