English China

Fossile Säugetierzähne mit Isotopenanalyse untersucht Der Speiseplan des Überlebens: Generalisten im Vorteil

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Geoanthropologie 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die einen fressen alles, die anderen sind hochspezialisiert. Wie die Lebens- und Ernährungsweisen von Säugetieren deren Überlebenschancen beeinflussen, zeigt eine neue Studie von Max-Planck-Forschern. Darin analysierten sie fossile Zähne und zogen Rückschlüsse auf die Anpassungsfähigkeit der Arten gegenüber klimatischen Veränderungen.

Coc Muoi-Höhle während einer gemeinsamen vietnamesisch-französischen Feldkampagne. Im beleuchteten Ausgrabungsbereich wurden fossile Zähne von Säugetieren aus dem Pleistozän gefunden, die später auf ihre chemischen Signaturen hin analysiert wurden, um die Ernährung und Umwelt der Vorzeit zu rekonstruieren.(Bild:  Truong Huu Nghia, Abteilung für Anthropologie und Paläoumwelt des Vietnamesischen Instituts für Archäologie)
Coc Muoi-Höhle während einer gemeinsamen vietnamesisch-französischen Feldkampagne. Im beleuchteten Ausgrabungsbereich wurden fossile Zähne von Säugetieren aus dem Pleistozän gefunden, die später auf ihre chemischen Signaturen hin analysiert wurden, um die Ernährung und Umwelt der Vorzeit zu rekonstruieren.
(Bild: Truong Huu Nghia, Abteilung für Anthropologie und Paläoumwelt des Vietnamesischen Instituts für Archäologie)

Eine neue, vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie geleitete Studie zeigt, wie Flexibilität den Unterschied zwischen Überleben und Aussterben machte. Ein internationales Team analysierte dazu fossile Zähne aus Vietnam und Laos und rekonstruierte so die Ernährung und Gewohnheiten ausgestorbener, ausgerotteter und noch lebender Arten. Die Ergebnisse zeigen: Tiere mit abwechslungsreicher Ernährung und Gewohnheiten überlebten wahrscheinlicher, während enge Spezialisten weitgehend verschwanden.

Das Team untersuchte 141 fossile Zähne mit einem Alter von 150.000 bis 13.000 Jahren und kombinierte diese Daten mit bestehenden Aufzeichnungen. Mithilfe einer stabilen Isotopenanalyse von Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Zink untersuchten die Forscher die Ernährungsreaktionen auf Umweltveränderungen. „Durch die Analyse chemischer Spuren im Zahnschmelz können wir die Ernährung und die Umwelt der Vergangenheit mit erstaunlicher Detailgenauigkeit rekonstruieren“, sagt der Hauptautor Nicolas Bourgon. „Der Vergleich von Arten über verschiedene Zeiträume hinweg zeigt, warum einige überlebt haben, während andere verschwunden sind.“

Generalisten überlebten Veränderungen

Tiere wie Sambarhirsche, Makaken und Wildschweine erwiesen sich als anpassungsfähig, was sich in breiten Isotopenspannen widerspiegelt. Im Gegensatz dazu zeigten Spezialisten wie Orang-Utans, Tapire und Nashörner engere Profile, die an bestimmte Lebensräume gebunden waren.

Beispiele für fossile Zähne, die die Forscher in dieser Studie analysierten. Abgebildet sind Exemplare folgender Spezies: 1) Makake, 2) ausgestorbenes Riesentapir, 3) Wildschwein, 4) wildes Großbovid (Hornträger), 5) Tiger, 6) Stachelschwein, 7) Sumatra-Nashorn, 8) Rothund, 9) Orang-Utan und 10) Riesenpanda.(Bild:  Nicolas Bourgon)
Beispiele für fossile Zähne, die die Forscher in dieser Studie analysierten. Abgebildet sind Exemplare folgender Spezies: 1) Makake, 2) ausgestorbenes Riesentapir, 3) Wildschwein, 4) wildes Großbovid (Hornträger), 5) Tiger, 6) Stachelschwein, 7) Sumatra-Nashorn, 8) Rothund, 9) Orang-Utan und 10) Riesenpanda.
(Bild: Nicolas Bourgon)

Als sich die Umwelt veränderte, überlebten die Generalisten, während die Spezialisten verwundbar blieben. Orang-Utans, die heute nur noch auf Borneo und Sumatra vorkommen, waren einst in ganz Südostasien verbreitet. Die Isotopenergebnisse deuten darauf hin, dass sie sich auch während Umweltveränderungen stets von Früchten aus Wäldern mit geschlossenem Blätterdach ernährten.

„Auch wenn moderne Orang-Utans in schwierigen Zeiten auf alternative Nahrungsquellen zurückgreifen können, hängt ihr Überleben dennoch von intakten Wäldern ab“, sagt Nguyen Thi Mai Huong, Mitautorin aus der Abteilung Anthropologie und Paläoumwelt des Vietnamesischen Instituts für Archäologie. „Es sieht so aus, als wäre dies seit Zehntausenden von Jahren der Fall.“

„Aus der Vergangenheit zu lernen, um die Zukunft zu schützen.“

Angesichts der Entwaldung Südostasiens – der schnellsten tropischen Entwaldung weltweit – sind die Lehren aus der Vergangenheit dringend erforderlich. „Wenn wir verstehen, wie Arten mit den Belastungen der Vergangenheit umgegangen sind, können wir deren heutige Resilienz besser einschätzen“, sagt der leitende Autor Patrick Roberts vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, nicht nur die Arten zu schützen, sondern auch die ökologischen Bedingungen, die ihnen Lebensraum bieten. „Hier geht es um mehr als nur um Tiere in der Vergangenheit“, fügt Hauptautor Bourgon hinzu. „Es geht darum, aus der Vergangenheit zu lernen, um die Zukunft zu schützen.“

Originalpublikation: Nicolas Bourgon, Tina Lüdecke, Jennifer N. Leichliter, Chris Bauman, Sven Brömme, Marissa Vink, Anne-Marie Bacon, Jeremy McCormack, Thi Mai Huong Nguyen, Anh Tuan Nguyen, Pierre-Olivier Antoine, Jean-Luc Ponche, Philippe Duringer, Fabrice Demeter, Souliphane Boualaphane, Thonglith Luangkhoth, Elise Dufour, Jean-Jacques Hublin, Klervia Jaouen, Thomas Tütken, Alfredo Martinez-Garcia, Patrick Roberts: Faunal persistence and ecological flexibility in Pleistocene Southeast Asia revealed through multi-isotope analysis, Science Advances, 15 Oct 2025, Vol 11, Issue 42; DOI: 10.1126/sciadv.adu3642

(ID:50596531)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung