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Konferenz Umweltrisikobewertung von Chemikalien und Bioziden

| Redakteur: Doris Neukirchen

Die erste Registrierungsfrist der EU-Chemikalienverordnung REACH ist gerade vorüber: Bis Ende November wurden von der Industrie Registrierungsdossiers für 4300 Substanzen eingereicht. Diese und weitere, technische Ergebnisse, Herausforderungen und Probleme im Umgang mit potenziellen Schadstoffen wurden auf der 2. Internationalen Fresenius-Konferenz „Environmental Risk Assessment for Chemicals and Biocides“ am 9. und 10. Dezember 2010 in Frankfurt am Main erörtert.

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Dr. Birgit Sokull-Klüttgen von der Europäischen Kommission (Joint Research Centre, JRC) gab einen kurzen Überblick über die für Nanotechnologie relevante europäische Rechtsprechung mit einem Schwerpunkt auf REACH.
Dr. Birgit Sokull-Klüttgen von der Europäischen Kommission (Joint Research Centre, JRC) gab einen kurzen Überblick über die für Nanotechnologie relevante europäische Rechtsprechung mit einem Schwerpunkt auf REACH.
( Bild: Die Akademie Fresenius )

Dortmund, Frankfurt a.M. – Dr. Birgit Sokull-Klüttgen von der Europäischen Kommission (Joint Research Centre, JRC) gab einen kurzen Überblick über die für Nanotechnologie relevante europäische Rechtsprechung mit einem Schwerpunkt auf REACH. Die aktuelle europäische Gesetzgebung gilt auch für Nanomaterialien, ohne diese explizit zu benennen – mit Ausnahme der neuen Kosmetikverordnung und der Novel-Food-Verordnung, berichtete Sokull-Klüttgen. Viele sehen einen Bedarf, die geltende Gesetzgebung anzupassen, um eine angemessene Identifizierung von Gefahren und entsprechende Verbraucherinformationen zu gewährleisten. „Daher hat das Europäische Parlament in seiner Entschließung zu Regelungsaspekten bei Nanomaterialien die Europäische Kommission aufgefordert, die relevante Gesetzgebung zu überprüfen. Das Parlament hat besonderen Wert darauf gelegt, Nanomaterialien explizit im Rahmen einer Gesetzgebung zu berücksichtigen“, erklärte sie.

Schutz von Umwelt und Gesundheit verbessern

Das Ziel von REACH ist es, durch die Verwendung von sicheren Chemikalien den Schutz von Umwelt und Gesundheit zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu sichern. Derzeit gibt es innerhalb der REACH-Verordnung keine Empfehlungen zum Umgang mit Nanomaterialien. Um die Umsetzung von REACH hinsichtlich Nanomaterialien zu erleichtern, betreibt das JRC zurzeit drei Projekte, so genannte „REACH Implementation Projects on Nanomaterials (RIP-oNs)“, die sich mit Substanzidentität (RIP-oN 1), Informationsbedarf und Teststrategien (RIP-oN 2) sowie der Einschätzung von Chemikaliensicherheit (RIP-oN 3) befassen. Sokull-Klüttgen erwartet, dass die zukünftige EU-Gesetzgebung Nanomaterialien ausdrücklicher berücksichtigen werde.

Multikompartiment-Modelle im Umweltbereich

Dr. Martin Scheringer (ETH Zürich) führte in Multikompartiment-Modelle zur Berechnung des Umweltverhaltens verschiedener Stoffe ein und präsentierte Fallstudien zu Modell-Anwendungen. Multikompartiment- oder Multimedia-Modelle werden seit den späten 80er Jahren zur Umweltrisikoeinschätzung von Chemikalien verwendet. „In jüngster Zeit wurden eine große Bandbreite an Multimedia-Modellen zur Berechnung des Umweltverhaltens verschiedener Stoffe entwickelt. Die Anwendungen variieren dabei von lokaler bis globaler Ebene für verschiedene Chemikalien, unter anderem für alte und neue persistente organische Schadstoffe, für aktuell verwendete Pestizide und für Nanosilber“, informierte er das Publikum. Diese Modelle ermöglichen es, die Bedeutung verschiedener Prozesse für eine Chemikalie zu analysieren und das Umweltverhalten vieler Chemikalien im Vergleich zu studieren, sagte er.

Studie zum Tag-Nacht-Zyklus polychlorierter Biphenyle

Eines von Scheringers Fallbeispielen war eine Studie zum Tag-Nacht-Zyklus polychlorierter Biphenyle (PCB) und polybromierter Diphenylether (PBDE) in der Luft dreier Städte in den USA, der Schweiz und in Bosnien. Dieser Fall demonstrierte, wie gemessene Konzentrationen im Feld beschrieben und mithilfe eines Multimedia-Modells interpretiert werden können. Des Weiteren ermöglichte das Modell, die Stärke der Emissionsquelle von PCB und PBDE im Modellbereich zurückzurechnen. „Dieser Aspekt ist wichtig, weil die Anwendung des Modells in Kombination mit Feldmessungen es möglich macht, Emissionsdaten zu schätzen und die Quelle von Umweltschadstoffen zu charakterisieren“, sagte der Experte. Die Ergebnisse seiner Fallstudie zeigten, dass ein signifikanter Wert polychlorierter Biphenyle um 1,6 Gramm pro Person und Jahr noch immer von städtischen Gebieten in Industrieländern freigesetzt werden.

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