Die Evolution findet ihren Weg – manchmal auch mehrfach. So haben Nadelbäume nicht nur vor über 300 Millionen Jahren Abwehrstoffe gegen Fraßschädlinge in ihrem Harz gebildet, sondern auch sehr viel später weitere dieser Chemikalien unabhängig voneinander entwickelt. Diese wiederholte Evolution in Kiefer, Fichte und Co haben Forscher nun genauer analysiert und damit neue Erkenntnisse über den natürlichen Pflanzenschutz erhalten.
Harz von Nadelbäumen enthält Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde. Manche dieser Substanzen nutzen die Bäume schon seit vielen Jahrmillionen, andere sind in der Evolution erst später entstanden. (Symbolbild)
(Bild: GPT Image Generator / KI-generiert)
Wenn Tiere mit einer Gefahr konfrontiert werden, können sie flüchten. Bäume haben diese Option nicht. Deswegen sind sie aber längst nicht wehrlos. Nadelbäume produzieren zum Beispiel ein klebriges Harz, das sie vor Insekten und Krankheitserregern schützt. Wichtige Bestandteile dieses Harzes sind Diterpene – spezielle natürliche Substanzen, die Borkenkäfer und Pilze abwehren können. Die Enzyme, die diese Verbindungen herstellen, heißen Diterpensynthasen.
Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie (MPI CE) in Jena und der amerikanischen Iowa State University in Ames wollte herausfinden, ob diese Enzyme in der fernen Vergangenheit einmal entstanden sind oder sich in jüngerer Zeit mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Nadelbäumen wie Kiefern, Fichten und Tannen entwickelt haben. „Diterpensynthasen sind spannende Enzyme, weil schon kleine Veränderungen in ihrer Bauweise dazu führen, dass sie unterschiedliche chemische Produkte erzeugen“, erklärt Erstautor Andrew O’Donnell aus der Abteilung Biochemie den Ausgangspunkt der Untersuchungen. „Sie eignen sich deshalb hervorragend, um zu untersuchen, wie Pflanzen im Laufe der Evolution diese enorme Vielfalt an Abwehrstoffen hervorbringen konnten.“
Reise in die Vergangenheit der Enzyme
Andrew O’Donnell vor einem Gel-Bildgebungssystem. Das Gelbild visualisiert die gereinigten Terpensynthase-Enzyme der Vorfahren, die in der Studie untersucht wurden.
(Bild: Angela Overmeyer)
Um die Entwicklungsgeschichte dieser Enzyme zu entschlüsseln, rekonstruierte das Team mithilfe genetischer Analysen die wahrscheinlichen Vorfahren der Diterpensynthasen und untersuchte sie im Labor. Diese rekonstruierten Enzyme wurden gezielt verändert, um zu sehen, wie sich ihre Produkte dadurch änderten. „Um herauszufinden, welche Produkte ein Enzym herstellt, haben wir dessen genetischen Bauplan in Bakterien eingebracht“, erläutert Axel Schmidt, Leiter der Projektgruppe Abwehr von Nadelbäumen, die Vorgehensweise. „Die Bakterien produzierten dann das Enzym für uns. Dieses Enzym haben wir isoliert, passende Ausgangsstoffe hinzugegeben und die entstehenden Produkte mithilfe moderner Analysemethoden genau analysiert.“
Um das Alter bestimmter Ur-Enzyme zu ermitteln, mussten die Forscher die Sequenzen zahlreicher Diterpensynthasen sowie die evolutionären Beziehungen zwischen Nadelbaumarten berücksichtigen. Das Ergebnis: Einige Diterpene im Harz heutiger Nadelbäume entstanden bereits vor 300 Millionen Jahren – lange bevor es Kiefern, Fichten oder Tannen in ihrer heutigen Form gab. Andere wichtige Diterpene entwickelten sich dagegen erst in jüngerer Zeit – und dann gleich mehrfach unabhängig in verschiedenen Baumarten.
Das Harz von Nadelbäumen ist eine Mischung aus alten und neuen Diterpenen. Die alten haben sich vor über 300 Millionen Jahren entwickelt, während die neuen erst viel später entstanden sind.
Andrew O’Donnell, MPI für chemische Ökologie
Warum Evolution manchmal lange dauert
Das Ergebnis weckte die Frage, warum sich manche dieser Verbindungen erst so spät entwickeln konnten – und dabei in unterschiedlichen Baumarten dennoch zu ähnlichen Ergebnissen führten. Eine zentrale Rolle spielte dabei ein genetischer Mechanismus namens Epistase: Neue Eigenschaften können oft nur entstehen, wenn andere Veränderungen zuvor bereits aufgetreten sind. „Das Potential der Pflanzen, bestimmte Stoffe zu entwickeln, nahm über Millionen Jahre zunächst nur langsam zu – und stieg dann sprunghaft an, nachdem sich die Nadelbäume von anderen Pflanzen abgespalten hatten. Das könnte erklären, warum manche Pflanzengruppen dieselben Eigenschaften immer wieder neu entwickeln können“, sagt Erstautor O’Donnell.
Schutz vor Borkenkäfern
Im Labor extrahiert Andrew O’Donnell Diterpene aus dem Harz im Stamm der Fichte Picea abies. Im Hintergrund Axel Schmidt, Leiter der Projektgruppe Abwehr von Nadelbäumen, und Jonathan Gershenzon, Direktor der Abteilung Biochemie.
(Bild: Angela Overmeyer)
Heute ist das Harz von Nadelbäumen eine Mischung aus uralten und jüngeren Diterpenen. Die jüngeren Abwehrstoffe könnten in einer Zeit entstanden sein, als Borkenkäfer bereits existierten – fossile Funde stützen diese Vermutung. Kiefern, Fichten und Tannen entwickelten vermutlich unabhängig voneinander die gleichen Diterpene als Abwehr gegen diese Schädlinge, auch wenn sie dabei unterschiedliche evolutionäre Wege gingen.
Diese besondere Mischung aus uralten und jüngeren Abwehrstoffen könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, wie gut Bäume heutigen Schädlingen widerstehen – etwa den Borkenkäfern. „Wie schnell sich ein Baum an neue Herausforderungen wie den Angriff von Borkenkäfern anpassen kann, hängt auch davon ab, welche Veränderungen im Stoffwechsel bereits im Laufe der Evolution stattgefunden haben“, erklärt Jonathan Gershenzon, Leiter der Abteilung Biochemie. „Diese Vorgeschichte bestimmt mit, welche neuen Eigenschaften überhaupt entstehen können – und damit, wie gut sich die Pflanze anpasst.“
Die Forschenden wollen nun genauer untersuchen, wie die Evolution von Diterpenen und Diterpensynthasen Einfluss auf die Fähigkeit von Bäumen genommen hat, sich heute sowohl gegen Borkenkäfer als auch gegen die mit ihnen assoziierten Pilzarten zu verteidigen. Vermutlich kommt es gerade auf die Kombination verschiedener Stoffe an, um die effektivste Abwehr gegen die doppelte Bedrohung von Käfer und Pilz zu erreichen.
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