Als Genzo Shimadzu Senior im Jahr 1877 die erste bemannte Ballonfahrt in Japan durchführte, konnte niemand ahnen, wohin sich das zwei Jahre zuvor gegründete Unternehmen entwickeln würde. 150 Jahre später ist aus Shimadzu ein weltweit tätiges Unternehmen geworden – mit einem umfassenden Produktportfolio und einem Nobelpreis.
Die erste bemannte Ballonfahrt stand am Anfang der 150-jährigen Geschichte von Shimadzu.
(Bild: KI-generiert, Shimadzu)
Die Entdecker-DNA kam bereits in den frühen Anfängen von Shimadzu zum Vorschein: Ohne jegliche Kenntnisse oder Erfahrungen in der Ballonfahrt stellte sich Genzo Shimadzu Senior der Herausforderung, anhand einer einzigen Zeichnung einen bemannten Ballon zu entwickeln. Das Ergebnis war der erfolgreiche Start dieses gefertigten Ballons in Japan im Jahre 1877, und damit der ersten bemannten Ballonfahrt in der Geschichte Japans. Und diesen Entdeckergeist hat er auch in seiner 1875 gegründeten Werkstatt von Instrumenten für den Physik- und Chemieunterricht etabliert. In der nun 150-jährigen Unternehmensgeschichte hat Shimadzu zahlreiche technische Innovationen hervorgebracht, so beispielsweise das erste in Japan gefertigte Röntgengerät im Jahre 1909 oder den ersten japanischen Spektrographen, der 1934 entwickelt wurde. Dieses Portfolio hat sich seitdem stetig erweitert. Mittlerweile gehören dazu u. a. die Gaschromatographie (GC), die Flüssigchromatographie (HPLC), Spektrometrie (UV-VIS, FTIR, Raman und weitere), Elementanalytik (ICP, AAS etc.) und Total Organic Carbon (TOC). Außerdem vertreibt Shimadzu in seiner Medizintechnik-Sparte ein breites Angebot bildgebender diagnostischer CVS-, IVR- und R/F-Systeme sowie Geräte für die Projektionsradiographie und mobiles Röntgen.
Ein herausragendes Beispiel, wie Shimadzu analytische Methoden weiterentwickelt, findet man in der Massenspektrometrie. Der japanische Elektroingenieur Kōichi Tanaka, seit 1983 bei Shimadzu in der Entwicklung tätig, hat sich mit seinem Team der Verbesserung dieser Methode verschrieben. Dies mündete im Jahr 2002 in der Verleihung des Nobelpreises für Chemie, den er gemeinsam mit den beiden Wissenschaftlern John B. Fenn und Kurt Wüthrich für die Entwicklung der Softlaser-Desorptions-/Ionisationsmethode zur massenspektrometrischen Analyse biologischer Makromoleküle erhielt.
Bildergalerie
Interview: Japanische Werte und viel Geschichte
Herr Dr. Geistmann, 150 Jahre Shimadzu, eine beeindruckende Zahl. Was waren die wichtigsten technologischen Meilensteine?
Dr. Florian Geistmann ist seit Juli 2021 Geschäftsführer der Shimadzu Deutschland GmbH.
(Bild: Shimadzu)
Dr. Florian Geistmann: Shimadzu hat eine beeindruckende Geschichte voller Meilensteine: vom ersten bemannten Ballonflug Japans im Jahr 1877 über die erste japanische Röntgenaufnahme im Jahr 1896 – nur Monate nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen ist unser Unternehmen seither von Forschergeist und Innovationskraft geprägt. Das zeigen schon frühe Entwicklungen, wie die Produktion optischer Messgeräte (1915), das erste industrielle Röntgengerät (1933) und der erste japanische Spektrograph (1934). Die ersten Schritte in der instrumentellen Analytik begannen dann mit dem ersten japanischen photoelektrischen Spektrometer (1952) und dem ersten japanischen Gaschromatographen (1956). Mit der Gründung von Shimadzu Europa 1968 wurden die internationalen Weichen für eine Präsenz auf dem europäischen Markt gestellt. Einer der Höhepunkte unserer wissenschaftlichen Anerkennung bleibt sicherlich 2002, als unser Mitarbeiter Kōichi Tanaka für seine Arbeit in der Massenspektrometrie den Nobelpreis erhielt.
Welche Innovationen oder Produkte haben Shimadzu besonders geprägt?
