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Vulkanische Eruptionen besser verstehen Die Natur des Vulkans aus Kristallen lesen – mit 3D-Röntgenbildern

Quelle: Pressemitteilung DESY Deutsches Elektronen- Synchrotron 3 min Lesedauer

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Die Zukunft vorhersagen können Klinopyroxen-Kristalle nicht, aber sie enthalten wertvolle Informationen über das Ausbruchsverhalten von Vulkanen. Durch Analyse von Schmelzeinschlüssen haben Forscher der Uni Genf die letzte Eruption des Vulkans Colli Albani nahe Rom analysiert und neue Erkenntnisse zu der Chemie des Magmas erhalten.

Mikroskopische Aufnahme eines Klinopyroxen-Kristalls. Dieses Mineral bildete sich in einer Magmakammer. Schmelzeinschlüsse (in schwarz) sind in diesen Kristallen vorhanden.(Bild:  Corin Jorgenson, University of Strathclyde)
Mikroskopische Aufnahme eines Klinopyroxen-Kristalls. Dieses Mineral bildete sich in einer Magmakammer. Schmelzeinschlüsse (in schwarz) sind in diesen Kristallen vorhanden.
(Bild: Corin Jorgenson, University of Strathclyde)

Mehr als 800 Millionen Menschen leben weltweit in der Nähe eines aktiven Vulkans. Einige dieser Vulkane lassen keine genaue Vorhersage ihrer Ausbrüche durch Modelle zu. Dies gilt auch für die Colli Albani in Italien. Ein internationales Team unter der Leitung der Universität Genf lüftet dieses Geheimnis mit einer neuen Technik: Der Analyse mit Synchrotronstrahlung von Kristallen, die Spuren der letzten Eruption enthalten. Die nun veröffentlichte Studie ebnet den Weg für neue Analysemethoden in der Vulkanologie und stärkt die Gefahrenabwehr.

Analyse von Magma entlockt Vulkanen ihre Geheimnisse

Um Vulkane zuverlässig zu überwachen und Ausbrüche vorherzusagen, müssen Forscher die Signale verstehen, die einer solchen potenziell verheerenden Eruption vorausgehen. Diese Aufgabe wird zur Herausforderung, wenn ein Vulkan den klassischen Vorhersagemodellen widerspricht – wie die Colli Albani, die nur 20 Kilometer von Rom entfernt liegen. Theoretisch sollte die Zusammensetzung ihres Magmas zu Eruptionen mit geringer Intensität führen. Die vergangenen Ausbrüche zeigen jedoch ein anderes Bild.

Magma enthält flüchtige Stoffe, vor allem Wasser und Kohlendioxid. Wenn es zur Vulkan-Oberfläche aufsteigt, werden diese flüchtigen Stoffe freigesetzt, und je zähflüssiger das Magma ist, desto schwerer kann das Gas entweichen. Die Zurückhaltung des Gases führt zu einem Druckanstieg und schließlich zu heftigen explosiven Eruptionen. Theoretisch sollte von den Colli Albani keine solche Gefahr ausgehen, da ihr Magma wenig zähflüssig ist. Dennoch kam es zu mehreren heftigen Eruptionen, zuletzt vor 355.000 Jahren, als sie bis zu 30 km3 glühende Asche und geschmolzenes Gestein in die Atmosphäre spuckten.

Um mehr zu erfahren, analysierte das Forschungsteam mithilfe von Röntgenstrahlung Schmelzeinschlüsse aus dem Magma der letzten Eruption. Diese winzigen Magmatröpfchen, nur einen hundertstel Millimeter groß, waren vor der Explosion im Inneren von Kristallen eingeschlossen worden und bewahren wertvolle Hinweise auf die Chemie des Magmas, dessen Wasser- und Kohlendioxidgehalt – Schlüsselfaktoren für die Explosivität – sowie dessen Temperatur und Druck. Insgesamt untersuchten die Forschenden 35 Kristalle mit 2.000 Einschlüssen.

3D-Röntgenbilder von Magmaeinschlüssen

Wissenschaftler der Uni Genf arbeiteten hier mit mehreren Institutionen zusammen, darunter das deutsche Elektronen-Synchrotron (Desy), die Universitäten Rom Tre (Italien) und Bristol (UK) sowie das Helmholtz-Zentrum Hereon. Mithilfe des Teilchenbeschleunigerrings PETRA III bei Desy erstellte das Team hochauflösende 3D-Röntgenbilder von Magmaeinschlüssen. Der Teilchenbeschleuniger erzeugt intensive Röntgenstrahlung, um Materie im Nanomaßstab an verschiedenen Experimentierplätzen, wie dem, an dem das Experiment stattfand, zu untersuchen.

„Dieser Ansatz ist ein Novum in der Vulkanologie, besonders bei der Untersuchung von Schmelzeinschlüssen. Er eröffnet neue Perspektiven in diesem Bereich“, erklärt Corin Jorgenson, Erstautorin der Studie und damals Doktorandin am Fachbereich Geowissenschaften der Uni Genf, jetzt Postdoktorandin an der University of Strathclyde in Schottland.

Wissenschaftliche Methode, um vulkanische Gefahren einzudämmen

Eine der wichtigsten Entdeckungen waren viele großvolumige Blasen aus Wasser und Kohlendioxid in den Einschlüssen. Dies deutet darauf hin, dass die Colli Albani erhebliche Mengen an Gas enthielten. „Durch das überschüssige Gas ähnelte das Magma einem Schwamm, der komprimiert wurde, wenn sich zusätzliches Magma im Reservoir ansammelte, und sich bei Beginn der Eruption schnell ausdehnte – beides wesentliche Gründe für den unerwartet starken und explosiven Ausbruch“, erklärt Luca Caricchi, Professor für Petrologie und Vulkanologie am Fachbereich Geowissenschaften der Uni Genf, der die Forschungsarbeiten leitete.

Der Vulkan Colli Albani, nahe Rom(Bild:  Alessandro Musu)
Der Vulkan Colli Albani, nahe Rom
(Bild: Alessandro Musu)

Diese Ergebnisse geben Aufschluss über den Mechanismus der Eruptionen der Colli Albani und unterstreichen die Bedeutung von 3D-Bildgebungsverfahren mit Synchrotronstrahlung in der Vulkanologie. Mit dem Messansatz, der auch auf andere Vulkane anwendbar ist, vertiefen die Forscher das Verständnis der Magmaspeicherung und -entgasung und verbessern gleichzeitig die Eindämmung vulkanischer Gefahren.

„Besonders schön an dieser Arbeit ist die wirklich interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit“, sagt Michael Stückelberger, Wissenschaftler bei Desy und Mitautor der Studie. „Es gab auch Herausforderungen, wie zum Beispiel die riesige Menge von Daten. In diesem Sinn ist diese Studie auch methodologisch richtungsweisend: während traditionell an Synchrotrons oft Einzelfallstudien durchgeführt werden, werden durch die massive Steigerung des Durchsatzes neue Wissenschaftsgebiete der Geologie, Biologie, aber auch Materialwissenschaften zugänglich, wo statistische Signifikanz die Messung vieler Proben verlangt.“

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Originalpublikation: C Jorgenson, M Stückelberger, G Fevola et al.: A Myriad of Melt Inclusions: A 3D Analysis of Melt Inclusions Reveals the Gas-Rich Magma Reservoir of Colli Albani Volcano (Italy), Journal of Petrology, Volume 66, Issue 3, March 2025, DOI: 10.1093/petrology/egaf012

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