Es ist nicht 5 vor 12, sondern 0,07 vor 1,5: Weniger als ein Zehntel Grad Celsius ist die globale Oberflächentemperatur noch von der 1,5-°C-Grenze aus dem Pariser Klimaabkommen entfernt. Dieses Limit ist – wenn überhaupt – nur noch mit der aktiven Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre möglich. Wie die Chancen stehen, fassen zwei Studien von Klimaforschern zusammen.
Das dürfe kaum jemanden überraschen: Nach aktuellen Prognosen ist das 1,5-Grad-Ziel nahezu nicht mehr zu halten. Details liefern aktuelle Berichte einer internationalen Forschergemeinschaft. Wir fassen die zentralen Ergebnisse zusammen.
(Bild: frei lizenziert, Mika Baumeister / Unsplash)
Die menschengemachte Erderwärmung schreitet aktuell mit 0,26 °C pro Jahrzehnt voran – dies ist die höchste Rate seit Beginn der Aufzeichnungen, wie aus der Studie eines internationalen Teams von über 50 führenden Forschenden hervorgeht. Die globalen Oberflächentemperaturen 2023 lagen um 1,43 °C über dem vorindustriellen Niveau, wovon 1,3 °C aus menschlichen Aktivitäten resultieren. Dies sind zentrale Ergebnisse der von der Universität Leeds geleiteten Forschungsinitiative zu Indikatoren der Klimakrise. Unterstützt wird das Projekt vom Berliner Klimaforschungsinstitut MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change). Der Indikatorenbericht wurde jetzt in der Fachzeitschrift Earth System Science Data publiziert.
Die menschengemachte Erderwärmung schreitet so schnell voran wie noch nie
Laut des Berichts wird die hohe Rate der Erhitzung getrieben durch anhaltend hohe Treibhausgasemissionen von jährlich 53 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten. Auf der anderen Seite verringert sich die in einem gewissen Maß zu beobachtende vom Menschen verursachte Abkühlung durch Partikel in der Atmosphäre, infolge von Verbesserungen der Luftqualität. Die hohen Treibhausgasemissionen wirken auch auf die Energiebilanz der Erde: Ozeanbojen und Satelliten verfolgen einen nie dagewesenen Wärmestrom in die Ozeane, Eiskappen, Böden und Atmosphäre. Dieser Wärmestrom ist laut den Forschenden 50 Prozent stärker als im langjährigen Durchschnitt.
Ein ernüchterndes Fazit aus dem aktuell vorgelegten Bericht: Das im Pariser Weltklimaabkommen notierte 1,5-Grad-Limit ist so gut wie überschritten. Die zentrale Schätzung für das CO2-Restbudget beträgt für Anfang 2024 etwa 200 Gigatonnen. Das sind 60 Prozent weniger als 2020, als der Weltklimarat IPCC es auf rund 500 Gigatonnen bezifferte. Und es ist eine Schätzung, bei der die Erderhitzung lediglich mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad begrenzt wird.
Trotz durch Klimaschutz verlangsamten Anstiegs der Treibhausgasemissionen bewegen sich die globalen Temperaturen weiter und schneller denn je in die falsche Richtung.
Piers Forster, Direktor des Priestley Centre for Climate Futures Leeds
„Unsere Analyse zeigt die durch menschliche Aktivitäten erzeugten langfristigen Trends. 2023, als die beobachteten Temperaturrekorde gebrochen wurden, haben natürliche Faktoren zeitweise etwa zehn Prozent zur langfristigen Erwärmung beigetragen.“, sagt Piers Forster, Leitautor der Studie.
Die CO2-Uhr tickt
Wie lange reicht das CO2-Budget der Erde noch aus? Zur Veranschaulichung hat das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) eine Echtzeit-Berechnung veröffentlicht, hier unten verlinkt. Die CO2-Uhr zeigt den aktuellen Ausstoß an Kohlendioxidemissionen und wie er sich auf das verbleibende Budget auswirkt, das wir zum Erreichen des 2,1- oder 2-Grad-Zieles noch haben.
Demzufolge muss für das 2-Grad-Ziel im Jahr 2047 die CO2-Emission bei Netto-Null angekommen sein, für das 1,5-Grad-Ziel bereits 2029 (Stand: Juni 2024).
(Anmerkung: Die CO2-Uhr nutzt zur Berechnung lediglich Kohlenstoffdioxidgase und keine anderen Treibhausgase. Daher sind die dortigen Angaben nicht mit den Werten aus dem Indikatorenbericht in „Earth System Science Data“ vergleichbar. Auch liegt dem Restbudget der CO2-Uhr eine Berechnung zugrunde, bei der von einer 67-prozentigen Wahrscheinlichkeit zum Einhalten der Klimaziele ausgegangen wird, statt wie in dem Indikatorenbericht eine 50%-Wahrscheinlichkeit)
Letzter Ausweg: Carbon Capture?