Shimadzu hat sich über viele Jahrzehnte durch innovative Produkte und Technologien ausgezeichnet, da fällt es mir schwer mich auf besondere Highlights zu begrenzen. Zu unseren wegweisenden Entwicklungen gehören sicher die Röntgengeräte, die seit der frühen Unternehmensgeschichte kontinuierlich weiterentwickelt wurden, um immer sicherer zu diagnostizieren und gleichzeitig die Strahlendosis so gering wie möglich zu halten. Aber auch in der Analytik findet eine langjährige Weiterentwicklung statt, sodass Technologien wie Gaschromatographie (GC), Flüssigchromatographie (HPLC), Massenspektrometrie (LC-MS), Spektrometer und Total Organic Carbon (TOC)-Analysatoren beständig verbessert wurden. Besonders hervorzuheben ist die MALDI-Technik, die inhouse mitentwickelt wurde und die als völlig neue Analysentechnik für die Proteomik bahnbrechend war. Auch neue Entwicklungen wie Massenspektrometer mit schnellem Polarity Switching und die Einführung der SFC (superkritische Fluidchromatographie) mit einzigartigen Gerätemerkmalen zeigen, dass Shimadzu stets am Puls der Zeit ist und die Analytik kontinuierlich weiterdenkt.
Was macht die Unternehmenskultur bei Shimadzu besonders?
Shimadzu lebt seit jeher nach dem Prinzip „Contributing to Society through Science and Technology“. Dieses Leitmotiv zeigt sich in unserem Engagement für Nachhaltigkeit – sowohl in der Unternehmensentwicklung als auch in unseren Produkten. Die Wertschätzung unserer Mitarbeitenden gegenüber und deren Erfahrung prägt die Kultur ebenso wie die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die uns in einem sich schnell wandelnden Markt erfolgreich machen. Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern innovative Lösungen zu entwickeln, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich einen positiven Beitrag leisten.
Wie hat sich Shimadzu international positioniert, und welche Rolle spielt der deutsche Standort dabei?
Das Unternehmen ist heute weltweit präsent, mit direktem Vertrieb und Support in vielen Ländern sowie Händlern als Partner. In Europa haben wir uns stark etabliert, und Deutschland spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sitz der Shimadzu Europa GmbH als europäische Zentrale und auch Sitz der Shimadzu Deutschland GmbH als die größte Tochtergesellschaft in Europa zuständig für den deutschen Markt. Hier bieten wir nicht nur Vertrieb, sondern auch Applikationsunterstützung und Support, um unseren Kunden die besten Lösungen anzubieten. Dabei setzen wir bewusst auf eine lokale Struktur mit Niederlassungen in den Hauptmetropolregionen, um unseren Kunden nahen und persönlichen Support zu bieten. Es ist unser Ziel, mehr als nur ein Lieferant zu sein, sondern ein Partner, der unsere Kunden über den kompletten Produktlebenszyklus und darüber hinaus kompetent und konsistent begleitet.
Welche Trends in der Analytik verfolgt Shimadzu besonders intensiv?
Die Analytik verändert sich ständig, und wir sind mittendrin. Digitalisierung ist ein großes Thema – dabei spielen Automatisierung und die Vereinfachung der Datenauswertung eine zentrale Rolle, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Unsere Gesellschaft wird immer älter, daher steigen die Anforderungen im Healthcare-Bereich, ob bei der klinischen Analytik oder der Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln. Hierbei unterstützen wir unsere Kunden besonders bei den Themen Automatisierung und Compliance, um Prozesse effizienter und zuverlässiger zu machen. Gleichzeitig entwickeln wir Lösungen für die „Green Transformation“, um gemeinsam mit unseren Kunden die Energiewende voranzutreiben.
Was bedeutet das 150-jährige Jubiläum für Sie persönlich und für das Unternehmen?
Das Jubiläum ist ein besonderer Moment, der uns stolz auf unsere lange Geschichte macht – welche Firma kann schon auf eine so lange Historie zurückblicken? Es zeigt für mich, wie sehr die Werte der japanischen Kultur – wie die Wertschätzung von Erfahrung und der Fokus auf nachhaltiges Wachstum – Shimadzu geprägt haben. Persönlich empfinde ich eine große Dankbarkeit für die Möglichkeit, Teil eines Unternehmens zu sein, das immer wieder bewiesen hat, wie flexibel und anpassungsfähig es ist und auch mir selbst erlaubt hat, „mitzuwachsen“ und mich weiterzuentwickeln. Das Jubiläum ist aber nicht nur ein Rückblick, sondern auch eine Gelegenheit, gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden und Kunden in eine erfolgreiche Zukunft zu schauen – und sicherzustellen, dass Shimadzu auch in Zukunft ein verlässlicher Partner bleibt.
