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Reinraumtechnik Morsche Holzbalken und Reinraumtechnik

| Redakteur: Frank Jablonski

Historisches in Kombination mit modernster Produktion: In ein 300 Jahre altes Fachwerkhaus in Uslar wurde eine Zytostatika-Produktion mit aktueller Reinraumtechnik integriert.

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Dass sich diese Herstellräume für die Zytostatika in Reinraum-Qualität in einem 200 Jahre alten Fachwerkhaus befinden ist kaum zu glauben. Bild: Ratsapotheke Uslar
Dass sich diese Herstellräume für die Zytostatika in Reinraum-Qualität in einem 200 Jahre alten Fachwerkhaus befinden ist kaum zu glauben. Bild: Ratsapotheke Uslar
( Archiv: Vogel Business Media )

Wer bei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern sofort an verstaubte Holzbalken und marode Fußböden denkt, wird in diesem Fall verblüfft sein: Die neue Produktionsstätte der Rats-Apotheke in Uslar für die Zytostatikazubereitung zur Behandlung von Krebs befindet sich zwar in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, dennoch erfüllt die Produktion alle Ansprüche an moderne Qualitätssicherung der Produktionsabläufe. Und so ist es nicht überraschend, dass die Ausstattung eines mehr als 200 Jahre alten Hauses mit modernster Reinraumtechnik, viele Überraschungen für die ausführenden Firmen mit sich brachte. Lehmputz, Stroh und Balken an den ungünstigsten Stellen machten teilweise eine Planung der Reinräume von Bauabschnitt zu Bauabschnitt notwendig. Und weil es keine Mauer im rechten Winkel gab und die Räume unterschiedlich hoch waren, mussten auch Wände und Decken speziell angefertigt werden, berichten die Experten der ausführenden Firmen Mahl Reinraum Realisierung und Nerling Systemräume.

„Schon im Vorfeld der Planung war uns bewusst, in diesem Haus ist einfach nichts gerade“, sagt Jan Kürbis, Projektleiter der Nerling Systemräume. Dennoch wollten die Planer der neuen Produktionsstätte der Rats-Apotheke keinen modernen Neubau, sondern eine Fortführung der Symbiose aus Tradition und Moderne. „Nachdem unser Labor zur Herstellung von individuellen Zytostatikazubereitungen in der Rats-Apotheke an seine Grenzen stieß, beschlossen wir in eine neue Produktionsstätte zu investieren“, berichtet Hermann Rohlfs, Leiter der Rats-Apotheke Uslar. Bereits in den 1920er Jahren wurde die Rats-Apotheke als „Fabrik für Pharmazeutische Präparate“ betrieben. Deshalb wurden die neuen Herstellräume in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Apotheke errichtet. Eine Besonderheit dieser Manufaktur: Interessierte haben die Möglichkeit durch Glasscheiben die Produktion im Reinraum zu verfolgen.

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Lehmputz, schiefe Wände und unterschiedliche Höhenniveaus

Die Planung der Reinräume erfolgte zunächst routinemäßig. „Zum Glück bezog sich der Denkmalschutz des Gebäudes nur auf die Außenansicht beziehungsweise die Fassade“, so Wolfgang Mahl von der Mahl Reinraum Realisierung. „Rein optisch sahen die bislang als Fachgeschäft für Radio und Fernsehen genutzten Räume recht ordentlich aus.“ Im Bereich der Herstellräume musste aber aufgrund der geringen Raumhöhe von 2,40 Metern der gesamte Bodenbereich ausgeschachtet werden, um Platz für die Lüftungsleitungen zu bekommen. Danach stand den Reinraumtechnikern eine lichte Raumhöhe von 2,80 Metern zur Verfügung, und es musste neu geplant werden.

[lesen Sie im zweiten Teil, welche weiteren Herausforderungen auf die Experten warteten]

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