Die Dringlichkeit des Handelns sollte längst klar sein. Doch was können wir tun, um die Klimaziele überhaupt noch zu halten? Emissionssenkung allein wird nicht mehr ausreichen, um unter den anvisierten Temperaturgrenzen zu bleiben. Sieben bis neun Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr müssen ab Mitte des Jahrhunderts nachhaltig aus der Atmosphäre entfernt werden, wenn die Welt das 1,5-Grad-Limit des Pariser Abkommens einhalten soll. Dies geht aus dem zweiten Bericht „State of Carbon Dioxide Removal“ (CDR, Stand der CO2-Entnahmen) hervor – der wissenschaftlichen Bewertung durch ein internationales Team von über 50 Fachleuten.
Emissionsminderung ist für netto null vorrangig, aber CO2-Entnahmen spielen eine wichtige Rolle.
Jan Minx, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Angewandte Nachhaltigkeitsforschung
Aktive CO2-Entfernung findet schon statt, aber viel zu wenig
Kohlendioxid aktiv aus der Luft zu entfernen ist keineswegs eine neue Idee, sondern passiert schon lange über konventionelle Methoden wie Aufforstung. Aktuell werden so jährlich zwei Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entnommen – was allerdings bei weitem zu wenig ist für die Klimaziele.
Neuere Entnahme-Methoden – zu denen etwa die CO2-Direktabscheidung und Speicherung (DACCS) gehört – summieren sich mit jährlich 1,3 Millionen Tonnen auf unter 0,1 Prozent der Gesamtmenge. Auf tatsächlich dauerhafte Methoden entfallen laut Bericht nur jährlich 0,6 Millionen Tonnen, das sind unter 0,05 Prozent.
Politische Maßnahmen gefordert
„Da die Welt bei der Dekarbonisierung nicht auf dem mit dem Pariser Temperaturziel vereinbaren Pfad ist, müssen die Investitionen in CO2-Entnahmen sowie in emissionsfreie Lösungen insgesamt erhöht werden.“, sagt Steve Smith von der „Smith School of Enterprise and the Environment“ der Universität Oxford. Von den gesamten Investitionen in Start-ups im Bereich Klimatechnologie entfallen nur 1,1 Prozent auf CO2-Entnahmen. Die Verfasser des Berichts appellieren an die Regierungen, mit geeigneten Maßnahmen die Nachfrage nach CO2-Entnahmen zu erhöhen. Gegenwärtig stamme ein Großteil der Nachfrage nach CO2-Entnahmen aus freiwilligen Verpflichtungen von Unternehmen zum Kauf so genannter Carbon Removal Credits. „Es hängt entscheidend an den Regierungen, die Voraussetzungen für nachhaltige Skalierung der CO2-Entnahmen zu schaffen“, ist Smith überzeugt.
Stand: 08.12.2025
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Originalpublikationen:
Forster, P., Smith, C., Walsh, T., Lamb, W., Lamboll, R., Hall, B., Hauser, M., Ribes, A., Rosen, D., Gillett, N., Palmer, M., Rogelj, J., von Schuckmann, K., Trewin, B., Allen, M., Andrew, R., Betts, R., Boyer, T., Buontempo, C., Burgess, S., Cagnazzo, C., Cheng, L., Friedlingstein, P., Gettelman, Gütschow, J., Ishii, M., Jenkins, S., Lan, X., Morice, C., Muhle, J., Kadow, C., Kennedy, J., Killick, R., Krummel, P., R., Minx, J., Myhre, G., Naik, V., Peters, G., Pirani, A., Pongratz, J., Schleussner, Seneviratne, S., C., Szopa, S., Thorne, P., Kovilakam, M., Majamäki, E., Jalkanen, J., van Marle, M., Hoesly, R., Rohde, R., Schumacher, D., van der Werf, G., Vose, R., Zickfeld, K., Zhang, X., Masson-Delmotte, V., Zhai, P.: Indicators of Global Climate Change 2023: annual update of key indicators of the state of the climate system and human influence, Earth System Science Data, Volume 16, issue 6, 16, 2625–2658, 2024; DOI: 10.5194/essd-16-2625-2024
Smith, S. M., Geden, O., Gidden, M. J., Lamb, W. F., Nemet, G. F., Minx, J. C., Buck, H., Burke, J., Cox, E., Edwards, M. R., Fuss, S., Johnstone, I., Müller-Hansen, F., Pongratz, J., Probst, B. S., Roe, S., Schenuit, F., Schulte, I., Vaughan, N. E. (eds.): The State of Carbon Dioxide, Removal 2024 - 2nd Edition; DOI: 10.17605/OSF.IO/F85QJ (2024)
Weitere Daten zur aktuellen Entwicklung der Treibhausgasemissionen: Climate Change Tracker