Was Ameisen zur Verteidigung ihrer Kolonie einsetzen, könnte auch Bienen retten. Denn Ameisensäure kommt schon länger als Mittel gegen die Varroamilbe zum Einsatz, die ganze Bienenvölker verenden lässt. Ein Forschungsprojekt eines rheinland-pfälzischen Start-Ups erprobt nun eine neue Anwendungsform der Säure im Bienenstock.
Milbenbefall gefährdet Honigbienen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert die Erforschung einer Bekämpfungsmethode gegen Varroamilben durch das Start-up Interbran Nature und die Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim.
(Bild: Dr. Bettina Ziegelmann)
Lingenfeld/Stuttgart – Ohne Biene, kein Honig und deutlich weniger Früchte wie Erdbeeren, Kirschen und Wassermelonen. Laut Nabu werden von den 107 weltweit am häufigsten angebauten Kulturpflanzen 91 in unterschiedlichem Ausmaß von Bienen bestäubt. Dazu gehören auch Raps und Kaffee. Durch ihre Bestäubungsleistung liegt der volkswirtschaftliche Nutzen der Honigbiene in der Europäischen Union (EU) bei rund 22 Milliarden Euro jährlich. Doch zunehmend gefährdet Milbenbefall die Bienenvölker und dezimiert deren Bestände.
Das Start-up-Unternehmen Interbran Nature aus Lingenfeld will mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) eine einfache und sichere Gegenmaßnahme gegen den milbenbefall in Bienenvölkern entwickeln: Flache Kissen – so genannte Pads – mit Ameisensäure. Diese Säure bekämpft die Varroamilbe effektiv, ohne den Bienen zu schaden. Imker, die an der wissenschaftlichen Studie teilnehmen möchten, können sich bis 10. Juni über das Kontaktformular unter www.interbran-nature.de melden.
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Unverzichtbar für die Ernährung der Welt
Seit 2018 macht der Weltbienentag der Vereinten Nationen (UN) am 20. Mai darauf aufmerksam, dass Bienen und andere Bestäuber wie Schmetterlinge zunehmend durch den Menschen gefährdet sind. Dabei seien weltweit fast 90 Prozent der blühenden Pflanzenarten sowie mehr als 75 Prozent der weltweit angebauten Nahrungspflanzen von der Bestäubung durch Tiere abhängig. „Honigbienen sind unverzichtbare Bestäuberinnen für Kultur- und Wildpflanzen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Während der Rückgang von Wildbienen u. a. durch Klimawandel, Lebensraumverlust und Pestizide verursacht wird, leidet das in Deutschland drittwichtigste Nutztier besonders unter Milbenbefall. „Die Varroamilbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Honigbienen“, sagt Dr. Peter Rosenkranz von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim bei Stuttgart, der als Kooperationspartner die Start-up-Studie begleitet.
Innerhalb von ein bis drei Jahren kann die Varroa-Milbe ein Bienenvolk vernichten.
Dr. Peter Rosenkranz, Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim
Zur Bekämpfung der Milbe stehen laut Rosenkranz nur wenige synthetische Mittel, verschiedene organische Säuren und ätherische Öle zur Verfügung. „Allerdings ist die Ameisensäure der einzige gegen Varroamilben wirksame Stoff, der durch den Zelldeckel in die Brutzellen dringt und dort die sich fortpflanzenden Milben direkt schädigt oder abtötet“, erklärt der Wissenschaftler.
Das Problem: Alle bisher entwickelten Anwendungssysteme für Ameisensäure haben „den Nachteil, dass sie entweder sehr umständlich sind oder kein andauerndes Verdunsten garantieren können“ und somit Bienen oder Brut schädigen, wie Jan Schiemer erläutert, Geschäftsführer von Interbran Nature. „Daher sind wir seit zwei Jahren dabei, ein System zu entwickeln, dass die Bekämpfung der Varroamilbe mit Ameisensäure einfach und sicher gestaltet.“
Die Idee: Die Ameisensäure wird in einem mineralischen Trägermaterial aufgesaugt und der Wirkstoff dadurch bei der Anwendung über mehrere Tage recht konstant wieder abgegeben. Das so genannte Bee-Pad, ist somit weitgehend unabhängig von äußeren Bedingungen „Nachgewiesen werden konnte bereits, dass das Pad auch bei sehr hohen Außentemperaturen funktioniert – vergleichbar mit einer herkömmlichen Anwendung, ohne dabei jedoch Schäden am Bienenvolk anzurichten“, sagt Jessica Steiner, Laborleiterin des Start-ups.
Erste Tests vielversprechend, jetzt sind Studienteilnehmer gesucht
Nach einem ersten Feldversuch mit wenigen Imkern im Jahr 2020 organisierte das Projektteam 2021 einen größeren Versuch, um mehr Daten zu gewinnen und mehr Rückmeldungen zum Umgang mit dem Bee-Pad zu erhalten. Etwa 40 Interessierte aus Bayern und Baden-Württemberg haben fünf bis zehn ihrer Bienenvölker mit dem Bee-Pad und zum Vergleich etwa genauso viele mit einem herkömmlichen Anwendungssystem gegen die Varroamilbe behandelt. „Die große Menge an Daten zeigt, dass die Entwicklung vergleichbare Ergebnisse erzielt wie bereits vorhandene Systeme“, sagt Interbran-Nature-Geschäftsführer Schiemer. Das Bee-Pad hat nach seinen Worten allerdings den Vorteil, dass es bereits anwendungsfertig ist und man somit nicht mit offener Säure hantieren muss. Weil das Pad sehr flach ist, kann es einfach zwischen die Rahmen im Bienenkasten gelegt werden.
Das Start-up plant diese Saison einen Feldversuch mit einer größeren Zahl an interessierten Imkern. Teilnehmende erhalten das Bee-Pad als gebrauchsfertiges System kostenfrei zur Verfügung und sollen während des Versuchs die Wirkung und eventuelle Nebenwirkungen festhalten. Wer mitmachen möchte, kann sich bis zum 10. Juni zur Studienteilnahme melden.
Stand: 08.12.2025
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