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Robert-Koch-Preis 2018 Auszeichnung für Paradigmenwechsel in der Immunologie

| Redakteur: Doris Popp

Die Robert-Koch-Stiftung verleiht den Robert-Koch-Preis 2018 an Prof. Jeffrey V. Ravetch von der Rockefeller University in New York/USA. Mit der Auszeichnung werden seine bahnbrechenden Arbeiten zur Analyse der Antikörper-Antwort gewürdigt. Prof. Staffan Normark vom Karolinska-Institut in Stockholm/Schweden erhält die Robert-Koch-Medaille in Gold für sein Lebenswerk, insbesondere für seine Arbeiten zur Pathogenität von Krankheitserregern.

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Prof. Jeffrey V. Ravetch von der Rockefeller University in New York/USA erhält den Robert-Koch-Preis 2018.
Prof. Jeffrey V. Ravetch von der Rockefeller University in New York/USA erhält den Robert-Koch-Preis 2018.
(Bild: Robert-Koch-Stiftung)

Berlin – Der mit 120 000 Euro dotierte Robert-Koch-Preis und die Auszeichnung werden während eines Festakts am 16. November 2018 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin überreicht.

Für Jeffrey V. Ravetch hat sich ein alter Traum erfüllt. „Ich hatte schon immer diese kindliche Hoffnung, eines Tages sagen zu können, dass ich eine Krankheit erforscht, ihren Mechanismus verstanden, ein Therapeutikum dagegen entwickelt und nachgewiesen hätte, wie dieses Mittel den Verlauf der Krankheit verändert“, sagte er 2008 dem Fachblatt BioTechniques: „Und jetzt ist es endlich so weit.“ Mit einem rekombinanten Gammaglobulin hatte der US-Forscher die Möglichkeit eröffnet, Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Arthritis oder Lupus, in Zukunft sehr viel effektiver zu behandeln, als dies bisher möglich war. Auch die zweite und dritte Generation von therapeutischen Antikörpern gegen Krebs würde es ohne Ravetch nicht geben. Einige von ihnen sind schon zugelassen. Andere befinden sich in der Schlussphase der klinischen Prüfung.

All dies ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem so genannten Fc-Fragment auf dem Antikörpermolekül und dessen Bindungspartnern, den Fc-Rezeptoren, die sich auf der Oberfläche von vielen Immunzellen befinden, darunter Lymphozyten, Fresszellen und natürliche Killerzellen. Als Ravetch Anfang der 1980er Jahre am Sloan-Kettering Institute in New York seine erste eigene Forschergruppe übernahm, stellte er sich die scheinbar simple Frage: „Warum besitzen Antikörper überhaupt ein Fc-Fragment?“ Damals wurde diesem Strukturelement des Antikörper-Moleküls noch keine bedeutende biologische Rolle beigemessen, abgesehen von seiner Funktion bei der Verlängerung der Halbwertszeit von Antikörpern im Serum und bei der Aktivierung des so genannten „Komplementsystems“ im Zuge der Immunabwehr. Aber Ravetch hatte mit seiner Frage ins Schwarze getroffen.

Es gelang ihm, die Familie der Fc-Rezeptoren zu klonieren, was in Anbetracht der damals noch rudimentären Techniken zur Isolierung von Genen für seltene Proteine für sich genommen schon eine große Herausforderung war. Versuche mit Knock-Out-Mäusen lieferten den Beweis, dass über Mitglieder aus der Familie der Fc-Rezeptoren ganz unterschiedliche Immunreaktionen moduliert werden können. „Es dauerte lange und kostete einige Mühe, die medizinische Community von der Tatsache zu überzeugen, dass über diese Rezeptoren nicht nur entzündliche Prozesse reguliert werden, sondern auch Immunomodulation und Immuntoleranz“, sagt Ravetch heute.

Plausible Erklärung für Phänomene bei Antikörpern

Für viele von Antikörpern vermittelte Phänomene, die sich mitunter auch widersprüchlich darstellten, gab es nun endlich eine plausible Erklärung. Zum Beispiel für das vermeintliche Paradox im Zusammenhang mit den Gammaglobulinen (IgG). Dass diese Antikörper Autoimmunerkrankungen auslösen können, wenn sie körpereigene Zellen als „fremdartig“ einstufen und diese daraufhin von Immunzellen attackiert werden, wusste man schon seit langem. Andererseits ließen sich Autoimmunerkrankungen mit hochdosierten, intravenös verabreichten Gammaglobulin-Präparaten erfolgreich behandeln. Wie konnte das sein?

Ravetch entdeckte, dass es von winzigen molekularen Abweichungen („Sialylierung“) in der Fc-Region des Antikörper-Moleküls abhängt, ob das Gammaglobulin eine entzündliche oder antientzündliche Wirkung hat, weil einzelne Mitglieder aus der Familie der Fc-Rezeptoren auf die strukturellen Veränderungen, die durch die Sialylierung ausgelöst werden, unterschiedlich reagieren. Mit der Aufklärung dieser Mechanismen hat Ravetch die Voraussetzung für die Entwicklung eines synthetischen Gammaglobulins geschaffen, einer „hypersialylierten“ Variante mit einer um ein Vielfaches stärkeren Wirkung als bei den herkömmlichen, aus Tausenden von Plasmaspenden gepoolten Präparaten.

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