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Pestizide Pestizide unter Krebsverdacht

Autor / Redakteur: Andrea Petzenhammer* / Olaf Spörkel

Die krebserregende Wirkung von Pflanzenschutzmitteln wie Fungiziden und Insektiziden auf den Menschen ist inzwischen wissenschaftlich dokumentiert. Aufgenommen werden Pestizide über konventionell angebaute Nahrungsmittel oder über Möbel- und Bausubstanzen, die gegen Schädlingsbefall immunisiert wurden.

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Pestizide, die die für den Menschen gedachte Nahrung ursprünglich vor Bakterien, Pilzen und anderen natürlichen Feinden schützen sollen, stellen selbst eine Gefahr dar. Die durch diese verursachten Erkrankungen reichen von einer chronischen Schädigung des Nervensystems über Erbgutschäden sowie Krebserkrankungen bis hin zu Früh- oder Fehlgeburten. Denn die Giftstoffe lagern sich im Fettgewebe von Menschen ab.

Pestizid-Cocktails

Problematisch sind vor allem unerforschte Pestizid-Cocktails. Während für die einzelnen Giftstoffe die karzinogene Wirkung meist schon nachgewiesen ist, können über die genauen Folgen einer Kombination aus unterschiedlichen Pflanzenschutzmitteln meiste keine Aussagen getroffen werden. Experten befürchten eine Verstärkung der gefährlichen Auswirkungen durch das Zusammenspiel der Giftstoffe und fordern zusätzlich zur gesetzlichen Höchstgrenze einzelner Pestizid-Werte einen Maximal-Wert für die Summe der einzelnen Gifte, die in und auf Obst und Gemüse enthalten beziehungsweise vorhanden sind.

Pestizide in der Nahrung

Für Kinder, Schwangere und gesundheitlich Gefährdete sind Pestizide in der Nahrung besonders bedrohlich. Kinder atmen, essen und bewegen sich täglich drei Mal soviel wie Erwachsene, was die Schadstoffaufnahme unterstützt. Zudem fehlt die bei Erwachsenen bereits ausgebildete Blut-Hirn-Schranke, sodass den Giftstoffen der Weg direkt in das Gehirn geebnet ist. Bleibende Schäden für das Kind können so bereits während der Schwangerschaft entstehen. Dabei gilt zu bedenken, dass Pestizid-Nachwirkungen, die auf eine Schädigung im Mutterleib zurückgeführt werden müssen, zum Teil erst zwanzig bis vierzig Jahre nach der Geburt festgestellt werden können.

Pestizidbedingte Berufsfolgen

Nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig werden zumindest in Deutschland keine Krebs erregenden Pestizide mehr eingesetzt. Eine Entwarnung ist das jedoch nicht: Berühmt berüchtigt sind vor allem die vom Bundesverband Verbraucherschutz scharf kritisierten Einfuhrkontrollen, denen sich die Importeure mit dem „Hafen-Hopping“ entziehen. Vor allem in Ländern der Dritten Welt werden Chlorkohlenwasserstoffe wie DDT oder Lindan trotz nachgewiesener erhöhter Krebsgefahr immer noch verwendet, da es an Aufklärung und Kontrollen mangelt.

Fehlende Arbeitsschutzkleidung und unvernünftiges Handeln der Landbesitzer gefährden zudem die Gesundheit der vor Ort ansässigen Bevölkerung. Auch im vermeintlich sicheren Deutschland finden sich pestizidbedingte Berufsfolgen: Darunter die „Winzerkrankheit“ – ein Leberkrebs, der verstärkt bei Weinbauern mit nicht-ökologischen Anbaumethoden auftritt und ein Hinweis auf die Schädlichkeit der verwendeten Giftstoffe gibt.

Erdbeeren im Herbst und Weintrauben im Frühling – auf Umwegen gelangen die gefährlichen Stoffe dann eben doch auf den Esstisch des hiesigen Verbrauchers. Schützen kann sich der Verbraucher kaum: Die Pestizide sind nur teilweise abwaschbar. Im schlimmsten Fall wurden sie direkt in die Frucht injiziert. Tests der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigten, dass ökologisch hergestellte Lebensmittel keine oder nur wenig Pestizidbelastung aufweisen. Kleine Rückstände kämen zwar durch Kontakt mit der nicht ökologisch bewirtschafteten Umwelt zustande, seien aber nicht die Regel.

Schadstoffe in Möbeln

Neben den Lebensmitteln bergen aber auch Möbel und bestimmte Gebäude eine Krebsgefahr für den Menschen. Häuser in regenreichen Gebieten werden teilweise mit Fungiziden und Algiziden, versehen, die aber für die Bewohner selbst ähnlich giftig sind wie für die gefürchteten Schädlinge, gegen die diese Maßnahmen gerichtet sind. Eine Aufnahme der Giftstoffe kann in diesen Fällen über die Atmung oder über den unmittelbar am Gebäude angrenzenden kontaminierten Boden erfolgen. Ein Wissenschaftler, der ein weltweites Verbot aller Pestizide und karzinogenen Substanzen fordert, ist der Münchner Krebsforscher Dr. Ulrich Kübler. „Der Anstieg der Krebserkrankungen korreliert mit dem Einsatz der Giftstoffe bei der Nahrungsherstellung. Nur wenige Pestizide, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kamen oder noch kommen, wurden zuvor mit genügender Sicherheit auf gesundheitliche Risiken hin überprüft“, beanstandet der Mediziner. Neben den Pestiziden als heimliche Krebsauslöser sieht er allerdings auch in Zytostatika, die bei Chemotherapien im Kampf gegen den Krebs zum Einsatz kommen, nicht zu unterschätzende, gesundheitliche Gefahren. „Viele Zytostatika sind selbst sehr giftig und haben ihren Ursprung in ehemaligen chemischen Kampfstoffen wie zum Beispiel Senfgas, das im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Die meisten Zytostatika weisen nicht von ungefähr nur eine vorläufige, behördliche Zulassung auf“, gibt Kübler zu bedenken.

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Eine erfreuliche Nachricht gibt es dennoch: Greenpeace informierte in seiner „Bilanz 2007“ über einen Rückgang der Pestizidbelastungen im Obst und Gemüse. Mittlerweile setzen fast alle Handelsketten Kontrollsysteme für Agrar-Gifte ein.

* A. Petzenhammer, PresseDesk, 10115 Berlin

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