Das Interview führte Marc Platthaus
Technologischer Fortschritt für eine bessere Welt
Doch technologische Weiterentwicklungen waren bei Shimadzu nie Selbstzweck: „Durch Wissenschaft und Technologie einen Beitrag zur Gesellschaft leisten“ ist die zentrale Philosophie des Unternehmens. Dazu zählt auch, bestehende Technologien stets weiterzuentwickeln, Möglichkeiten auszuloten und bisherige technische Grenzen zu überschreiten. Plakativstes Beispiel für den Erfolg dieses Zieles ist selbstverständlich der Chemie-Nobelpreis 2002, doch auch viele andere Systeme haben in den vergangenen Jahrzehnten diverse Branchenpreise gewonnen.
Das hat Shimadzu zu einem Marktführer in vielen Bereichen und zu einer festen Größe in Wissenschaft und Industrie gemacht. Innovationsgeist und Forschungsdrang sind seit der Gründung ein fester Bestandteil der Shimadzu-DNA. Auch in den kommenden Jahrzehnten will das Unternehmen eine Zukunft gestalten, in der Innovation, aber auch Nachhaltigkeit fest miteinander verwoben sind. Gemeinsam strebe man danach, als führendes Unternehmen in der analytischen Technik nicht nur technologischen Fortschritt voranzutreiben, sondern auch aktiv zu einer nachhaltigen und lebenswerten Welt beizutragen, betont Dr. Florian Geistmann, Geschäftsführer von Shimadzu Deutschland, im Interview zum 150-jährigen Jubiläum des Unternehmens.
Aber es geht nicht nur um den technologischen Fortschritt. Der Unternehmensführung war es stets wichtig, eine vielfältige und inklusive Unternehmenskultur zu fördern. Vielfalt bedeutet dabei nicht nur, unterschiedliche Hintergründe und Perspektiven zu schätzen, sondern auch, die Stärken, die jeder Mitarbeitende in das Team bringt, zu erkennen und zu fördern. „Wir wissen, dass innovative Ideen oft an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen und Erfahrungen entstehen“, sagt Geschäftsführer Dr. Geistmann.
Nachhaltige Produkte treffen nachhaltiges Handeln
Nachhaltigkeit und Schonung der Ressourcen, Schutz von Umwelt und Klima, das sind die großen Herausforderungen unserer Zeit. Aus diesem Grund ist der Nachhaltigkeitsgedanke in der Unternehmenskultur von Shimadzu verankert. Bereits Mitte der 1990er Jahre hat Shimadzu den „Schutz der Umwelt und Einklang mit der Natur“ zum Teil seiner Unternehmensphilosophie erklärt. Bei der Entwicklung der Analysensysteme steht Energieoptimierung und die Verwendung nachhaltiger Bauteile an zentraler Stelle. Hierzu hat das Unternehmen ein eigenes Eco-Label für die Entwicklung neuer Produkte geschaffen. Dieses Label zeichnet Systeme aus, die beim Betrieb weniger Ressourcen benötigen. Die Voraussetzung ist, dass die Geräte mit dem Eco-Label mindestens 25 Prozent weniger Energie verbrauchen als die jeweiligen Vorgängermodelle. Aber auch beim Betrieb der Systeme kann man Energie und somit Kosten sparen: Neben dem Eco-Label verfügen zahlreiche Laborgeräte über einen so genannten Eco-Modus. Dieser ermöglicht nach Beendigung einer Analysensequenz, das Gerät in einen Sparmodus zu versetzen.
Doch nicht nur bei seinen Geräten setzt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Shimadzu setzt sich entschieden für die Verringerung des ökologischen Fußabdruckes ein und will unternehmensweit die CO2-Emissionen bis 2030 um 85 Prozent reduzieren bzw. spätestens im Jahr 2050 komplett klimaneutral sein. Das Ziel ist es, Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen und eine positive Veränderung herbeizuführen. Das betrifft natürlich auch den Arbeitsalltag. So sind z. B. die Büros in Deutschland bereits auf Ökostrom umgestellt und die Dienstwagenflotte wird sukzessive auf Elektrofahrzeuge umgestellt.
Mit solchen Maßnahmen beweist Shimadzu, dass Gewinnmaximierung nicht das ausschließliche Ziel sein muss, um 150 Jahre erfolgreiche Unternehmensgeschichte zu schreiben. Im Laufe seiner Geschichte hat sich Shimadzu den Herausforderungen jeder Epoche gestellt und zu wichtigen Fortschritten wie medizinischen Röntgensystemen und analytischen Instrumenten beigetragen. Dabei hat sich das Unternehmen stets an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientiert und sich von der Vision des Firmengründers leiten lassen und wird dies in den nächsten Jahren auch so fortführen.
(ID:50597604)
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.