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Luft in Innenräumen Mikroplastik in jedem Atemzug: So viel Kunststoff atmen wir ein

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Ob in Wohnungen, Büros oder Autos – die Luft in Innenräumen ist schlechter als gedacht. So atmen wir dort potenziell zehntausende Mikroplastik-Partikel pro Tag ein. Dies geht aus Berechnungen einer neuen Studie hervor. Die reale Aufnahme und mögliche Gesundheitsfolgen müssen allerdings noch untersucht werden.

Das Bild zeigt eine Aufnahme eines Quarzfaserfilters unter dem Elektronenmikroskop. Auf dem Filter sind zahlreiche mikrometergroße Mikroplastikpartikel zu sehen, die aus Staub stammen. Diese feinen Partikel, die in der Raumluft vorkommen, haften am Filtermaterial und erscheinen als kleine, unregelmäßige Formen auf der Bildfläche. Solche Bilder helfen dabei, die Verbreitung und Zusammensetzung von Mikroplastiken in Innenräumen besser zu verstehen und deren potenzielle Gesundheitsgefahren einzuschätzen.(Bild:  Human exposure to PM10 microplastics /Nadiia Yakovenko / CC BY 4.0)
Das Bild zeigt eine Aufnahme eines Quarzfaserfilters unter dem Elektronenmikroskop. Auf dem Filter sind zahlreiche mikrometergroße Mikroplastikpartikel zu sehen, die aus Staub stammen. Diese feinen Partikel, die in der Raumluft vorkommen, haften am Filtermaterial und erscheinen als kleine, unregelmäßige Formen auf der Bildfläche. Solche Bilder helfen dabei, die Verbreitung und Zusammensetzung von Mikroplastiken in Innenräumen besser zu verstehen und deren potenzielle Gesundheitsgefahren einzuschätzen.
(Bild: Human exposure to PM10 microplastics /Nadiia Yakovenko / CC BY 4.0)

Toulouse/Tübingen (dpa) – Menschen atmen wohl deutlich mehr Mikroplastik ein als bislang angenommen. Besonders in Innenräumen wie Wohnungen und in Autos gelangen laut einer Studie täglich im Schnitt täglich rund 68.000 besonders kleine Plastikpartikel zwischen einem und zehn Mikrometern Durchmesser in die Atemwege eines Erwachsenen. Bei Kindern sind es etwa 47.000. Dies geht zumindest aus den Modellrechnungen der Forscher hervor.

Frühere Schätzungen, die auf größeren Partikeln basierten, lagen rund hundertfach niedriger als die nun ermittelten Werte.

Wohnräume stark belastet, Autos noch stärker

Das Team um Nadiia Yakovenko vom Geowissenschaftlichen Institut der Universität Toulouse maß die Belastung unter anderem in Privatwohnungen und in Autoinnenräumen in Südfrankreich. Während die Wissenschaftler in Wohnräumen im Schnitt 528 Mikroplastikpartikel pro Kubikmeter Luft nachwiesen, lag die Konzentration in Autos deutlich höher mit 2.238 Partikeln pro Kubikmeter Luft. 94 Prozent dieser gefundenen Teilchen waren kleiner als zehn Mikrometer, also fähig, in die Lunge einzudringen. Im Anschluss berechneten die Wissenschaftler, wie viel dieser im Innenraum schwebenden Partikel Menschen durchschnittlich am Tag einatmen.

Hauptquellen der Mikroplastik-Belastung in Innenräumen sind laut Studie der Abrieb von Textilien, Kunststoffmöbeln oder der Innenverkleidung von Fahrzeugen. Die Mehrheit der nachgewiesenen Partikel bestand aus Polyethylen und Polyamid - Kunststoffe, die häufig in Alltagsprodukten vorkommen.

Feinstaub birgt (noch) ein höheres Risiko als Mikroplastik

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln in der Luft sind bislang kaum erforscht. Besonders kleine Partikel können tief in die Lunge eindringen und dort möglicherweise Entzündungsprozesse auslösen.

Eleonore Fröhlich von der Medizinischen Universität Graz und Professorin an der Universität Tübingen weist darauf hin, dass Mikroplastik zwar potenziell gesundheitlich relevant ist – im Vergleich zur deutlich höheren Feinstaubbelastung jedoch derzeit als weniger gravierend einzuschätzen sei. Feinstaub enthalte oft stärker toxische Substanzen und sei in deutlich größeren Mengen in der Luft vorhanden.

Aber auch die Form der Partikel spiele laut Fröhlich eine Rolle für ihre Wirkung im Körper: Während Feinstaub meist aus eher runden Partikeln besteht, handele es sich bei Mikroplastik oft um Fasern oder unregelmäßige Fragmente. Solche faserförmigen Teilchen können der Expertin zufolge weniger tief in die Lunge eindringen, da sie sich besonders leicht an Verzweigungen in den Atemwegen ablagern. Da die Lunge Partikel, die sich einmal festgesetzt haben, nur begrenzt abtransportieren kann, kann dies ihre Funktion auf Dauer beeinträchtigen.

Ergebnisse sind berechnete Werte, keine direkten Messungen

Die Autoren der Studie betonen, dass ihre Ergebnisse ein starkes Argument dafür seien, die gesundheitlichen Folgen der Mikroplastikbelastung in Innenräumen systematisch zu erforschen. Menschen in modernen Gesellschaften verbringen rund neunzig Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen – potenziell also in einer Umgebung mit erhöhter Belastung durch Plastikpartikel in der Luft.

Der direkte Nachweis von Mikroplastik im menschlichen Körper wurde im Rahmen der Studie nicht untersucht. Stattdessen nahmen die Wissenschaftler Luftproben in Innenräumen und berechneten auf dieser Basis, wie viele Partikel beim Atmen theoretisch aufgenommen werden – etwa im Alltag zu Hause oder im Auto. Dabei legten die Forschenden Standardwerte für das Atemvolumen ruhender Personen zugrunde.

Fröhlich weist darauf hin, dass die Daten auf Messungen aus relativ kleinen Luftvolumina und auf der Analyse nur eines kleinen Teils der Gesamtprobe basieren und deshalb mit Unsicherheiten behaftet sein können: „Jeder kleine Messfehler setzt sich fort.“ Zudem könne körperliche Aktivität die tatsächliche Aufnahme deutlich erhöhen. Für belastbare Aussagen sei eine breitere Datengrundlage notwendig.

Originalpublikation: Yakovenko N, Pérez-Serrano L, Segur T, Hagelskjaer O, Margenat H, Le Roux G, et al.: Human exposure to PM10 microplastics in indoor air, PLoS One 20(7), 2025; DOI: 10.1371/journal.pone.0328011

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