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Laborplanung

Der Weg vom Büro- zum Laborgebäude

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Für die Sequenzierung, also die Aufschlüsselung der Reihenfolge der Basen in der DNA, wird eine bestimmte Menge an Untersuchungsgut benötigt. Die DNA muss also zunächst mithilfe der Polymerasekettenreaktion (PCR) vermehrt werden. Für diesen Schritt hält man in Martinsried rund 50 PCR-Geräte vor, die fast rund um die Uhr in Betrieb sind. Gelangt ein falscher „DNA-Schnipsel“ in diesen Prozess, liefert die Probe falsche Ergebnisse. Es ist daher wichtig zu gewährleisten, dass keine DNA-Produkte aus der PCR in die Probenvorbereitung gelangen.

Für die besonders sensitiven Bereiche der Probenvorbereitung wurden daher Zonen geschaffen, die abgeschleust sind und mit Überdruck betrieben werden. Dadurch können keine Produkte aus späteren Prozessschritten in die entsprechenden Räume gelangen. Insbesondere in der forensischen Abteilung sind die Prozessschritte darüber hinaus klar gegliedert und räumlich getrennt. Ihre lineare Anordnung verhindert eine Überkreuzung der Proben und eine Kontaminationsverschleppung vom Endprodukt in das Ausgangsmaterial.

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Auch die Kleidung kann zu Verunreinigungen führen. Im laufenden Betrieb werden daher in jeder Zone spezielle Kittel mit unterschiedlichen Farben getragen. Die Anforderungen der staatlichen Ermittlungsbehörden gehen so weit, dass Kittel verschiedener Farben niemals gleichzeitig in einer Waschmaschine gewaschen werden dürfen.

Spezialfall Lüftung

Die eigentliche Sequenzierung wird in so genannten Sequenzern durchgeführt. Diese sensitiven Geräte können bis zu 96 Proben gleichzeitig bearbeiten und haben dabei eine elektrische Leistungsaufnahme von 2000 Watt. Ein spezieller Starkstromanschluss und eine Menge Abwärme sind die Folgen dieses Maschinenbetriebs.

Der vorgeschriebene, vierfache Luftwechsel wurde mittels textiler Verteilersysteme weitgehend zugerscheinungsfrei realisiert. Allein allerdings konnte er nicht dafür sorgen, dass die Temperaturen der Sequenzerräume unter den geforderten 24 °C blieben. Diese Aufgabe übernimmt nun eine fein gesteuerte Kühlungsanlage.

Die geringen Deckenhöhen des ehemaligen Bürobaus machten eine „unorthodoxe“ Anordnung der Lüftungsschächte an dessen Außenseiten nötig. Die Ab- wie Zuluft verläuft dabei auf je einer Seite der Fassade und wird geschossweise in die Räume geführt. Auf diese Weise vermeidet man die Kreuzung von Lüftungsrohren im Inneren und reduziert damit die notwendigen Montagehöhen deutlich.

Da forensische Proben einer bestimmten Aufbewahrungsfrist unterliegen, wurde außerdem im Untergeschoss ein Tiefkühlarchiv geschaffen, das bei -20 °C betrieben wird. So ist gewährleistet, dass die Rückstellproben auch in fünf bis zehn Jahren noch auswertbar sind.

Alle technischen Anlagen inklusive der Technikzentrale sind auf dem Dach angeordnet. Das sparte Platz und schuf im Gebäude die Möglichkeit, den ohnehin knappen Raum optimal für die Laborflächen zu nutzen.

Fazit

Die Frage nach Um- oder Neubau, hängt von vielen Faktoren ab. Ist sie zu Gunsten des Bestands gefallen, sollten sich die potenziellen Bauherren darüber klar sein, dass der Aufwand sich damit nicht etwa reduziert. Es gilt, zu improvisieren und auch vom Standardfall abweichen zu können. Nur ein erfahrenes Team auf Bauherren- wie Planerseite wird den gewünschten Erfolg erreichen können.

*C. J. Grothaus, Architekt und freier Autor, 10585 Berlin

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