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Spice

Strukturaufklärung synthetischer Wirkstoffe in Spice

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Es handelt sich um ein nicht-klassisches Cannabinoid, das in den 80er Jahren von Forschern der Firma Pfizer entwickelt wurde, seitdem aber kaum mehr Beachtung gefunden hatte. Dies erklärt auch die Tatsache, dass die Substanz in keiner Spektrenbibliothek vorhanden war.

Eine weitere Wirksubstanz wurde etwa zur gleichen Zeit von einem Frankfurter Pharmaunternehmen identifiziert, und zwar das Aminoalkylindol JWH-018, das in den 90er Jahren in der Arbeitsgruppe um John Walker Huffman an der Clemson University in South Carolina synthetisiert wurde. Dieser Wirkstoff zeigt wie CP-47,497-C8 bereits bei vergleichsweise niedriger Dosierung ausgeprägte cannabisartige Wirkungen.

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Verbot wegen zu erwartender Folgeschäden

Während in einigen Spice-Varianten beide Wirkstoffe auftraten, konnte in anderen Mischungen nur JWH-018, in weiteren dagegen nur das C8-Homologe von CP-47,497 nachgewiesen werden. In den USA wurde Anfang 2009 Spice beschlagnahmt, dem darüber hinaus anscheinend das extrem potente klassische synthetische Cannabinoid HU-210 zugesetzt worden war.

Relativ schnell nach der Eilunterstellung von JWH-018 sowie der vier pharmakologisch aktiven Homologen der CP-47,497-Serie unter das Betäubungsmittelgesetz, erschienen die ersten Produkte auf dem Markt, die das Aminoalkylindol JWH-073 enthielten. JWH-073 ähnelt strukturell sehr dem Wirkstoff JWH-018 und wirkt ebenfalls cannabimimetisch. Auch Produkte ohne Zusatz synthetischer Wirkstoffe wurden nun verstärkt angeboten.

Da der Zusatz der synthetischen Substanzen von außen nicht erkennbar ist und auch die Menge der aufgebrachten Substanzen von Produkt zu Produkt, aber auch von Charge zu Charge erheblich schwanken kann, stellen diese Produkte für den Konsumenten in mehrfacher Hinsicht ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko dar:

  • Über die (akute und Langzeit-) Toxizität dieser synthetischen Cannabisrezeptor-Agonisten ist bisher nur sehr wenig bekannt.
  • Einige Vertreter der synthetischen Cannabinoide wirken als volle Agonisten an den Cannabisrezeptoren und können daher im Gegensatz zu THC, das lediglich als Teil-agonist wirkt, bei Überdosierung möglicherweise zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
  • Auch eine karzinogene Wirkung kommt in Betracht.

Inzwischen stehen auch Nachweisverfahren für die Hauptwirkstoffe bereit, mittels derer eine akute Intoxikation in Blutproben nachgewiesen werden kann.

Projekt zur Weiterentwicklung der analytischen Techniken

Im Rahmen eines EU-Projekts sollen die bioanalytischen Methoden weiterentwickelt und Studien zur Toxizität dieser Substanzen an Zell- und Tiermodellen durchgeführt werden. Parallel werden im Sinne eines Monitorings die auf dem Markt befindlichen Mischungen sowie neu auftretende Ersatzprodukte zeitnah untersucht. Mit dem Auftreten weiterer Designer-Cannabinoide wird aufgrund der Vielzahl verfügbarer Cannabisrezeptoragonisten gerechnet. Auch Schnellnachweisverfahren für kriminaltechnische Untersuchungen unter Einsatz von Dünnschichtchromatographie (DC) und Ionen-Mobilitäts-Spektrometrie (IMS) sollen weiterentwickelt werden.

Literatur

[1] Auwärter V, Dresen S, Weinmann W, Müller M, Pütz M, Ferreirós N: ‚Spice‘ and other herbal blends: harmless incense or cannabinoid designer drugs? J Mass Spectrom. 44 (2009) 832-837

[2] Weissman A, Milne GM, Melvin LS Jr. Cannabimimetic activity from CP-47,497, a derivative of 3-phenylcyclohexanol. J Pharmacol Exp Ther. 223 (1982) 516-523

[3] Xie XQ, Pavlopoulos S, DiMeglio CM, Makriyannis A. Conformational studies on a diastereoisomeric pair of tricyclic nonclassical cannabinoids by NMR spectroscopy and computer molecular modeling. J Med Chem. 41 (1998) 167-174

[4] Wiley JL, Compton DR, Dai D, Lainton JA, Phillips M, Huffman JW, Martin BR: Structure-activity relationships of indole- and pyrrole-derived cannabinoids. J Pharmacol Exp Ther. 285 (1998) 995-1004

*Universitätsklinikum Freiburg, Institut für Rechtsmedizin, 79104 Freiburg

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