Die Omikron-Untervariante BQ.1.1 breitet sich aktuell zunehmend in Deutschland aus und könnte zum Problem werden. Denn wie eine aktuelle Studie vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung zeigt, ist sie gegen alle zugelassenen Antikörpertherapien resistent. Die Forscher sehen daher dringenden Bedarf für neue Therapiemethoden, um schwere Krankheitsverläufe bei Risikopatienten behandeln zu können.
Die Omikron-Variante BQ.1.1 breitet sich seit Oktober 2022 zunehmend in Deutschland aus. Ob das zu einem Problem werden könnte, haben Forscher des Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg untersucht.
(Bild: maurice norbert - stock.adobe.com)
Unser Körper ist ein Profi in biomedizinischer Selbstverteidigung: Wenn wir uns mit dem SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2) infizieren oder eine Covid-19-Impfung erhalten, kommt es im Körper zu einer Immunantwort. Dabei werden unter anderem neutralisierende Antikörper gebildet, die zum Schutz vor einer (erneuten) Infektion mit SARS-CoV-2 sowie einem schweren Krankheitsverlauf beitragen. Mit entsprechenden synthetisch hergestellten Antikörpern gegen Covid-19 können Ärzte Risikopatienten behandeln, um einem schweren Krankheitsverlauf zu verhindern.
Antikörper als Therapie gegen schwere Covid-19-Verläufe
Neutralisierende Antikörper schützen, indem sie sich an das virale Stachelprotein „Spike“ anheften und so verhindern, dass das Virus in Zellen eindringen kann. Allerdings sind einige SARS-CoV-2-Varianten durch Mutationen im Spike-Protein in der Lage, einigen neutralisierenden Antikörpern zu entkommen und dadurch auch in geimpften oder genesenen Personen symptomatische Infektionen auszulösen. Man spricht von Immunflucht. Besonders bei der Omikron-Variante kann dies häufig vorkommen. Dies stellt eine Gefahr für Risikogruppen dar, da insbesondere hoch betagte Personen sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem selbst nach vollständiger Impfung oftmals keine ausreichende Immunantwort ausbilden, um vor einem schweren Verlauf der Infektion geschützt zu sein.
Um Risikopatienten zu schützen, werden ihnen biotechnologisch hergestellte Antikörper vorbeugend oder als frühe Therapie bei einer diagnostizierten SARS-CoV-2 Infektion verabreicht. Mutationen im Spike-Protein von verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten vermitteln allerdings Resistenz gegen einzelne Antikörpertherapien. Daher ist es wichtig regelmäßig zu überprüfen, ob die zurzeit zugelassenen Antikörpertherapien weiterhin gegen die aktuell zirkulierenden Virusvarianten wirksam sind.
Ein neuer Gegner für die Medizin: Omikron BQ.1.1
Ein Team aus Forschern der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) und der Abteilung Molekulare Immunologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat untersucht, wie effizient die derzeit zugelassenen Antikörpertherapien die aktuell zirkulierenden Omikron-Untervarianten hemmen. Dabei haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1, welche weltweit auf dem Vormarsch ist, gegen sämtliche verfügbaren Antikörpertherapien resistent ist.
„Für unsere Untersuchungen haben wir nicht-vermehrungsfähige Viruspartikel, welche das Spike-Protein von ausgewählten Virusvarianten tragen, mit verschiedenen Verdünnungen der zu testenden Antikörper gemischt und nachfolgend gemessen, welche Antikörpermenge benötigt wird, um die Infektion von Zellkulturen zu hemmen. Insgesamt haben wir zwölf einzelne Antikörper und sechs Antikörpercocktails untersucht, von denen vier für die klinische Anwendung in Europa zugelassen sind“, erklärt Prerna Arora, Erstautorin der Studie.
Wie sich das Coronavirus seit Anfang 2021 verändert hat, veranschaulicht die unten stehende Grafik. Nach der Alpha-Welle dominierte zunächst die Delta-Variante und wurde dann abgelöst von den Omikron-Varianten BA.1, BA.2 und BA.5. Andere Subtypen wie Beta, Gamma, Omikron BA.3 und 4 konnten sich nicht durchsetzen. Oben rechts in der Grafik ist der neu aufgekommene Subtyp Omikron BQ.1.1 eingetragen, ein Abkömmling von BA.5. Die Subtypen BQ.1 und BQ.1.1 wurden erstmals im Juli 2022 in Nigeria entdeckt und breiten sich seit einigen Wochen auch in Deutschland zunehmend aus.
Derzeit keine wirksamen Antikörper-Therapien gegen neue Corona-Variante verfügbar
Die Omikron-Untervarianten BA.1, BA.4, BA.5 sowie Q.1.1 weisen eine hohe Anzahl an Mutationen im Spike-Protein auf. Bei einigen dieser Mutationen handelt es sich um Fluchtmutationen, die es dem Virus erlauben, der Neutralisation durch Antikörper zu entkommen. Die Omikron-Untervariante BQ.1.1 ist die erste Variante, die gegen alle derzeitig durch die EMA und/oder FDA zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist.
(Bild: Deutsches Primatenzentrum, Markus Hoffmann)
Bei ihren Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1 weder durch einzelne Antikörper noch durch die Antikörpercocktails neutralisiert werden konnte. Im Gegensatz dazu wurde die derzeit vorherrschende Omikron-Untervariante BA.5 noch durch einen zugelassenen Antikörper und zwei zugelassene Antikörpercocktails neutralisiert. „Mit Blick auf die Risikopatient*innen besorgt uns die Tatsache, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1 gegen alle zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist. Insbesondere in Regionen, in denen BQ.1.1 stark verbreitet ist, sollten Ärzt*innen bei der Behandlung von infizierten Risikopatient*innen daher nicht allein auf Antikörpertherapien setzen, sondern zusätzlich die Gabe von weiteren Medikamenten wie Paxlovid oder Molnupiravir in Betracht ziehen“, kommentiert der Studienleiter Markus Hoffmann das Ergebnis der Studie.
Auch die Tatsache, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1 bereits resistent gegenüber einer neuen Antikörpertherapie ist, die kurz vor der Zulassung in den USA steht, stellt die Bedeutung der Entwicklung von neuen Antikörpertherapien gegen Covid-19 heraus. „Die immer weiter fortschreitende Resistenzentwicklung von SARS-CoV-2-Varianten macht es erforderlich, dass neue Antikörpertherapien entwickelt werden, welche insbesondere auf die derzeit zirkulierenden und auf zukünftige Virusvarianten abgestimmt sind. Idealerweise sollten sie auf Regionen im Spike-Protein abzielen, die nur wenig Potenzial für Fluchtmutationen aufweisen“, schließt Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am DPZ.
Stand: 08.12.2025
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Originalpublikation: Arora P, Kempf A, Nehlmeier I, Schulz SR, Jäck H-M, Pöhlmann S, Hoffmann M (online): Omicron sublineage BQ1.1 resistance to monoclonal antibodies, The Lancet Infectious Diseases, November 18, 2022; DOI: 10.1016/S1473-3099(22)00733-2