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Molekulare Ursache des Jo-Jo-Effektes entschlüsselt Schlecht für Diäten: Fettzellen erinnern sich an Übergewicht

Quelle: Pressemitteilung ETH Eidgenössische Technische Hochschule Zürich 3 min Lesedauer

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Wer einmal übergewichtig war, hat es mit dem Abnehmen schwer, denn es droht der Jo-Jo-Effekt. Warum das „wieder zunehmen“ so schnell passiert, zeigt eine neue Studie der ETH Zürich. Demnach erinnern sich Fettzellen an den übergewichtigen Zustand und kehren leichter dorthin zurück.

Nach dem Abnehmen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Pfunde schnell wieder zurück sind. Dieser so genannte Jo-Jo-Effekt ist teils auch auf genetische Effekte zurückzuführen, wie eine Studie der ETH Zürich darlegt.(Bild:  Richard Villalon - stock.adobe.com)
Nach dem Abnehmen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Pfunde schnell wieder zurück sind. Dieser so genannte Jo-Jo-Effekt ist teils auch auf genetische Effekte zurückzuführen, wie eine Studie der ETH Zürich darlegt.
(Bild: Richard Villalon - stock.adobe.com)

Es ist ein Phänomen, das die meisten kennen, die schonmal eine Diät versucht haben: Die Pfunde purzeln zwar, aber schon nach wenigen Wochen sind sie wieder da – der Jo-Jo-Effekt hat zugeschlagen. Forschende der ETH Zürich haben nun gezeigt, dass die Epigenetik hier eine wichtige Rolle spielt.

Die Epigenetik ist jener Teil der Genetik, der nicht auf der Abfolge der Gen-Bausteine beruht, sondern auf kleinen, aber charakteristischen chemischen Markierungen an diesen Bausteinen. Die Abfolge der Bausteine hat sich im Lauf der Evolution über einen langen Zeitraum herausgebildet, wir alle haben sie von unseren Eltern geerbt. Epigenetische Markierungen hingegen sind dynamischer: Umwelteinflüsse, Ernährungsgewohnheiten und der Zustand des Körpers –zum Beispiel Fettleibigkeit – können sie im Lauf des Lebens verändern. Sie bleiben über viele Jahre, mitunter Jahrzehnte stabil. In dieser Zeit bestimmen sie wesentlich mit, welche Gene in unseren Zellen aktiv sind und welche nicht. „Die Epigenetik sagt einer Zelle, was für eine Zelle sie ist und was sie tun soll“, erklärt Laura Hinte, Doktorandin in der Gruppe von Ferdinand von Meyenn, Professor für Ernährung und metabolische Epigenetik an der ETH Zürich.

Das Gehirn der Fettzellen ist die Epigenetik

Hinte, von Meyenn und ihr ehemaliger Kollege Daniel Castellano Castillo suchten bei Mäusen nach den molekularen Ursachen des Jo-Jo-Effekts. Sie erforschten dazu Fettzellen von übergewichtigen Mäusen und solchen, die nach einer Diät ihr Übergewicht verloren hatten. Dabei konnten sie zeigen: Fettleibigkeit führt zu charakteristischen epigenetischen Markierungen im Kern der Fettzellen. Das Besondere daran: Auch nach einer Diät bleiben diese Markierungen bestehen. Die Wissenschaftler haben gezeigt, dass Mäuse mit dieser epigenetischen Markierung schneller Gewicht zulegten, wenn sie wieder Zugang zu fettreicher Nahrung hatten. „Damit haben wir eine molekulare Grundlage für den Jo-Jo-Effekt gefunden.“

Die Fettzellen erinnern sich an den übergewichtigen Zustand und können leichter in diesen zurückversetzt werden.

Ferdinand von Meyenn, Professor für Ernährung und metabolische Epigenetik an der ETH Zürich

Auch beim Menschen gibt es Hinweise, die diesen Mechanismus zu bestätigen scheinen: Die ETH-Forschenden analysierten Fettgewebs-Biopsien von ehemals übergewichtigen Personen, die sich einer Magenverkleinerung oder einer Magenbypass-Operation unterzogen hatten. Die Gewebeproben stammen aus verschiedenen Studien, die am Karolinska-Institut in Stockholm und an Krankenhäusern in Leipzig, Dresden und Karlsruhe durchgeführt wurden. In diesen Proben untersuchten die Forschenden nicht die epigenetischen Marker, sondern die Genaktivität. Die Ergebnisse stimmen jedoch mit jenen der Mäuse überein.

Keine Gegenmaßnahme verfügbar, umso wichtiger ist Prävention

Wie lange sich Fettzellen an Fettleibigkeit erinnern können, haben die Forschenden nicht untersucht. „Fettzellen sind langlebige Zellen. Sie werden im Schnitt zehn Jahre alt, bevor unser Körper sie durch neue Zellen ersetzt“, sagt Hinte.

Derzeit ist es nicht möglich, die epigenetischen Markierungen im Zellkern mit Medikamenten zu verändern und damit das epigenetische Gedächtnis zu löschen. „Vielleicht wird das in Zukunft möglich werden“, meint die Forscherin Hinte. „Aber vorerst müssen wir mit diesem Gedächtniseffekt leben.“ Von Meyenn ergänzt: „Gerade, weil es den Gedächtniseffekt gibt, ist es so wichtig, Übergewicht von vornherein zu vermeiden. Denn dann ist es am einfachsten, etwas dagegen zu tun.“

Mit ihrer Arbeit haben die ETH-Forschenden zum ersten Mal gezeigt, dass Fettzellen ein epigenetisches Gedächtnis für Fettleibigkeit besitzen. Sie gehen aber nicht davon aus, dass die Fettzellen die einzigen Zellen mit einem solchen Erinnerungsvermögen sind. „Auch andere Körperzellen könnten zum Jo-Jo-Effekt beitragen“, sagt von Meyenn. Es wäre denkbar, dass sich auch Zellen im Gehirn, in den Blutgefäßen oder weiteren Organen an Fettleibigkeit erinnern und zum Effekt beitragen. Ob dem tatsächlich so ist, wollen die Forschenden als nächstes herausfinden.

Originalpublikation: Hinte, L.C., Castellano-Castillo, D., Ghosh, A. et al. Adipose tissue retains an epigenetic memory of obesity after weight loss, Nature (2024); DOI: 10.1038/s41586-024-08165-7

(ID:50242260)

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