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Regulationen und Gesetze

Mikroplastik in der Umwelt: Wo kämen wir hin?

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Auch in Deutschland wird die Erweiterung der bisherigen drei Reinigungs­stufen in kommunalen Kläranlagen um eine vierte heiß diskutiert. In Pilotprojekten werden hierfür unterschiedliche Verfahren erprobt. Bei ihrer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollte unter dem Aspekt der Abscheidung und Beseitigung von Mikroschadstoffen zusätzlich auch Mikroplastik eine Rolle spielen. Die Analyse der Relevanz und der Wirksamkeit der gleichzeitigen Betrachtung der Mikroschadstoff- und Mikroplastikbelastungen zeigt, dass kontinuierlich und umgehend gehandelt werden muss. Dies ist nicht zuletzt deshalb notwendig, weil nicht ordnungsgemäß oder gar nicht behandeltes kommunales Abwasser noch immer einer der Hauptgründe dafür ist, dass deutsche und europäische Gewässer oftmals nicht einen zumindest guten Zustand im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie erreichen.

Kunststoff neu gedacht: Von Wertstoffen und Kreisläufen

Mit dem European Green Deal verfolgt Europa als erster Staatenverbund das Ziel, bis zum Jahr 2050 Treibhausgasneutralität zu erreichen [12]. Daneben will die EU die Schadstoffbelastungen der Umwelt bis 2050 auf ein absolutes Mindestmaß reduzieren und die Wirtschaft zukünftig weitgehend zirkulär arbeiten lassen, um Ressourcen zu schonen. Dabei werden Kunststoffe als ressourcenintensive Wertschöpfungsketten eingestuft, die vor den Zielen Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft neu betrachtet und bewertet werden.

Abb. 3: Entwicklung der Regulationen im Bereich Plastik und Mikroplastik von 2004 bis heute. (grün: Mikroplastik, blau: Kunststoffverpackungen, Einwegprodukte)(Bild:  Wasser 3.0)
Abb. 3: Entwicklung der Regulationen im Bereich Plastik und Mikroplastik von 2004 bis heute. (grün: Mikroplastik, blau: Kunststoffverpackungen, Einwegprodukte)
(Bild: Wasser 3.0)

Der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft im Rahmen des European Green Deal, der auch die unbeabsichtigte Freisetzung von Mikroplastik durch Kennzeichnung, Standardisierung, Zertifizierung und Regulierung verringert sehen möchte, sieht vor, feste Quoten für den Anteil von recyceltem Plastik in Kunststoffflaschen festzulegen, die Kreislauffähigkeit von Produkten in der Ökodesign-Richtlinie zu verankern sowie eine Steuer auf nicht recycelten Plastikmüll einzuführen [13]. Ebenso wie die Einwegplastikrichtlinie dürften diese Maßnahmen dazu führen, dass weniger Makroplastik in die Umwelt gelangt und damit auch weniger Mikroplastik entsteht.

Wie aber gehen wir mit dem Mikroplastik um, das in der indus­triellen Produktion durch den Einsatz und die Verarbeitung von Kunststoffen entsteht und in unseren Wasserkreislauf und in die Nahrungskette gelangt?

Umgang mit Mikroplastik im industriellen Abwasser

Die Einleitung von Abwässern in Deutschland ist in der Abwasserverordnung geregelt. Grenzwerte für (Mikro)Plastikeinträge sind hierbei jedoch nicht zu finden.

Einträge von Plastik in die Umwelt zu überwachen und Grenzwerte festzulegen, wurde im Rahmen der Industrieemissionsrichtlinie aufgegriffen und bereits als Ziel für das Jahr 2014 ausgeschrieben [14]. Es gibt zwei Gründe, warum diese – und andere Unterfangen, Mikroplastik zu regulieren – bisher noch nicht in ein Gesetz umgesetzt wurden:

  • Bemühungen, Grenzwerte für die Plastikindustrie einzuführen, können erst verbindlich umgesetzt werden, wenn es standardisierte Methoden zum Monitoring von Plastik und Mikroplastik in der Umwelt gibt. Das Problem ist, dass solche Messungen nach wie vor sehr zeitaufwändig, teuer und nicht standardisiert sind.
  • Gesetze sind wenig sinnvoll, wenn es keine Vermeidungs- und/oder Entfernungstechnologien gibt. Nach wie vor gibt es zwar zahlreiche Forschungsgruppen, Projekte und Firmen, die an Lösungen arbeiten, doch bisher wurden nur wenige wirtschaftliche Lösungen in Realumgebungen und mit Langzeit-Pilotierungen wissenschaftlich fundiert erprobt, geschweige denn in größerem Stil implementiert.

Bessere Überwachung – Wenn nicht jetzt, wann dann?

Es scheint Bewegung in die Thematik zu kommen. Die Notwendigkeit der besseren Überwachung von Plastik und Mikroplastik wird sowohl in der Nationalen Wasserstrategie des Bundesumweltministeriums (2021), der Neufassung der EU-Trinkwasserverordnung wie auch der EU-Kunststoffstrategie (2018) als prioritäres Handlungsfeld thematisiert [9, 15, 16]. Im Rahmen der Trinkwasserverordnung soll beispielsweise zukünftig auch Mikroplastik überwacht werden. Eine Umsetzung ist bis spätestens 2029 geplant. Ein erster Ansatz zur Standardisierung der Mikroplastik- Detektion wurde mit der Veröffentlichung des Statuspapiers zur Mikroplastik-Analytik des Forschungsprojektes Plastik in der Umwelt im November 2020 initiiert [17]. Auch die Arbeiten an DIN- und ISO-Normen wurden mittlerweile begonnen. Mit einer DIN-Norm für die Bestimmung der Mikroplastik-Konzentrationen wird in ungefähr vier Jahren gerechnet.

Auch in Sachen Vermeidungs- und Entfernungstechnologie wandelt sich das Blatt. Industrielle Akteure setzen mit neuen Leuchtturmprojekten Akzente für die Vermeidung von Mikroplastikeinträgen in die Umwelt über Prozess- und Abwässer – ohne auf die Gesetzgebung zu warten.

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