Rund jeder fünfte Deutsche leidet unter Migräne. Viele Betroffene versuchen, die schweren Kopfscherzen mit Schmerzmitteln erträglich zu machen. Doch zu hoher Medikamentengebrauch kann die Schmerzen sogar verstärken und selbst Migräne verursachen. Neue Therapien auf Antikörperbasis sollen dem vorbeugen und die Zahl der Migräneanfälle halbieren.
Bei einem Migräneanfall kommen heftige Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zusammen (Symbolbild).
Berlin – Rund 80% der Menschen leiden zumindest zeitweise unter Kopfschmerzen, 20 Prozent sogar unter der besonders schweren Form Migräne, heißt es auf den Seiten der Schmerzklinik Kiel. Der Griff zum Medikament ist für viele dieser Patienten Alltag, ist doch die Belastung durch starke Kopfschmerzen kaum dauerhaft auszuhalten. Wer regelmäßig Medikamente gegen Kopfschmerzen einnimmt, kann aber schnell auf ein Problem stoßen. Denn neben diversen anderen Nebenwirkungen, kann eine zu häufige Einnahme dieser Präparate genau das hervorrufen, was sie lindern sollen: Kopfscherzen.
Auch spezielle Migränemedikamente, so genannte Triptane, können bei mehr als zehn Einnahmetagen pro Monat zu Kopfschmerzen führen. Das kann bei Patienten mit starker Migräne und häufigen Attacken zum Problem werden. Es ist dann schwer, unterhalb von zehn Einnahmetagen zu bleiben. Doch bei mehr Einnahmetagen kann es durch die Schmerz- und Migränemittel zu einem „Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz“ kommen – ein Teufelskreis entsteht.
Neues Mittel gegen Migräne im Test
„Im klinischen Alltag sehen wir das häufig, dass Patientinnen und Patienten mit Migräne an deutlich mehr als zehn Tagen Kopfschmerzmedikamente einnehmen bzw. einnehmen müssen, weil sie die Schmerzen sonst nicht aushalten, und infolge des Medikamentenübergebrauchs die Frequenz der Kopfschmerztage steigt“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Bislang hatten wir nur die Möglichkeit, die Medikamente maßgeblich zu reduzieren, um den Teufelskreis zu durchbrechen, mussten damit den Betroffenen aber viel abverlangen.“
Mittlerweile haben Forscher in Verschiedenen Studien aber neue Wege gefunden, chronische Migräne effektiv zu behandeln und einen Weg aus dem übermäßigen Medikamentengebrauch zu finden. Dabei haben sich spezielle Antikörper-Präparate als wirksam erwiesen, etwa das Medikament Fremanezumab. In einer Subgruppenanalyse der Halo-Studie [2] zeigte sich, dass dieses Mittel bei Patienten mit chronischer Migräne und Medikationsübergebrauch die Zahl der Kopfschmerztage signifikant reduzierte, und zwar sowohl bei vierteljährlicher als auch bei monatlicher Gabe. Die Zahl der Studienteilnehmer, bei denen durch die Antikörpertherapie mittels Fremanezumab kein Medikamentenübergebrauch mehr erfolgte, halbierte sich in der Gruppe, die vierteljährlich die „Migräne-Spritze“ erhielt (Abnahme um 55,2%), und sank bei monatlicher Gabe sogar noch weiter ab (Abnahme um 60,6%).
Auch ein anderes Antikörper-Präparat erwies sich als sehr erfolgreich in der Senkung der Migränetage bei Patienten mit chronischer Migräne und Schmerzmittelübergebrauch: Eptinezumab, ein neuer humanisierter monoklonaler Antikörper gegen CGRP, der bislang allerdings noch nicht in der EU zugelassen ist.
Die Auswertung der Promise-2-Studie [3] ergab, dass die Patienten, die zum Studieneinschluss einen Medikamentenübergebrauch aufwiesen, im Durchschnitt 16,7 Migränetage pro Monat hatten und dass diese Anzahl sich 24 Wochen nach Therapiebeginn in beiden Therapiedosierungen (100 mg und 300 mg) auf 8 Tage reduzierte, was ebenfalls eine Halbierung bedeutet.
Bekämpft nicht nur Falten… Botox als Migräne-Therapie
Eine weitere Option, die Migränetage zu senken, ist die Therapie mit Botox. Das Neurotoxin ist besonders durch seinen Einsatz gegen Falten im Gesicht bekannt. Die PREEMPT-Studie [4] zeigte aber, dass Botulinumtoxin Typ A auch als wirksames Mittel gegen Migräne eingesetzt werden kann. „Bei vielen Patientinnen und Patienten kann die Therapie mit Botulinumtoxin die Anzahl der Schmerztage ebenfalls halbieren“, sagt Diener.
Die deutlich kostenintensivere Antikörpertherapie mit Präparaten wir Fremanezumab werde erst dann eingesetzt, wenn andere Therapieformen versagt oder nicht ausreichend Wirkung gezeigt haben, erklärt Diener. „Dann wird die Antikörpertherapie auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.“
Übermäßige Medikation ist ein verbreitetes Problem
Für besonders aufschlussreich hält der Experte einen Nebenbefund der Promise-2-Studie [3]: Sie zeigte, dass allein 40,2% der Patienten mit chronischer Migräne einen Schmerzmittelübergebrauch zu Studienbeginn aufwiesen. „Das macht deutlich, wie groß das Problem ist: Fast die Hälfte der Menschen mit chronischer Migräne nehmen zu viele Schmerzmittel ein und riskieren damit, dass dieser Übergebrauch neue Kopfschmerzattacken auslöst. Diese Patientinnen und Patienten sind oft in einer verzweifelten Lage, ein ‚kalter Entzug‘ ist ihnen einfach nicht möglich, obwohl sie wissen, dass die kurzfristige Lösung für das Problem, das sie haben, auch die Ursache des Problems sein könnte – dass die Schmerzmittel also Kopfschmerzen auslösen können.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Mit den neuen Therapieformen könne man nun endlich den betroffenen Migränepatienten neue Behandlungsoptionen eröffnen: die Umstellung auf Botulinumtoxin A und – bei Nichtansprechen – die Antikörpertherapie. „Dies reduziert die Krankheitslast und kann die Patientinnen und Patienten so von der Schmerzmittelabhängigkeit befreien“, fasst Diener zusammen.