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Antibiotika-Resistenzen – WHO passt Überwachungsliste an Resistente Keime: Welche Erreger sind am gefährlichsten?

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Wenn kein Antibiotikum mehr wirkt, stehen Leben auf dem Spiel. Deshalb ist es entscheidend, immer neue Antibiotika zu entwickeln, um auch gegen multiresistente Keime noch Medikamente verfügbar zu halten. Eine aktuelle Übersicht der gefährlichen „Krankenhauskeime“ hat die WHO veröffentlicht und fordert dabei, mehr in die Entwicklung neuer Wirkstoffe zu investieren.

15 Pathogene stehen auf der Beobachtungsliste der WHO für Erreger mit dringendem Forschungsbedarf.(Bild:  TopMicrobialStock - stock.adobe.com)
15 Pathogene stehen auf der Beobachtungsliste der WHO für Erreger mit dringendem Forschungsbedarf.
(Bild: TopMicrobialStock - stock.adobe.com)

(dpa) Die zunehmende Resistenz von Erregern gegen Antibiotika bereitet Experten Sorgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Liste der gefährlichsten Bakterien, gegen die existierende Mittel oft versagen, jetzt aktualisiert. Sie rief dazu auf, dringend mehr in die Entwicklung neuer Antibiotika zu investieren, um die weitere Ausbreitung antimikrobieller Resistenz (AMR) zu stoppen. Nach WHO-Angaben trägt AMR weltweit zu rund fünf Millionen Todesfällen im Jahr bei. Besonders gefährlich sind demnach Erreger, die sich in Krankenhäusern ausbreiten.

Was ist antimikrobielle Resistenz (AMR)?

Von antimikrobieller Resistenz spricht man, wenn Mikroorganismen nicht wie vorgesehen durch einen antimikrobiell wirkenden Stoff abgetötet werden. Bei jedem Einsatz von Antibiotika können resistente Bakterien überleben und sich weiter ausbreiten. Resistenzen entstehen vor allem da, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden.

Der gefährlichste Erreger laut WHO

An erster Stelle der Prioritätenliste steht wie auf der Liste von 2017 das Bakterium Acinetobacter baumannii. Es gefährdet im Krankenhaus vor allem abwehrgeschwächte Patienten. Neben Lungenentzündungen kann es Wund- und Weichteilinfektionen, Harnwegsinfekte, Sepsis und Meningitis hervorrufen. Ebenso höchste Priorität für die Forschung haben bestimmte Enterobakterien, die ebenfalls oft in Krankenhäusern auftauchen und ähnliche Infektionen auslösen können. Neu in der höchsten Kategorie ist Mycobacterium tuberculosis, der Haupterreger der Tuberkulose.

Zwar seien seit 2017 neun neue Antibiotika auf den Markt gekommen, sagte der WHO-AMR-Spezialist Hatim Sati. Es handele sich aber oft um Abwandlungen existierender Medikamente, gegen die Bakterien schnell wieder resistent werden. Wenige seien zudem effektiv gegen multiresistente Bakterien, die gegen mehrere Mittel unempfindlich sind.

Das Pharma-Dilemma

Das Dilemma sei, dass Produkte gegen multiresistente Bakterien nur als letztes Mittel eingesetzt würden. Deshalb sei der Markt relativ klein und der Anreiz für Pharmafirmen gering, solche Reserveantibiotika zu entwickeln. Zweites Problem sei der Preis neuer Medikamente. Sie stünden in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen oft nicht zur Verfügung. Dort sei das Resistenzproblem aber besonders groß.

Etwas entspannter ist nach WHO-Angaben die Lage bei Pseudomonas aeruginosa, ebenfalls ein Krankenhauskeim. Die Resistenz dagegen sei nach jüngsten Berichten etwas gesunken. Insgesamt umfasst die Liste 15 Pathogene, für die neue Mittel gebraucht werden.

Prioritätenliste der gefährlichsten Bakterien: Bacterial pathogens of public health importance to guide research, development and strategies to prevent and control antimicrobial resistance,WHO (2024); ISBN: 978-92-4-009346-1

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