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Erfolgsstrategie von Mikroben über verschiedenste Lebensräume verglichen Meer oder Darm, Hauptsache Akkermansia-Bakterium

Quelle: Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen 3 min Lesedauer

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Ob als aquatische Mikroben im Ozean oder Bakterien in unserem Darm: Die Gruppe der Akkermansia-Bakterien zeigt große Ähnlichkeiten in ihrer Überlebensstrategie. Mit der Erforschung dieser Mikroben werfen Wissenschaftler neues Licht auf ihr Potenzial für die Gesundheitsforschung und deren Rolle im marinen Kohlenstoffkreislauf.

Hochauflösende Mikroskopie der Zelle eines marinen Akkermansiaceae (rot, im Inneren in blau die DNA) mit aufgenommenem Fucoidan (grün), was die Aufnahme dieses komplexen Algenzuckers belegt.(Bild:  Nicole Von Possel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)
Hochauflösende Mikroskopie der Zelle eines marinen Akkermansiaceae (rot, im Inneren in blau die DNA) mit aufgenommenem Fucoidan (grün), was die Aufnahme dieses komplexen Algenzuckers belegt.
(Bild: Nicole Von Possel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Unzählige Bakterien besiedeln unseren Darm, versorgen uns mit Nährstoffen und dienen unserer Gesundheit. Dazu gehören auch die Akkermansia-Bakterien, die bei der Behandlung etwa von Adipositas und Diabetes hilfreich sein könnten.

Forschende des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen haben nun entdeckt, dass diese Bakterien nicht nur in unserem Darm, sondern auch im Ozean leben. In beiden Lebensräumen nutzen sie die gleichen Fähigkeiten. Offensichtlich besitzen sie ein althergebrachtes und weit verbreitetes Set an Werkzeugen, um zu überleben und erfolgreich zu sein.

Geheimnisse aus dem Genom

„Wir haben uns gefragt: Wären die Eigenschaften, mit denen diese Bakterien in unserem Darm so erfolgreich sind – insbesondere die Art, wie sie Zucker essen – nicht auch in anderen Lebensräumen nützlich?“, berichtet Gruppenleiter Luis Humberto Orellana Retamal vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Deswegen machten sich die Forschenden auf die Suche nach Akkermansiaceae. Sie prüften an die 250.000 DNA-Datensätze aus unterschiedlichsten Lebensräumen auf der ganzen Welt. Und tatsächlich: Im Darm von Tieren, im Meer, in Seen und Flüssen – überall stießen sie auf Vertreter dieser Bakteriengruppe.

Daraufhin untersuchte das Team den genetischen Fingerabdruck der Mikroben, also deren Genom, und hielt nach besonders wichtigen Proteinen zum Zuckerabbau Ausschau. „Die Akkermansia-Bakterien in unserem Darm und im Meer waren sich erstaunlich ähnlich“, zieht Orellana Retamal ein Fazit. „Im Meer zersetzen diese Bakterien Fucoidan, einen Zucker, der aus Seetang stammt. Im Darm spezialisieren sie sich auf Mucin, ein komplexes, mit Zucker überzogenes Proteingel, das unsere Darmwand auskleidet. Die Forschenden stellten fest, dass die beteiligten Bakterien im Kern den gleichen molekularen Mechanismus benutzen, um die Zucker zu zerlegen – obwohl sie in völlig unterschiedlichen Lebensräumen zuhause sind.

