English China

Herbizide wie Glyphosat entfernen Nanofiltration für bessere Wasserqualität

Quelle: Pressemitteilung Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Kunststoffabfälle, Medikamentenrückstände oder Herbizide: mögliche Verunreinigungen unseres Grundwassers sind mannigfaltig. Ein europäisches Forscherteam unter Mitarbeit des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat jetzt einen Nanofiltrationsprozess entwickelt, der Herbizide wie Gylphosat aus dem Wasser entfernt.

Forschende des KIT untersuchen, wie sich Glyphosat und AMPA durch Nanofiltrationsmembranen aus Wasser entfernen lassen. (Bild:  Cynthia Ruf, KIT)
Forschende des KIT untersuchen, wie sich Glyphosat und AMPA durch Nanofiltrationsmembranen aus Wasser entfernen lassen.
(Bild: Cynthia Ruf, KIT)

Wasser ist grundlegend für alles Leben – Verunreinigungen schaden Mensch und Umwelt. Eine besondere Herausforderung stellen Herbizide dar, die in der Landwirtschaft gegen Unkräuter eingesetzt werden. Das weltweit meistverwendete Herbizid ist Glyphosat. Seinen Einsatz bewerten Fachleute unterschiedlich, da Studien Hinweise auf mögliche Risiken wie eine krebserzeugende Wirkung beim Menschen, Nervenschädigungen sowie Auswirkungen auf die biologische Vielfalt diskutieren. Nach der Anwendung in Gärten oder in der Landwirtschaft kann Glyphosat in den Wasserkreislauf gelangen. Um die Wasserressourcen zu schützen, bedarf es effizienter Aufbereitungstechnologien.

Membranmaterialien sind entscheidend

Forschende vom Institute for Advanced Membrane Technology (IAMT) des KIT arbeiten an innovativen Membranmaterialien, die Wasser hindurch lassen und Schadstoffe zurückhalten. In einer neuen Studie haben sie sich gemeinsam mit Forschenden der Ruhr-Universität Bochum, der Südböhmischen Universität in Budweis in Tschechien und der Universität Lodz in Polen damit beschäftigt, wie sich Glyphosat und Aminomethylphosphonsäure (AMPA) durch Nanofiltrationsmembranen entfernen lassen. AMPA entsteht vor allem im Boden als Abbauprodukt von Glyphosat. Es weist ähnliche chemische Eigenschaften auf, bleibt jedoch länger erhalten.

Die Nanofiltration ist ein druckgetriebenes Verfahren, bei dem die Poren der Membranen nur wenige Nanometer messen. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass das Entfernen von Schadstoffen wie Glyphosat nicht nur von der Größe der Moleküle und deren Ladung abhängt, sondern auch stark von der Wasserumgebung“, sagt Professorin Andrea Iris Schäfer vom IAMT des KIT und korrespondierende Autorin der Studie. „Diese Erkenntnis hilft uns, die Nanofiltration weiter zu verbessern – und damit Menschen weltweit mit sauberem, sicherem Wasser zu versorgen.“

Nicht nur auf die Größe kommt es an, auch auf den pH-Wert

Nanofiltrationsmembranen halten Schadstoffe auf verschiedene Weisen zurück: Erstens funktionieren sie wie ein Sieb. Moleküle, die größer als die Poren sind, können nicht hindurchgelangen. Zweitens tragen viele Membranen elektrische Ladungen und stoßen Ionen mit der gleichen Ladung ab. Drittens sind Moleküle in Wasser oft von einer Hülle aus angelagerten Wassermolekülen umgeben. Diese Hydration beeinflusst, wie groß die Moleküle im Wasser wirken und wie schwer sie durch die Membran gelangen.

Forschende am IAMT arbeiten an innovativen Membranmaterialien, die Wasser hindurchlassen und Schadstoffe zurückhalten. Die Nanofiltration ist ein druckgetriebenes Verfahren, bei dem die Poren der Membranen nur wenige Nanometer messen.(Bild:  Cynthia Ruf, KIT)
Forschende am IAMT arbeiten an innovativen Membranmaterialien, die Wasser hindurchlassen und Schadstoffe zurückhalten. Die Nanofiltration ist ein druckgetriebenes Verfahren, bei dem die Poren der Membranen nur wenige Nanometer messen.
(Bild: Cynthia Ruf, KIT)

„Wir konnten zeigen, dass der pH-Wert der wässrigen Lösung sowie der Druck bei der Nanofiltration die Entfernung von Glyphosat und AMPA entscheidend beeinflusst“, so Phuong Bich Trinh, Doktorandin am IAMT. Je nach pH-Wert, also je nachdem, wie sauer oder basisch die Lösung ist, können die Moleküle unterschiedlich geladen sein. Bei höheren pH-Werten gewinnt der Ladungsausschluss an Bedeutung. Außerdem verstärkt sich damit auch die Hydration der Moleküle, sodass sich Glyphosat und AMPA leichter aus dem Wasser entfernen lassen. Höherer Druck kann allerdings dazu führen, dass die Hydrationsschicht teilweise zerstört wird – was die Entfernung wiederum erschwert.

Hydrathülle mittels FTIR-Spektroskopie untersucht

Die Hydrathülle organischer Stoffe lässt sich jedoch nur schwer messen. Für ihre Untersuchungen nutzten Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum die Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie (FTIR-Spektroskopie), bei der Infrarotlicht mit Molekülschwingungen wechselwirkt. Forschende der Südböhmischen Universität in Budweis und der Universität Lodz ergänzten die Experimente durch computergestützte Molekulardynamik-Simulationen. Die Studie trägt wesentlich zum Verständnis der molekularen Details im Filtrationsprozess bei und hilft, Nanofiltrationstechnologien künftig noch wirksamer sowie energie- und kosteneffizienter zu gestalten.

Originalpublikation: Phuong B. Trinh, Minh N. Nguyen, Zdenek Futera, Babak Minofar, Marco Personeni, Poul Petersen, Andrea I. Schäfer: The role of hydration in the removal of glyphosate (GLY) and aminomethylphosphonic acid (AMPA) by nanofiltration membranes. Nature Communications, 2026.

(ID:50829551)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung