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Wirkstoffforschung Neuer Antikörper blockiert fast alle HIV-Varianten in Neutralisationstests

Quelle: Pressemitteilung Universität Köln 2 min Lesedauer

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Einer gegen alle – dies könnte das Prinzip eines neuen Antikörpers gegen das HI-Virus sein. Denn erste Labortests zeigen, dass er gegen eine große Vielfalt von HIV-Stämmen wirkt und sogar klassische Resistenzmechanismen überwindet.

Ein neuer Antikörper könnte die Behandlung von HIV deutlich erleichtern, weil er in Labortests gegen eine breite Varianz an HI-Viren wirkt (Symbolbild).(Bild: ©  Богдан Стеблянко - stock.adobe.com)
Ein neuer Antikörper könnte die Behandlung von HIV deutlich erleichtern, weil er in Labortests gegen eine breite Varianz an HI-Viren wirkt (Symbolbild).
(Bild: © Богдан Стеблянко - stock.adobe.com)

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität zu Köln hat einen Antikörper entdeckt, der das Potenzial hat, die Bekämpfung von HIV zu verbessern. Der neu identifizierte Antikörper mit dem Kürzel 04_A06 erwies sich in Labortests als besonders wirksam: Er konnte 98,5 Prozent von mehr als 300 verschiedenen HIV-Stämmen neutralisieren. Damit gehört er zu den am breitesten wirksamen HIV-1-Antikörpern.

In Versuchen mit humanisierten Mäusen – Tieren mit einem Immunsystem, das so verändert wurde, dass es dem menschlichen ähnelt – hat 04_A06 die HI-Viruslast dauerhaft auf nicht mehr nachweisbare Werte gesenkt. Die meisten anderen HIV-1 Antikörper erzielen in diesem Tiermodell dagegen nur kurzfristige Effekte, da sich schnell Resistenzen entwickeln.

Wirkstoffscreening: Forscher werden fündig

Antikörper sind Eiweißmoleküle des Immunsystems, die Krankheitserreger gezielt angreifen. Die Suche nach solch einem HIV-Antikörper ist eine besondere Herausforderung, da das Virus sich ständig verändert. Viele Antikörper können daher nur bestimmte Virusvarianten blockieren. Für die aktuelle Studie untersuchten die Forschenden Blutproben so genannter „Elite-Neutralisierer“, deren Immunsystem das Virus besonders effektiv bekämpft. Aus über 5.000 einzelnen B-Lymphozyten wurden mehr als 800 Antikörper hergestellt und auf ihre Wirksamkeit getestet. Einer stach heraus: Der Antikörper 04_A06 übertraf alle anderen in Potenz und Breite der Wirkung in Neutralisationstests.

„Mit 04_A06 haben wir einen Antikörper entdeckt, der nicht nur außergewöhnlich breit wirkt, sondern auch klassische Resistenzmechanismen des Virus überwindet. Damit könnte sich ein vielversprechender Ansatz für die klinische Anwendung von Antikörpern gegen HIV eröffnen“, sagt Dr. med. Lutz Gieselmann, Assistenzarzt am Institut für Virologie der Universität zu Köln und Erstautor der Studie.

Mechanismus könnte Virusresistenz aushebeln

Eine wichtige Besonderheit des Antikörpers 04_A06 zeigte sich bei der Untersuchung seiner Struktur. Er besitzt eine ungewöhnlich lange Aminosäure-Kette, die wie ein zusätzlicher „Greifarm“ wirkt. Damit erreicht er Epitope am Virus, die normalerweise schwer zugänglich sind. Diese Regionen sind stark konserviert und für das Virus vermutlich schwer veränderbar, ohne die eigene Funktionsfähigkeit zu verlieren. Dies könnte erklären, warum 04_A06 seine antiviralen Eigenschaften auch gegenüber Fluchtmutationen in der CD4-Bindestelle beibehält, die bei anderen Antikörpern dieser Klasse zu einem Wirkungsverlust führen.

Neben den Labortests nutzten die Wissenschaftler auch Computermodelle, um die Schutzwirkung von 04_A06 einzuschätzen. Die Modelle sagten voraus, dass eine einmalige Gabe in klinischen Anwendungen über 93 Prozent Schutzwirkung bieten könnte. Insgesamt bieten die antiviralen Eigenschaften von 04_A06 einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von Menschen, die mit HIV leben, als auch für die Prävention bei Risikogruppen. Der Antikörper 04_A06 wurde exklusiv an Vir Biotechnology, Inc. lizensiert.

Originalpublikation: Gieselmann, L., DeLaitsch, A.T., Rohde, M. et al.: Profiling of HIV-1 elite neutralizer cohort reveals a CD4bs bnAb for HIV-1 prevention and therapy, Nat Immunol (2025); DOI: 10.1038/s41590-025-02286-5

(ID:50581793)

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