Eine bewährte Strategie, in allen Bereichen

Passt fast perfekt: Zwei Proteinstrukturen übereinandergelegt, eine von einem Darmbakterium und eine von einem marinen Verwandten. Die verblüffende Überlappung zeigt, wie unverändert dieses Protein in verschiedenen Lebensräumen ist.(Bild:  Isabella Wilkie/ Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)
Passt fast perfekt: Zwei Proteinstrukturen übereinandergelegt, eine von einem Darmbakterium und eine von einem marinen Verwandten. Die verblüffende Überlappung zeigt, wie unverändert dieses Protein in verschiedenen Lebensräumen ist.
(Bild: Isabella Wilkie/ Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Der ökologische Erfolg der Akkermansia-Bakterien in so unterschiedlichen Lebensräumen wie dem Darm und dem Meer basiert auf einer gemeinsamen, uralten Strategie: Sie hängen sich an komplexe Zuckermoleküle, nehmen diese auf und zersetzen sie im Inneren der Zelle. Der grundlegende Mechanismus ist in allen Lebensräumen gleich, Unterschiede gibt es nur bei den spezifischen Proteinen, die für die Feinabstimmung an die jeweilige Nahrung sorgen.

Der Darmbewohner Akkermansia muciniphila entwickelte sich vermutlich aus einem aquatischen Vorfahren, der bereits in der Lage war, chemisch ähnliche Zucker zu nutzen. Es handelt sich eher um eine Spezialisierung als um eine evolutionäre Neuerfindung. „Diese Ähnlichkeit legt nahe, dass sich diese Bakterien bei der ersten Besiedlung des Darms nicht neu erfunden haben, sondern ein bereits vorhandenes Werkzeugset angepasst haben“, erklärt Orellana Retamal.

Therapeutisch und ökologisch wichtig

Akkermansia muciniphila ist ein besonders wichtiger Organismus für die Forschung am Darmmikrobiom und dessen Bedeutung für unsere Gesundheit. Ein besseres Verständnis des molekularen Werkzeugkastens von Akkermansia könnte dabei helfen, mikrobiom-basierte Therapien für beispielsweise Fettleibigkeit, Diabetes und Darmentzündungen zu entwickeln.

Die komplexen Zucker der Braunalgen – hier aufgenommen in Roscoff von Mitautorin Nicole von Possel – sind für Bakterien im Meer sehr schwer abzubauen, was sie besonders wichtig für die Kohlenstoffspeicherung macht. Verwandte des Darmbakteriums Akkermansia, die im Meer leben, sind auf ihre Zersetzung spezialisiert.(Bild:  Nicole Von Possel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)
Die komplexen Zucker der Braunalgen – hier aufgenommen in Roscoff von Mitautorin Nicole von Possel – sind für Bakterien im Meer sehr schwer abzubauen, was sie besonders wichtig für die Kohlenstoffspeicherung macht. Verwandte des Darmbakteriums Akkermansia, die im Meer leben, sind auf ihre Zersetzung spezialisiert.
(Bild: Nicole Von Possel/Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie)

Die nun vorliegenden Ergebnisse sind aber auch ökologisch interessant: Sie zeigen die wichtige und bisher weitgehend übersehene Bedeutung dieser Bakterien für den Ozean: Indem sie den schwer abbaubaren und kohlenstoffreichen Algenzucker Fucoidan zersetzen, sind sie wichtige Akteure im Kohlenstoffkreislauf des Meeres.

„Unsere Ergebnisse liegen an der Schnittstelle zweier wichtiger gesellschaftlicher Themenbereiche: der menschlichen Gesundheit und der Umwelt“, betont der Studienleiter. „In Sachen Gesundheit unterstützen sie die Entwicklung mikrobiombasierter Therapien. In Sachen Umwelt zeigen sie uns, wie Meeresbakterien Kohlenstoff verarbeiten. Das hilft dabei, vorherzusagen, wie marine Ökosysteme auf den Klimawandel reagieren werden.“ Diese Studie verdeutlicht zudem: Grundlegende Entdeckungen können an unerwarteten Orten gemacht werden. „Aus dem Meer können überraschende Einblicke in das Geschehen in unserem eigenen Darm kommen“, schließt Orellana Retamal.

Originalpublikation: Isabella Wilkie, Nicole Von Possel, Tomás Sauma-Sánchez, Greta Reintjes, and Luis H. Orellana: Conserved glycan-utilization strategies shape Akkermansiaceae success across aquatic and gut ecosystems, The ISME Journal (22. April 2026); DOI: 10.1093/ismejo/wrag096

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