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One-step-Nanoscale-Expansion-Mikroskopie 3D-Proteinstrukturen mit einem gewöhnlichen Mikroskop

Quelle: Pressemitteilung UMG 3 min Lesedauer

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Proteine dreidimensional abbilden, und das mit einem herkömmlichen Lichtmikroskop. Dies ermöglicht ein neues Verfahren der Universitätsmedizin Göttingen. Die kostengünstige Methode könnte zur Früherkennung von Parkinson beitragen.

Künstlerische Darstellung der ersten Proteinstruktur des GABAA-Rezeptors, die mittels ONE-Mikroskopie gelöst wurde. (Bild:  Shaib/Rizzoli, umg/mbexc)
Künstlerische Darstellung der ersten Proteinstruktur des GABAA-Rezeptors, die mittels ONE-Mikroskopie gelöst wurde.
(Bild: Shaib/Rizzoli, umg/mbexc)

Die Fluoreszenz-Bildgebung ist eines der vielseitigsten und am weitesten verbreiteten Instrumente in der Biologie, um biologische Prozesse in lebenden Zellen zu beobachten. Trotz der Fortschritte in der Technik und der Verbesserung der Auflösung bleibt die Darstellung einzelner Moleküle und die Organisation molekularer Komplexe mittels Fluoreszenzmikroskopie eine Herausforderung. Dies war bisher ausschließlich mit teuren strukturbiologischen Methoden wie der Elektronenmikroskopie (EM) und insbesondere der Kryo-EM möglich, bei der die Proben mit einem sehr starken Elektronenstrahl bei extrem niedriger Temperatur abgebildet werden.

Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ein neues Verfahren entwickelt, das es erstmals erlaubt, die dreidimensionale Form von Proteinen mit einem herkömmlichen Mikroskop abzubilden. Eine Kombination aus künstlicher Intelligenz und One-step Nanoscale Expansion (ONE)-Mikroskopie ermöglicht die Erkennung von Strukturveränderungen geschädigter oder toxischer Proteine in menschlichen Proben. Erkrankungen wie Morbus Parkinson, die auf Proteinfehlfaltungen beruhen, könnten somit frühzeitig erkannt und behandelt werden.

So wird einfache Lichtmikroskopie dreidimensional

Die Erfinder, Gruppenleiter Dr. Ali H. Shaib (links) und Prof. Dr. Silvio O. Rizzoli, Direktor des Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).(Bild:  A. Shaib)
Die Erfinder, Gruppenleiter Dr. Ali H. Shaib (links) und Prof. Dr. Silvio O. Rizzoli, Direktor des Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
(Bild: A. Shaib)

Verantwortlich für die neue Mikroskopiemethode ist Dr. Ali Shaib, Gruppenleiter im Institut für Neuro- und Sinnesphysiologie der UMG, sowie das Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Silvio O. Rizzoli, Direktor der Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Mit ein paar einfachen, aber effektiven Tricks haben die Wissenschaftler eine Methode entwickelt, um einzelne Moleküle mit herkömmlicher Lichtmikroskopie detailgenau darzustellen.

Statt teure, hochauflösende Mikroskope einzusetzen, um die Auflösung zu verbessern, entwickelten sie die ONE-Mikroskopie. Bei diesem Verfahren wird das Volumen der Probe vergrößert, indem die Zellen und die darin enthaltenen Strukturen auf ein wasserabsorbierendes Gel gebunden werden, welches in die Zellen eindringt. Durch die Aufnahme von Wasser vergrößert sich das Gel bis auf das 15-fache seines Volumens.

Die Moleküle in der Probe bewegen sich dadurch gleichmäßig auseinander und werden ebenfalls größer, sodass sie nach gezielter Markierung mit fluoreszierenden Molekülen mit einem Lichtmikroskop abgebildet werden können. Kombiniert mit einem auf künstlicher Intelligenz basierenden Verfahren zur Auswertung der Fluoreszenzveränderungen, gelang den Wissenschaftlern erstmals, was bisher nur mit der hochauflösenden Kryo-Elektronenmikroskopie und Röntgentechnologie möglich war: „Wir sind jetzt in der Lage, 3D-Proteinstrukturen aus zweidimensionalen Fluoreszenzbildern zu rekonstruieren,“ sagt Studienleiter Rizzoli.

Kostenloses Upgrade mit Open-Source-Paket möglich

Dies bietet eine noch nie dagewesene Möglichkeit, feine strukturelle Details einzelner Proteine sowie von Multiproteinkomplexen in Zellen oder auch isoliert direkt darzustellen. Auch Veränderungen in der räumlichen Struktur von Proteinen sind mit der ONE-Mikroskopie leicht aufzudecken. In einer Kooperation mit Kollegenaus Göttingen und Kassel konnten molekulare Proteinaggregate, die typisch für die Parkinson-Erkrankung sind, in Hirnwasser-Proben von Patienten abgebildet und klassifiziert werden. Das ist vielversprechend für eine verbesserte Früherkennung der Parkinson-Erkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind.

Die Funktionsweise der ONE-Mikroskopie, vom Molekül zur 3D-Struktur.(Bild:  Shaib/Rizzoli, umg/mbexc)
Die Funktionsweise der ONE-Mikroskopie, vom Molekül zur 3D-Struktur.
(Bild: Shaib/Rizzoli, umg/mbexc)

Die ONE-Mikroskopie ist ein einfaches und kostengünstiges Verfahren, das in jedem Labor mit einem herkömmlichen Mikroskop durchgeführt werden kann und ein Auflösungsniveau im Bereich von zirka ein Nanometer erreicht. Die benötigte Software stellen die Autoren als kostenloses Open-Source-Paket zur Verfügung. Das neu entwickelte Verfahren wurde jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Biotechnology veröffentlicht. Aufgrund des hohen Potentials hat Nature die ONE-Mikroskopie in die Liste der „sieben Technologien, die man 2024 im Auge behalten sollte“ aufgenommen.

Originalpublikation: Shaib, A.H., Chouaib, A.A., Chowdhury, R. et al.One-step nanoscale expansion microscopy reveals individual protein shapes.Nat Biotechnol (2024). DOI: 10.1038/s41587-024-02431-9

(ID:50198977)

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