Rheologie Viskositätsindex kontrolliert Qualität von Schmierstoffen
Automotoren, Windkraftanlagen oder Schubladenscharniere – die Anwendungen für Schmierstoffe sind enorm vielfältig. Die Analytik-Spezialisten aus der Abteilung Tribologie und Chemie bei Klüber, Dezsö Hamori und Dr. Siegfried Lochschmidt, erläutern im LP-Exklusivinterview, wie wichtig die Rheologie als Analysemethode für diese Substanzen ist.
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LaborPraxis: Produkte von Klüber findet man selten dort, wo es um einfache Anwendungen oder um große Massen geht. Trotzdem findet man Ihre Schmiermittel in vielen Bereichen...
Dezsö Hamori: Ja, auf der ganzen Welt findet man Autos, in denen unsere Produkte stecken, und zwar dort, wo anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen sind. Zum Beispiel das Kupplungsausrücklagerfett: Es muss hohen Kräften und Temperaturen standhalten. Das Lager ist so stark verbaut, dass eine Autowerkstatt es am liebsten nicht ausbauen möchte. Es muss länger leben als das Auto selbst – das fordert die Automobilindustrie. Einer der größten Hersteller von Kupplungsausrücklagern ver-kauft sein Produkt befüllt mit dem Spezialfett von Klüber. Und seit 14 Jahren gibt es keinen einzigen Reklamationsfall.
Dr. Siegfried Lochschmidt: Auch Schnallen von Sicherheitsgurten z.B. werden mit einem Gleitlack von Klüber geschmiert, also beschichtet. So bleibt die Kleidung garantiert sauber und die Gurtschließen funktionieren einwandfrei. Um beim Auto zu bleiben: Unsere Spezialbeschichtungen sorgen auch dafür, dass Dichtungen an Autotüren nicht verkleben oder vereisen und ihre Elastizität länger behalten.
LaborPraxis: Aus welchen anderen Bereichen bekommen Sie Entwicklungsaufträge?
Hamori: Wir entwickeln und produzieren Spezialschmierstoffe für nahezu alle Branchen, z.B. die Anlagen der Lebensmittelhersteller. Viele Abfüllanlagen laufen mit Schmierstoffen von Klüber. Ein anderes Beispiel: Auch in der Grundstoffindustrie ist unser Know-how sehr gefragt, etwa für Großantriebe in Minen. Eine Branche, die jetzt stark an Bedeutung gewinnt, ist die Windkraftindustrie. Wir sind seit rund 20 Jahren in diesem Markt aktiv und haben die Schmierstoffe mit den Herstellern von Windkraftanlagen zusammen entwickelt. Die Anlagen werden immer größer – die eingebauten Zahnkränze können so groß sein wie ein Zimmer – und sind Temperaturschwankungen und intensiven Vibrationen ausgesetzt. Das sind große Herausforderungen. Die Hersteller wünschen sich natürlich, dass die gesamte Anlage möglichst lange reibungslos funktioniert, da schon eine einzige Inspektion sehr hohe Kosten verursacht. Also ist die Betriebssicherheit extrem wichtig. Klüber hat hier eine ganze Palette an Schmierstoffen entwickelt. Damit tragen wir dazu bei, dass die Anlagen zuverlässig, effizient, lange und wirtschaftlich laufen.
Dr. Lochschmidt: Gerade in den Windkraftanlagen möchte der Kunde mit einem Schmierstoff möglichst viele verschiedene Schmierstellen versorgen. Der Entwicklungsaufwand ist im Allgemeinen sehr hoch, bis ein Spezialschmierstoff dieser Art entstanden ist. Es ist unter anderem die Qualität unserer Forschungs- und Prüfverfahren, die dafür sorgt, dass Klüber solche Herausforderungen bewältigen kann.
LaborPraxis: Aber es sind sicherlich nicht nur die großen Anlagen, in denen Ihre Produkte eingesetzt werden?
Hamori: Absolut nicht, ein Beispiel aus einem ganz anderen Bereich: Schubladenlaufscharniere, zum Beispiel für Edelküchen, müssen perfekt geschmiert sein. Es galt, das Gleitverhalten von verschiedenen Küchenschubladen zu vergleichen. Ich habe unterschiedliche Schmierstoffe rheologisch vermessen. Mit dem MCR 51, dem Rheometer von Anton Paar, konnte ich Methoden für mich maßschneidern und die Messparameter sehr frei wählen. Anhand von Hysterese-Kurven haben wir beobachtet, wie die Schmierstoffe sich verhalten, und haben sehr fundierte Ergebnisse vorlegen können, sowohl in Form von Grafiken als auch Messtabellen.
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