English China

Nutzen von regelmäßigen Vitaminscreenings hinterfragt Vitaminpräparate im Alter – ja oder nein?

Quelle: Pressemitteilung

Mit dem Alter kommen meist auch die Beschwerden und die Arztbesuche nehmen zu. Nicht jede Untersuchung ist aber sinnvoll. So zeigt ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, dass Routinemessungen von Vitamin B12 und Vitamin D oft keinen Nutzen für die Gesundheit des Patienten haben.

Anbieter zum Thema

Im Alter nimmt der Vitamin-D-Spiegel meist ab. Doch wie sinnvoll ist ein regelmäßiges Screening und das Verschreiben von Vitaminpräparaten? (Symbolbild)
Im Alter nimmt der Vitamin-D-Spiegel meist ab. Doch wie sinnvoll ist ein regelmäßiges Screening und das Verschreiben von Vitaminpräparaten? (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei, Kate Hliznitsova / Unsplash)

Köln – Mit zunehmendem Alter nimmt häufig der Vitamin-B12- und Vitamin-D-Spiegel ab und viele Menschen haben irgendwann Werte, die als „unzureichend“ gelten. So zeigen Untersuchungen aus Deutschland, dass bei gut 25 Prozent der Menschen über 65 Jahren die Vitamin-B12-Werte unter den geltenden Schwellen liegen. Die Vitamin-D-Werte sind demnach sogar bei mehr als 50 Prozent dieser Gruppe zu niedrig.

Ausgehend von einer Anfrage aus der Bevölkerung beauftragte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) als Teil des Projektes „Themen Check Medizin“ ein Wissenschaftsteam unter der Federführung der Donau-Universität Krems. Die Forscher sollten untersuchen, ob ältere Personen von einer regelmäßigen Bestimmung der Vitamin-B12- und Vitamin-D-Werte im Blut einen gesundheitlichen Vorteil erwarten können.

Niedrige Vitaminspiegel behandeln oder nicht?

Das externe Wissenschaftsteam fand weder für das Vitamin-B12- noch für das Vitamin-D-Screening Studien, die die gesamte Screeningkette abbilden – dazu gehören Screeninguntersuchung und die daraus gegebenenfalls folgende weiteren Diagnostik und Intervention. Daher werteten die Sachverständigen Studien aus, in denen ältere asymptomatische Personen mit einem nachgewiesenen niedrigen Vitaminspiegel zusätzliche Präparate mit Vitamin B12 bzw. Vitamin D erhielten (Supplementierung).

Für den Einsatz von Ersatzpräparaten bei einem symptomlosen niedrigen Vitamin-B12-Spiegel hat das beauftragte Wissenschaftsteam zwei randomisierte klinische Studien (RCT) identifiziert. Beide Studien zeigten jedoch keine Hinweise darauf, dass eine Behandlung niedriger Vitamin-B12-Spiegel bei symptomlosen älteren Personen die Gesundheit verbessert. Sichere Aussagen zu Vor- und Nachteilen einer Vitamin-B12-Behandlung ließen sich aber nicht ableiten, da die Daten zu dieser Frage nicht hinreichend aussagekräftig waren.

LABORPRAXIS-Newsletter Sie finden dieses Thema spannend? Dann bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Newsletter. Melden Sie sich gleich an und wir senden Ihnen kostenfrei die neuesten Forschungsnachrichten und Artikel zu aktuellen Wissenschaftsthemen zu.

Eine Vitamin-D-Behandlung bei bekanntem niedrigem Vitamin-D-Spiegel wurde in 33 randomisierten klinischen Studien (RCT) mit insgesamt mehr als 60.000 Teilnehmern untersucht. In den meisten dieser Studien hatten die Probanden dabei nur leicht verringerte Vitamin-D-Werte. Die externen Sachverständigen sahen auf Basis der Ergebnisse dieser Studien keinen Anhaltspunkt für den Nutzen einer Behandlung niedriger Vitamin-D-Spiegel – weder für die Prävention von Knochenbrüchen, Stürzen, Diabetes mellitus, Herzkreislauferkrankungen, Infektionen oder dem Auftreten unerwünschter Ereignisse.

Vor dem Hintergrund des fehlenden Nutzennachweises für die Vitaminsubstitution bei ansonsten symptomfreien Personen mit einem niedrigen Vitamin-D- bzw. Vitamin-B12-Spiegel kommen die Autoren des HTA-Berichts zu dem Ergebnis, dass ein Vitamin-D- oder ein Vitamin-B12-Screening bei asymptomatischen Personen ab 50 Jahren nicht zu befürworten sei.

Forschungsthemen aus der Bevölkerung

Zu den Besonderheiten von „Themen Check Medizin“ gehört, dass die Fragen der Berichte auf Vorschläge aus der Bevölkerung zurückgehen. Das IQWiG sammelt diese und wählt pro Jahr bis zu fünf Themen aus. Ein Auswahlbeirat bringt dabei die Bürger- und Patientensicht ein, ein Fachbeirat die Expertenperspektive.

Das IQWiG verfasst die Health-Technology-Assessment-Berichte (HTA-Berichte) nicht selbst, sondern beauftragt externe Sachverständige mit deren Erstellung. In den HTA-Berichten wird der medizinische Nutzen eines medizinischen Verfahrens bewertet, aber auch seine wirtschaftlichen, ethischen, sozialen, rechtlichen und organisatorischen Auswirkungen. Die HTA-Berichte werden gemeinsam mit einer allgemein verständlichen Kurzfassung (HTA kompakt) und einem Herausgeberkommentar des IQWiG veröffentlicht.

Originalpublikation: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Herausgeber): Blutwerte – Profitieren ältere Personen von einer regelmäßigen Bestimmung der Vitamin-B12- und Vitamin-D-Werte im Blut?, Health Technology Assessment im Auftrag des IQWiG, HTA-Nummer: HT20-04, Version: 1.0, Stand: 02.03.2022, IQWiG-Berichte – Nr. 1310

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:48103472)