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Medaille in Gold für einen großen Mentor der Wissenschaft
Wenn Staffan Normark auf den Beginn seiner Karriere zurückblickt, erinnert er sich an eine Zeit, in der vieles einfach „neu und aufregend“ war. Normark gehörte zu den ersten Forschern, die in Schweden ein Gen klonierten. 1980 wurde er im Alter von 35 Jahren jüngster Professor an der Universität seiner Heimatstadt Umea. 1983 gründete er die Firma Symbicom, ein frühes schwedisches Biotechunternehmen, heute eine Tochter der AstraZeneca. Normark hatte ein sicheres Gespür für die ungeheuren Möglichkeiten, die sich mit den neuen molekularbiologischen Werkzeugen eröffneten. Lange beschäftigte er sich mit der Induktion der so genannten AmpC-Beta-Laktamase in Eschericia coli und damit der Entstehung von Antibiotikaresistenzen. Bei den Beta-Laktamasen handelt es sich um bakterielle Enzyme, die in der Lage sind, den „Betalaktam-Ring“ zahlreicher Antibiotika zu spalten und damit zu inaktivieren. Die enzymatische Inaktivierung von Antibiotika durch Beta-Laktamasen gilt heute als der am weitesten verbreitete Resistenzmechanismus.
Interaktionen zwischen Bakterien und ihren jeweiligen Wirten
Bald hatte sich Normark den Ruf eines international führenden Experten hinsichtlich der Frage erworben, wie bakterielle Pathogene an ihre Wirtszellen binden. Für rund 80 Prozent aller Blasenentzündungen ist das Darmbakterium E.coli verantwortlich. Normark untersuchte die winzigen haarähnlichen Anhängsel („Pili“), mit denen diese Bakterien – ähnlich wie mit kleinen Armen – versuchen, sich an die Zellen der Harnblasenwand anzuheften. Die Arbeit mündete in die Entwicklung eines experimentellen Impfstoffs gegen Harnwegsinfektionen. Bald nach der bahnbrechenden Entdeckung von Robin Warren und Barry Marshall, dass Helicobacter pylori Magengeschwüre auslöst, konnte Normark als Erster belegen, was dieses Bakterium, dessen Rolle als „Magenkeim“ so lange unentdeckt geblieben war, dazu befähigt, an Epithelzellen in der Magenschleimhaut anzudocken.
Später, 2005, war es ihm eine besondere Ehre, bei der Verleihung des Medizinnobelpreises an Warren und Marshall die „Award Ceremony Speech“ halten zu dürfen. Als Seniorprofessor am berühmten Karolinska-Institut in Stockholm beschäftigt sich Normark weiterhin mit den Interaktionen zwischen Bakterien und ihren jeweiligen Wirten. Zuletzt lag sein Augenmerk vor allem auf der molekularen Pathogenese von Infektionen durch Pneumokokken, die lebensbedrohliche Lungenentzündungen auslösen können.
Von 1999 bis 2005 war Normark Präsident der schwedischen Stiftung für strategische Forschung (SSF). Als Mitglied der Nobelversammlung war er schon seit Mitte der 1990er Jahre für die Vergabe der Nobelpreise mitverantwortlich, von 1996 bis 2001 auch als Mitglied des Nobelpreiskomitees. Von 2010 bis 2015 amtierte er als Ständiger Sekretär der Royal Swedish Academy of Sciences, zu dessen schönsten Aufgaben es gehörte, die Nobelpreisträger über ihre Wahl telefonisch in Kenntnis zu setzen.
Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die Normark selber erhalten hat, gehört der 2012 verliehene „Nature Award“ für vorbildliches Mentoring. Ehemalige Schüler, die längst selber eine steile Karriere machten, rühmten unter anderem seine Fähigkeit, aus ihnen das Beste „herauszukitzeln“, ihnen aber auch möglichst viel Freiheit zu lassen. Ein innovativer Gedanke sei ihm immer wichtiger gewesen als das schiere Produzieren von Daten. Philipp Campbell, der langjährige Herausgeber von „Nature“, nannte Staffan Normark „eine jener außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die es fertig bringen, selber Spitzenforschung zu betreiben und gleichzeitig ein Umfeld zu schaffen, in dem junge Forscher ihre eigene Kreativität zur Geltung bringen können“.
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