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Zusammenhang zwischen Blutgruppe und Fähigkeit zur Höhenanpassung Das beste Blut zum Bergsteigen

Quelle: Pressemitteilung Universität des Saarlandes 3 min Lesedauer

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Die Blutgruppe ist nicht nur relevant bei Bluttransfusionen, sie kann auch entscheiden, wie gut wir beim Bergsteigen mit der dünnen Luft zurechtkommen. Durch Untersuchung einer großen Stichprobe haben Forscher der Universität des Saarlandes gezeigt, dass Probanden mit einem negativen Rhesusfaktor tendenziell eine bessere Fähigkeit zur Höhenanpassung aufweisen.

Bei einer Expedition zur  höchstgelegenen Siedlung der Welt (La Rinconada in Peru) stießen Forscher auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und der Fähigkeit zur Höhenanpassung.(Bild:  E. Michael James - stock.adobe.com)
Bei einer Expedition zur höchstgelegenen Siedlung der Welt (La Rinconada in Peru) stießen Forscher auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und der Fähigkeit zur Höhenanpassung.
(Bild: E. Michael James - stock.adobe.com)

Den Blutgruppen werden allerlei Eigenschaften zugesprochen. In esoterisch veranlagten Kreisen gibt es sogar „Blutgruppen-Horoskope“, die aber wissenschaftlich nicht haltbar sind. Doch in anderen Bereichen lassen sich tatsächlich Zusammenhänge nachweisen, wie Prof. Dr. Lars Kaestner von der Universität des Saarlandes sagt: „In jüngerer Vergangenheit gibt es Hinweise darauf, dass die Blutgruppe mit bestimmten physiologischen Eigenschaften einhergeht.“

Höhenanpassung bei Peru-Expedition

In einer nun publizierten Studie konnte Kaestner gemeinsam mit seinem Kollegen Angelo D’Alessandro von der Universität von Colorado in Denver (USA) und weiteren Kollegen aus Frankreich, Italien, der Schweiz und Kanada erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Rhesus-Faktor und der Fähigkeit zur Höhenanpassung finden.

Die Wissenschaftler haben in einer großen statistischen Analyse gezeigt, dass das Molekül 2,3-Biphosphoglycerinsäure (BPG) mit Proteinvarianten aus der Rhesus-Gruppe korreliert. BPG ist entscheidend an der Regulation des Hämoglobins in roten Blutzellen beteiligt.

Die Idee zu der Studie kam dem Team durch eine Forschungsreise. „Bei sechs Probanden, die uns auf eine Expedition nach La Rinconada in Peru, die höchstgelegene, dauerhaft bewohnte Siedlung der Welt, begleitet haben, konnten wir feststellen, dass nach einer gewissen Zeit in der Höhe mehr BPG in den roten Blutzellen zu finden war“, sagt Kaestner. Der Körper der Probanden wurde also nach einer gewissen Adaptionszeit besser mit Sauerstoff versorgt, da er mehr BPG hergestellt hat. Interessanterweise waren alle sechs untersuchten Probanden rhesus-positiv, das heißt, ihre roten Blutzellen (Erythrozyten) weisen auf ihrer Oberfläche bestimmte Membranproteine auf, die im Blut von rhesus-negativen Personen nicht auftreten.

Statistische Analyse von über 13.000 Blutspendern

Für sich genommen ist die Erkenntnis aus der Peru-Expedition noch nichts Ungewöhnliches, schließlich trägt die Mehrheit der Menschen – rund 85 Prozent – das Blutgruppen-Merkmal rhesus-positiv. „Da die Untersuchung des Blutes von sechs Probanden nur begrenzte statistische Aussagekraft besitzt, haben wir uns an Angelo D’Alessandro von der Universität Denver gewandt“, sagt Kaestner. „Der weltweit anerkannte Fachmann konnte auf die Daten von über 13.000 Blutspendern zurückgreifen und so mithilfe statistischer Methoden und künstlicher Intelligenz untersuchen, ob der an wenigen Probanden beobachtete Zusammenhang auch für größere Menschenmengen zutrifft und damit statistisch gesichert werden kann.“

Diese Analyse ergab laut Kaestner, dass auch ohne Höhenanpassung Menschen mit bestimmten Varianten des Rhesus-Proteins, so genannten SNPs, signifikant mehr BPG bilden: „Die neuen Erkenntnisse können dazu beitragen, besser zu verstehen, wie die Blutgruppe die BPG-Synthese und die Sauerstoffversorgung unter anderen hypoxischen, also sauerstoffarmen Bedingungen beeinflusst, etwa beim Sport oder bei Notfall-Bluttransfusionen“, so das Fazit des Saarbrücker Experten.

Blutkonserven länger haltbar machen

Kaestners US-Kollege D’Alessandro ergänzt weitere Fragen, die aus der nun publizierten Beobachtung folgen könnten: „Wird man bei einem Marathon besser abschneiden, wenn man rhesus-positiv ist? Oder überleben Patienten, die zum Beispiel bei einem Unfall stark blutende Wunden erleiden, eher, wenn sie rhesus-positiv sind? Das wissen wir noch nicht. Was wir aber wissen, ist, dass der Rhesus-Status einen Einfluss darauf hat, wie das BPG hergestellt wird. Wir versuchen nun, Strategien zu entwickeln, um den BPG-Gehalt in gelagerten Blutkonserven zu erhöhen.“ Dies wäre für die Verbesserung der Effizienz von Bluttransfusionen von entscheidender Bedeutung.

Originalpublikation: D’Alessandro, A., Earley, E., Nemkov, T., Stephenson, D., Dzieciatkowska, M., Hansen, K., Minetti, G., Champigneulle, B., Stauffer, E., Pichon, A., Furian, M., Verges, S., Kleinman, S., Norris, P.J., Busch, M.P., Page, G.P., Kaestner, L.: Genetic polymorphisms and expression of Rhesus blood group RHCE are associated with 2,3-bisphosphoglycerate in humans at high altitude, Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America, 121(1), 2024, DOI: 10.1073/pnas.2315930120

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