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Leben, überall? Asteroidenstaub zeigt Grundbausteine des Lebens

Quelle: Pressemitteilung Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 3 min Lesedauer

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Sind wir die große Ausnahme des Universums? Oder ist da noch mehr Leben im All? Zumindest die Bausteine für Leben sind nicht exklusiv für die Erde. Dies geht aus Gesteinsproben hervor, die eine Nasa-Sonde vom erdnahen Asteroiden Bennu gesammelt hat.

Was aussieht wie ein Ufo ist tatsächlich die Probenkapsel der Nasa-Mission Osiris-Rex, die am 24. September 2023 in der Wüste in Utah gelandet ist.(Bild:  NASA/Keegan Barber / CC BY 2.0)
Was aussieht wie ein Ufo ist tatsächlich die Probenkapsel der Nasa-Mission Osiris-Rex, die am 24. September 2023 in der Wüste in Utah gelandet ist.
(Bild: NASA/Keegan Barber / CC BY 2.0)

Im September 2016 startete die Raumsonde Osiris-Rex ihren Flug ins All. Das Ziel: der Asteroid Bennu. Während der etwa 500 Tage dauernden Beobachtungsphase analysierten die Messinstrumente an Bord Oberfläche und Materialzusammensetzung des Asteroiden, ehe der zwei Jahre dauernde Rückflug begann.

Wieder in ihrem Startgebiet angekommen, warf die Nasa-Raumsonde schließlich beim Vorbeiflug an der Erde eine kleine Kapsel ab, die am 24. September 2023 in der Wüste des US-Bundesstaates Utah geborgen wurde – ein Schatz für Astronomen weltweit. Denn in der Kapsel enthalten waren 122 Gramm Staub und Gestein des Asteroiden Bennu. Diese einzigartige Probe hatte die Sonde in einem nur Sekunden dauernden „Touch-and-Go“-Manöver von der Oberfläche des knapp 500 Meter großen Brockens aus Lockergestein eingesammelt. Geschützt vor den Einflüssen der Atmosphäre behielt der Staub seinen ursprünglichen Zustand und konnte durch ein großes Wissenschaftsteam aus mehr als 40 Institutionen auf der ganzen Welt analysiert werden.

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Von Asteroidenstaub zu Salzwasser-Planeten

Partner in Deutschland waren die Geowissenschaftler Dr. Sheri Singerling, Dr. Beverley Tkalcec und Prof. Frank Brenker von der Goethe-Universität. Sie durchleuchteten kaum sichtbare Körnchen von Bennu mit dem Transmissions-Elektronenmikroskop des Schwiete Cosmochemistry Laboratory. Dabei wollten die Forscher Prozessen auf die Spur kommen, die vor mehr als vier Milliarden Jahren auf Bennus protoplanetarischem Mutterkörper abliefen und schließlich zur Bildung der heute vorhandenen Mineralien führten.

Dies gelang den Frankfurter Wissenschaftlern schließlich, indem sie die genaue Struktur der Mineralkörner analysierten und gleichzeitig die chemische Zusammensetzung bestimmten. Außerdem führten sie eine Spurenelement-Tomographie der Proben an Beschleunigern wie dem DESY in Hamburg durch. Das Ergebnis: Die Mineralien der Probe deuten darauf hin, dass der Protoplanet, dessen Teil Bennu einst war, flüssiges, salziges Wasser besaß. Damit hatte dieser Protoplanet sowohl die Zutaten für die Entstehung von Leben als auch potenzielle Lebensräume.

„Gemeinsam mit unseren internationalen Partnerteams haben wir einen großen Teil der Mineralien nachweisen können, die entstehen, wenn salzhaltiges, flüssiges Wasser – eine so genannte Sole – immer mehr eindampft und die Minerale in der Reihenfolge ihrer Löslichkeit ausgefällt werden“, erklärt Geowissenschaftlerin Singerling, die das Schwiete Cosmo Lab betreut. In der Fachsprache heißen die Gesteine, die aus solchen Ausfällungskaskaden entstehen, Evaporite. Sie wurden auf der Erde zum Beispiel in ausgetrockneten Salzseen nachgewiesen.

In unserem Sonnensystem sind über eine Million Asteroiden bekannt. Warum die Nasa ausgerechnet zu Bennu eine Sonde schickte, erklärt dieses Video:

Eine Reihe organischer Substanzen nachgewiesen

„Andere Teams haben verschiedene Vorläufer von Biomolekülen in den Bennu-Proben gefunden, zum Beispiel zahlreiche Aminosäuren“, berichtet Singerlings Kollege Brenker. „Damit hatte der Bennu-Mutterkörper drei Grundvoraussetzungen, damit sich auf ihm Lebensformen hätte bilden können: Bausteine für Biomoleküle, Wasser sowie – zumindest für eine gewisse Zeit – Energie, die das Wasser flüssig hält.“ Durch das Auseinanderbrechen des Bennu-Mutterkörpers wurden alle Prozesse dort jedoch sehr früh unterbrochen, und die jetzt entdeckten Spuren wurden über mehr als 4,5 Milliarden Jahre hinweg konserviert.

„Andere Himmelskörper wie der Saturnmond Enceladus oder der Zwergplanet Ceres konnten sich seither weiterentwickeln und haben heute noch mit hoher Sicherheit flüssige Ozeane oder zumindest Reste davon unter ihren Eispanzern“, sagt Benker. „Damit besitzen sie potenzielle Lebensräume. Künftige Missionen und Probenanalysen werden daher nach einfachem Leben suchen, das sich in einer solchen Umgebung entwickelt haben könnte.“

Originalpublikation: McCoy, T.J., Russell, S.S., Zega, T.J. et al.: An evaporite sequence from ancient brine recorded in Bennu samples, Nature 637, 1072–1077 (2025); DOI: 10.1038/s41586-024-08495-6

(ID:50303632)

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